Mathematik

Bruchgleichungen lösen: Anleitung mit Beispielen

Bruchgleichungen lösen: Anleitung mit Beispielen
Bruchgleichungen lösen: Anleitung mit Beispielen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einer Bruchgleichung steht die Variable in mindestens einem Nenner. Du löst sie, indem du zuerst verbotene Werte ausschließt, dann die Brüche beseitigst und am Ende jeden Lösungskandidaten überprüfst.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du eine Bruchgleichung?

Eine Gleichung ist eine Bruchgleichung, wenn die Variable im Nenner mindestens eines Bruchs vorkommt. Ein Beispiel ist

$$\frac{2}{x^2}+\frac{1}{x+1}=\frac{1}{x}.$$

Definition

Definitionsmenge

Die Definitionsmenge enthält alle Zahlen, für die sämtliche Terme der Gleichung definiert sind. Ein Nenner darf niemals null sein.

Im Beispiel werden die Nenner bei $x=0$ beziehungsweise $x=-1$ null. Über den reellen Zahlen gilt deshalb:

$$D=\mathbb{R}\setminus\{0,-1\}.$$

Merke

Bestimme die Definitionsmenge, bevor du kürzt oder mit einem Nenner multiplizierst. Eine spätere Umformung hebt einen ursprünglich verbotenen Wert nicht wieder auf.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Wert ist bei $\frac{1}{x+1}$ ausgeschlossen?
Lösung: $x=-1$ — Der Nenner $x+1$ wird genau für $x=-1$ null. Dieser Wert gehört nicht zur Definitionsmenge.
Wie beseitigst du die Brüche?

Nach der Definitionsmenge suchst du einen Hauptnenner. Faktorisiere dazu alle Nenner. Nimm jeden vorkommenden Faktor in der höchsten benötigten Potenz auf.

Für die Nenner $x^2$, $x+1$ und $x$ lautet der Hauptnenner

$$x^2(x+1).$$

Multipliziere die gesamte Gleichung mit diesem Ausdruck. Dadurch kürzen sich die Nenner, solange du nur Werte aus der Definitionsmenge betrachtest.

Das vollständige Verfahren besteht aus fünf Schritten:

  1. Nenner faktorisieren.
  2. Nennernullstellen aus der Grundmenge ausschließen.
  3. Hauptnenner bilden und die gesamte Gleichung damit multiplizieren.
  4. Die entstandene bruchfreie Gleichung lösen.
  5. Jeden Kandidaten mit der ursprünglichen Definitionsmenge abgleichen.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Zuerst bestimmst du die . Danach bildest du den . Mit ihm beseitigst du die . Zum Schluss prüfst du jeden Kandidaten auf .

Lösungen: Lücke 1: Definitionsmenge; Lücke 2: Hauptnenner; Lücke 3: Brüche; Lücke 4: verbotene Werte. Die Reihenfolge schützt dich vor Scheinlösungen: Erst werden verbotene Werte festgehalten, dann wird umgeformt und zuletzt geprüft.
Wie sieht eine vollständige Lösung aus?

Wir lösen

$$\frac{2}{x^2}+\frac{1}{x+1}=\frac{1}{x}.$$

1. Definitionsmenge bestimmen

Aus $x^2\neq0$, $x+1\neq0$ und $x\neq0$ folgt

$$D=\mathbb{R}\setminus\{0,-1\}.$$

2. Mit dem Hauptnenner multiplizieren

Der Hauptnenner ist $x^2(x+1)$. Nach der Multiplikation der gesamten Gleichung entsteht

$$2(x+1)+x^2=x(x+1).$$

3. Folgegleichung lösen

Klammern auflösen und zusammenfassen:

$$2x+2+x^2=x^2+x,$$

$$x+2=0,$$

$$x=-2.$$

4. Kandidaten prüfen

Der Wert $-2$ ist weder $0$ noch $-1$ und liegt deshalb in $D$. Somit lautet die Lösungsmenge

$$\mathbb{L}=\{-2\}.$$

Beispiel

Der entscheidende Gedanke ist nicht nur das Ausrechnen: Erst die Definitionsmenge macht die Multiplikation mit dem Hauptnenner sicher. Danach entscheidet der Abgleich mit $D$, ob der gefundene Wert wirklich eine Lösung ist.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum darf $x=-2$ in die Lösungsmenge übernommen werden?
Lösung: Der Wert löst die Folgegleichung und gehört zur Definitionsmenge. — Ein Kandidat ist nur dann eine Lösung der ursprünglichen Bruchgleichung, wenn er die Folgegleichung erfüllt und nicht aus der Definitionsmenge ausgeschlossen ist.
Wann funktioniert Kreuzmultiplikation?

Steht auf jeder Seite genau ein Bruch, kannst du Kreuzmultiplikation verwenden. Für

$$\frac{a}{b}=\frac{c}{d}$$

gilt bei $b\neq0$ und $d\neq0$:

$$a\cdot d=b\cdot c.$$

Das ist kein anderes Verfahren, sondern die Multiplikation mit dem gemeinsamen Nenner $b\cdot d$ in Kurzform.

Betrachte

$$\frac{3}{2x+1}=\frac{2}{2-x}.$$

Die Werte $x=-\frac{1}{2}$ und $x=2$ sind ausgeschlossen. Kreuzmultiplizieren ergibt

$$3(2-x)=2(2x+1),$$

$$6-3x=4x+2,$$

$$x=\frac{4}{7}.$$

Da $\frac{4}{7}$ erlaubt ist, gilt

$$\mathbb{L}=\left\{\frac{4}{7}\right\}.$$

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas musst du vor der Kreuzmultiplikation festhalten?
Lösung: Die Werte, für die einer der Nenner null wird — Kreuzmultiplikation setzt voraus, dass beide Nenner ungleich null sind. Ihre Nullstellen müssen daher vorher ausgeschlossen werden.
Welche Sonderfälle und Fehler solltest du kennen?

Eine Scheinlösung

Bei

$$\frac{x+1}{x-1}=\frac{2}{x-1}$$

ist $x=1$ ausgeschlossen. Nach der Multiplikation mit $x-1$ erhältst du

$$x+1=2$$

und damit den Kandidaten $x=1$. Er ist jedoch nicht erlaubt. Die Gleichung hat deshalb keine Lösung:

$$\mathbb{L}=\varnothing.$$

Eine Identität

Werden nach dem Beseitigen der Brüche beide Seiten identisch, gilt die Gleichung für jeden Wert aus der ursprünglichen Definitionsmenge. Die Lösungsmenge ist dann $\mathbb{L}=D$ — nicht automatisch ganz $\mathbb{R}$.

Typische Fehler

  • Definitionsmenge vergessen: Ein verbotener Kandidat wird fälschlich übernommen.
  • Nur einzelne Terme multiplizieren: Beim Hauptnenner muss jeder Term auf beiden Seiten berücksichtigt werden.
  • Zu früh kürzen: Kürzen ist nur erlaubt, wenn der gekürzte Faktor nicht null ist; seine Nullstelle bleibt ausgeschlossen.
  • Kreuzmultiplikation falsch einsetzen: Die Kurzform passt nur, wenn auf jeder Seite genau ein einzelner Bruch steht.
  • Nach der Folgegleichung aufhören: Jeder Kandidat muss noch mit $D$ abgeglichen werden.
Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWelche Lösungsmenge hat $\frac{x+1}{x-1}=\frac{2}{x-1}$ über den reellen Zahlen?
Lösung: $\mathbb{L}=\varnothing$ — Der einzige Kandidat ist zugleich der ausgeschlossene Wert. Daher bleibt keine zulässige Lösung übrig.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bruchgleichungen
    • Definitionsmenge: Nennernullstellen ausschließen
    • Hauptnenner: Nenner faktorisieren und Brüche beseitigen
    • Folgegleichung: vereinfachen und lösen
    • Prüfung: Kandidaten mit der Definitionsmenge abgleichen
    • Sonderfälle: keine Lösung oder gesamte Definitionsmenge
    • Kreuzmultiplikation: Spezialfall bei zwei einzelnen Brüchen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist beim Lösen einer Bruchgleichung der erste Schritt?
Lösung: Die Definitionsmenge bestimmen. — Setze jeden Nenner gleich null und schließe seine Nullstellen aus. Erst danach folgen die Umformungen.
Frage 2 von 3MittelWas bedeutet der Hauptnenner $x^2(x+1)$ für die Nenner $x^2$, $x$ und $x+1$?
Lösung: Er enthält jeden benötigten Faktor in der höchsten vorkommenden Potenz. — Ein Hauptnenner muss durch jeden ursprünglichen Nenner teilbar sein. Deshalb wird $x^2$ und nicht nur $x$ benötigt.
Frage 3 von 3SchwerNach dem Beseitigen der Brüche entsteht eine Identität. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Alle Werte der ursprünglichen Definitionsmenge sind Lösungen. — Eine Identität gilt für jeden erlaubten Wert. Daher entspricht die Lösungsmenge genau der ursprünglichen Definitionsmenge.

Du bist fertig, wenn du bei einer neuen Bruchgleichung die fünf Schritte ohne Auslassung anwenden und begründen kannst: Definitionsmenge, Hauptnenner, bruchfreie Folgegleichung, Lösung und Prüfung.

Passend dazu