EWG: Gründung, Ziele und Weg zur EU

EWG: Gründung, Ziele und Weg zur EU
EWG: Gründung, Ziele und Weg zur EU
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, kurz EWG, wurde 1957 von sechs Staaten gegründet. Durch einen gemeinsamen Markt und gemeinsame Institutionen sollten ihre Volkswirtschaften enger zusammenwachsen. Die EWG war noch nicht die Europäische Union, bereitete aber wichtige Schritte auf dem Weg zur heutigen EU vor.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum wurde die EWG gegründet?

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten wirtschaftliche Verflechtung und politische Zusammenarbeit dazu beitragen, den Frieden zu sichern. Zugleich hofften die beteiligten Staaten auf wirtschaftliches Wachstum in einem größeren Markt.

Einen ersten Schritt gingen Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, kurz EGKS. Sie arbeiteten bei Kohle und Stahl zusammen.

Pläne für eine weitergehende militärische und politische Einigung scheiterten 1954. Deshalb rückte die wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Auf der Konferenz von Messina beschlossen die sechs EGKS-Staaten 1955, die Integration auf weitere Bereiche der Wirtschaft auszudehnen.

Am 25. März 1957 unterzeichneten die sechs Staaten die Römischen Verträge. Damit gründeten sie die EWG und die Europäische Atomgemeinschaft, auch Euratom genannt. Die Verträge traten am 1. Januar 1958 in Kraft.

Merke

1957 bezeichnet die Unterzeichnung und Gründung. 1958 traten die Verträge in Kraft und die neuen Organe nahmen ihre Arbeit auf.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche sechs Staaten gründeten die EWG?
Lösung: Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande — Die EWG entstand aus dem Kreis der sechs Staaten, die bereits in der EGKS zusammenarbeiteten.
Frage 2 von 2MittelWarum gewann die wirtschaftliche Einigung nach 1954 an Bedeutung?
Lösung: Weil weitergehende militärische und politische Einigungspläne gescheitert waren — Nach dem Scheitern politisch-militärischer Pläne erschien die wirtschaftliche Zusammenarbeit als aussichtsreicher Weg zu engerer Integration.
Wie funktionierten gemeinsamer Markt und Zollunion?
Definition

Gemeinsamer Markt

Ein gemeinsamer Markt verbindet mehrere Staaten zu einem Wirtschaftsraum. Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital sollen sich zwischen ihnen möglichst frei bewegen können.

Die EWG strebte vier Freiheiten an:

  • Warenverkehr: Produkte sollten leichter über die Grenzen der Mitgliedstaaten gelangen.
  • Dienstleistungsverkehr: Dienstleistungen sollten auch in anderen Mitgliedstaaten angeboten werden können.
  • Personenverkehr: Dazu gehörte die Freizügigkeit von Arbeitnehmern.
  • Kapitalverkehr: Geld und Investitionen sollten sich leichter zwischen den Staaten bewegen können.

Der gemeinsame Markt reichte damit weiter als eine Zollunion.

Definition

Zollunion

In einer Zollunion bauen die Mitgliedstaaten Zölle und mengenmäßige Beschränkungen im Handel untereinander ab. Gegenüber Staaten außerhalb der Gemeinschaft verwenden sie gemeinsame Außenzölle beziehungsweise Zolltarife.

Beispiel

Ein Unternehmen aus Frankreich verkauft eine Maschine in die Bundesrepublik Deutschland.

Innerhalb der Zollunion soll an der gemeinsamen Grenze kein nationaler Einfuhrzoll auf diese Ware erhoben werden. Wird dieselbe Art von Maschine aus einem Drittstaat eingeführt, gilt dagegen der gemeinsame Außenzoll der EWG.

Der entscheidende Gedanke lautet: innen weniger Handelsschranken, nach außen ein gemeinsamer Zolltarif.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

In der Zollunion wurden zwischen den Mitgliedstaaten abgebaut. Gegenüber Drittländern galt ein . Der gemeinsame Markt umfasste zusätzlich den freieren Verkehr von .

Lösungen: Lücke 1: Zölle; Lücke 2: gemeinsamer Außenzoll; Lücke 3: Dienstleistungen, Personen und Kapital. Die Zollunion ordnet vor allem den Warenhandel. Der gemeinsame Markt umfasst darüber hinaus weitere wirtschaftliche Freiheiten.
Wer traf Entscheidungen in der EWG?

Gemeinsame Regeln brauchen Organe, die beraten, entscheiden, ausführen und Streitfälle klären. Zu Beginn der EWG waren dafür vier Einrichtungen besonders wichtig.

OrganUrsprüngliche Aufgabe
Parlamentarische Versammlungberaten und kontrollieren; die Mitglieder wurden von den nationalen Parlamenten entsandt
MinisterratEntscheidungen treffen; ihm gehörten die jeweils zuständigen nationalen Minister an
KommissionBeschlüsse ausführen und die EWG weiterentwickeln
Europäischer GerichtshofStreitigkeiten innerhalb der Europäischen Gemeinschaften entscheiden

EWG, EGKS und Euratom besaßen zunächst teilweise getrennte ausführende Organe. Durch den Fusionsvertrag wurden sie zusammengeführt. Seit 1967 hatten die drei Gemeinschaften einen gemeinsamen Ministerrat und eine gemeinsame Kommission. Zusammen wurden sie als Europäische Gemeinschaften bezeichnet.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine neue gemeinsame Regel soll beschlossen werden. Welches ursprüngliche EWG-Organ war dafür vor allem zuständig?
Lösung: Der Ministerrat — Der Ministerrat war das zentrale Entscheidungsorgan. Die Aufgaben von Kommission, Versammlung und Gerichtshof waren davon zu unterscheiden.
Wie entwickelte sich die EWG weiter?

Die Geschichte der EWG verlief in mehreren Schritten. Dabei lassen sich Vertiefung und Erweiterung unterscheiden.

Definition

Vertiefung

Vertiefung bedeutet, dass die beteiligten Staaten ihre Zusammenarbeit ausbauen, gemeinsame Regeln weiterentwickeln oder gemeinsame Institutionen stärken.

Definition

Erweiterung

Erweiterung bedeutet, dass weitere Staaten einer bestehenden Gemeinschaft beitreten.

Zeitstrahl
  1. 1951Die sechs späteren EWG-Gründer unterzeichnen den Vertrag zur Gründung der EGKS.
  2. 1955Auf der Konferenz von Messina wird die Ausweitung der wirtschaftlichen Integration vorbereitet.
  3. 25. März 1957Die sechs Staaten unterzeichnen die Römischen Verträge und gründen EWG und Euratom.
  4. 1. Januar 1958Die Römischen Verträge treten in Kraft.
  5. 1967Der Fusionsvertrag tritt in Kraft: EGKS, EWG und Euratom erhalten einen gemeinsamen Ministerrat und eine gemeinsame Kommission.
  6. 1973Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich treten bei; die Gemeinschaft wächst von sechs auf neun Mitglieder.
  7. 1992 bis 1993Der Vertrag von Maastricht wird unterzeichnet und tritt in Kraft. Die EWG wird in Europäische Gemeinschaft umbenannt und Teil der neu gegründeten EU.
Beispiel

Die Zusammenführung der ausführenden Organe im Jahr 1967 ist ein Beispiel für Vertiefung: Die vorhandenen Gemeinschaften organisierten ihre Zusammenarbeit enger.

Der Beitritt Dänemarks, Irlands und des Vereinigten Königreichs im Jahr 1973 ist ein Beispiel für Erweiterung: Die Zahl der Mitgliedstaaten stieg.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Ereignis ist eine Erweiterung?
Lösung: Der Beitritt Dänemarks, Irlands und des Vereinigten Königreichs im Jahr 1973 — Bei einer Erweiterung kommen Staaten hinzu. Bei einer Vertiefung wird die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft ausgebaut.
Frage 2 von 2MittelWelches Ereignis ist eine Vertiefung?
Lösung: Die Zusammenführung von Ministerrat und Kommission der drei Gemeinschaften — Die institutionelle Zusammenführung verstärkte die gemeinsame Organisation und war daher eine Vertiefung.
Warum war die Integration keine geradlinige Erfolgsgeschichte?

Die Mitgliedstaaten verfolgten nicht immer dieselben Interessen. Auch in möglichen Beitrittsstaaten war die Zustimmung zur EWG nicht selbstverständlich.

Das Vereinigte Königreich wollte bereits in den 1960er-Jahren beitreten. Der französische Staatspräsident widersetzte sich dem Beitritt, und die Verhandlungen wurden 1963 abgebrochen. Erst 1973 trat das Vereinigte Königreich gemeinsam mit Dänemark und Irland bei.

Norwegen verhandelte ebenfalls über einen Beitritt. In einer Volksabstimmung lehnten jedoch 53,5 % der Abstimmenden die Mitgliedschaft ab. Norwegen trat deshalb 1973 nicht bei.

Diese Fälle zeigen: Europäische Integration war von Entscheidungen, Interessengegensätzen und öffentlicher Zustimmung abhängig. Sie bestand nicht nur aus automatisch aufeinanderfolgenden Erfolgen.

Deine Analyse

Ordne die beiden Fälle jeweils einer Aussage zu und begründe deine Wahl:

  1. Ein vorhandener Mitgliedstaat bremst eine Erweiterung.
  2. Die Bevölkerung eines möglichen Mitgliedstaates lehnt den Beitritt ab.
Beispiel

Fall Vereinigtes Königreich: Aussage 1 passt. Frankreich widersetzte sich dem britischen Beitritt, sodass die Verhandlungen 1963 abgebrochen wurden.

Fall Norwegen: Aussage 2 passt. Eine Mehrheit von 53,5 % stimmte gegen den Beitritt.

Beide Beispiele belegen unterschiedliche Konflikte: Im ersten Fall entstand der Widerstand innerhalb der EWG, im zweiten im möglichen Beitrittsstaat.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWelche Schlussfolgerung wird durch beide Fälle gestützt?
Lösung: Erweiterung war politisch umstritten und konnte scheitern oder verzögert werden. — Die Beispiele zeigen politische Widerstände auf unterschiedlichen Ebenen. Deshalb darf die Geschichte der Integration nicht als geradliniger Automatismus dargestellt werden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • EWG
    • Gründung: sechs Staaten und Römische Verträge von 1957
    • Motive: Frieden, Zusammenarbeit und größerer Markt
    • Wirtschaft: gemeinsamer Markt und Zollunion
    • Organe: Versammlung, Ministerrat, Kommission und Gerichtshof
    • Vertiefung: gemeinsamer Ministerrat und gemeinsame Kommission ab 1967
    • Erweiterung: drei neue Mitglieder im Jahr 1973
    • Entwicklung: 1993 Umbenennung in EG und Einordnung in die EU
    • Konflikte: französischer Widerstand und norwegisches Nein
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt die EWG richtig?
Lösung: Sie war eine 1957 gegründete Wirtschaftsgemeinschaft von zunächst sechs Staaten. — Die EWG sollte die wirtschaftliche Integration voranbringen. Für die Zusammenarbeit bei der Kernenergie wurde Euratom gegründet.
Frage 2 von 3MittelWas unterscheidet den gemeinsamen Markt von der Zollunion?
Lösung: Der gemeinsame Markt umfasst neben dem Warenhandel auch Dienstleistungen, Personen und Kapital. — Die Zollunion betrifft vor allem Zölle und Warenhandel. Der gemeinsame Markt verfolgt eine umfassendere wirtschaftliche Bewegungsfreiheit.
Frage 3 von 3SchwerEin neuer Staat tritt einer Gemeinschaft bei, während die bisherigen Mitglieder zugleich mehr Entscheidungen gemeinsam organisieren. Wie sind die Vorgänge einzuordnen?
Lösung: Der Beitritt ist Erweiterung, die engere gemeinsame Organisation ist Vertiefung. — Erweiterung beantwortet die Frage, wer dazugehört. Vertiefung beantwortet die Frage, wie eng die Beteiligten zusammenarbeiten.

Du hast den Kern verstanden, wenn du die EWG zeitlich zwischen EGKS und EU einordnen, ihre wirtschaftlichen Ziele erklären und Erweiterung von Vertiefung unterscheiden kannst.

Passend dazu