Mathematik

Äquivalenzumformung: Gleichungen sicher lösen

Äquivalenzumformung: Gleichungen sicher lösen
Äquivalenzumformung: Gleichungen sicher lösen
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Eine Äquivalenzumformung verändert das Aussehen einer Gleichung, aber nicht ihre Lösungsmenge. Dafür führst du auf beiden Seiten dieselbe zulässige und umkehrbare Rechenoperation aus. So kannst du die Variable Schritt für Schritt isolieren.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum bleibt die Gleichung im Gleichgewicht?

Stell dir eine Gleichung wie eine Waage vor: Links und rechts liegt derselbe Wert. Nimmst du auf beiden Seiten dasselbe Gewicht weg, bleibt die Waage im Gleichgewicht. Veränderst du nur eine Seite, geht die Gleichheit verloren.

Definition

Äquivalenzumformung

Eine Äquivalenzumformung führt von einer Gleichung zu einer Gleichung mit genau derselben Lösungsmenge. Die beiden Gleichungen sind äquivalent.

Zum Beispiel gilt:

$$x+5=7 \iff x=2$$

Das Zeichen $\iff$ bedeutet „genau dann, wenn“. Beide Gleichungen werden für denselben Wert wahr: $x=2$.

Erlaubt sind insbesondere:

  • auf beiden Seiten denselben Term addieren;
  • auf beiden Seiten denselben Term subtrahieren;
  • beide Seiten mit derselben Zahl ungleich $0$ multiplizieren;
  • beide Seiten durch dieselbe Zahl ungleich $0$ dividieren.

Der senkrechte Strich zeigt, welche Operation anschließend auf beiden Seiten ausgeführt wird.

Merke

Was du auf der einen Seite einer Gleichung rechnest, musst du auch auf der anderen Seite rechnen. Durch $0$ darfst du niemals dividieren.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Umformung erhält bei $x+5=7$ die Lösungsmenge?
Lösung: Auf beiden Seiten $5$ subtrahieren. — Durch beidseitiges Subtrahieren von $5$ entsteht $x=2$. Die Operation ist umkehrbar.
Frage 2 von 2MittelWarum ist die Division beider Seiten durch $0$ keine Äquivalenzumformung?
Lösung: Weil eine Division durch $0$ nicht definiert und nicht umkehrbar ist. — Eine Äquivalenzumformung muss zulässig und umkehrbar sein. Die Division durch $0$ erfüllt diese Bedingungen nicht.
Wie löst du eine Gleichung Schritt für Schritt?

Dein Ziel ist eine Gleichung der Form $x=\text{Zahl}$. Wähle dazu jeweils die Gegenoperation zu dem Rechenschritt, der die Variable noch bindet.

Ein zuverlässiger Ablauf ist:

  1. Klammern auflösen und gleichartige Terme zusammenfassen.
  2. Zahlen ohne Variable auf einer Seite sammeln.
  3. Variablenterme auf der anderen Seite sammeln.
  4. Durch den von $0$ verschiedenen Koeffizienten vor der Variable dividieren.
  5. Das Ergebnis mit einer Probe prüfen.
Beispiel

Löse $3x+2=11$.

Zuerst entfernst du die Addition von $2$:

$$3x+2=11 \quad |-2$$

$$3x=9$$

Nun beseitigst du den Faktor $3$:

$$3x=9 \quad |:3$$

$$x=3$$

Die Lösungsmenge ist $L=\{3\}$.

Probe: Setze $x=3$ in die Ausgangsgleichung ein:

$$3\cdot3+2=11$$

$$11=11$$

Die wahre Aussage bestätigt die Lösung.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei einer Äquivalenzumformung führst du auf beiden Seiten Operation aus. Ein Multiplikator oder Divisor muss sein. Beim Lösen möchtest du die Variable schließlich .

Lösungen: Lücke 1: dieselbe; Lücke 2: ungleich 0; Lücke 3: isolieren. Dieselbe umkehrbare Operation erhält die Lösungsmenge. Multiplikation und Division sind dabei nur mit einem Wert ungleich $0$ allgemein umkehrbar.
Wie gehst du mit Klammern und mehreren Variablentermen um?

Kommt die Variable mehrfach vor, vereinfachst du zuerst beide Seiten. Danach sammelst du alle Variablenterme auf einer Seite.

Beispiel

Löse $3(x-2)=x+8$.

Zuerst löst du die Klammer auf:

$$3x-6=x+8$$

Bringe die Variablenterme auf die linke Seite:

$$3x-6=x+8 \quad |-x$$

$$2x-6=8$$

Bringe die Zahl auf die rechte Seite:

$$2x-6=8 \quad |+6$$

$$2x=14$$

Teile beide Seiten durch $2$:

$$2x=14 \quad |:2$$

$$x=7$$

Probe: Links ergibt sich $3(7-2)=15$, rechts $7+8=15$. Daher ist $L=\{7\}$.

Es gibt oft mehrere richtige Rechenwege. Entscheidend ist nicht die Reihenfolge einzelner zulässiger Schritte, sondern dass du jede Operation auf beiden Seiten ausführst und am Ende dieselbe Lösungsmenge erhältst.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelNach dem Ausmultiplizieren steht $8x-8=4x+16$. Welcher Schritt bringt alle Variablenterme auf die linke Seite?
Lösung: Auf beiden Seiten $4x$ subtrahieren. — Durch beidseitiges Subtrahieren von $4x$ entsteht $4x-8=16$. Eine Division durch $x$ wäre ohne die Bedingung $x\ne0$ nicht allgemein zulässig.
Frage 2 von 2SchwerEine Schülerin erhält aus $2x+3=4x-4$ die Gleichung $7=2x$. Welche Lösung folgt?
Lösung: $x=\frac{7}{2}$ — Teile beide Seiten durch $2$. Dann gilt $x=\frac{7}{2}$.
Woran erkennst du eine, keine oder unendlich viele Lösungen?

Beim Umformen einer linearen Gleichung kann die Variable erhalten bleiben oder vollständig verschwinden. Das Ergebnis verrät dir die Lösungsmenge.

Genau eine Lösung

Bleibt eine Aussage wie $x=3$, gibt es genau eine Lösung: $L=\{3\}$.

Unendlich viele Lösungen

Betrachte:

$$2(x+3)=2x+6$$

Nach dem Ausmultiplizieren steht auf beiden Seiten $2x+6$. Subtrahierst du diesen Term beidseitig, erhältst du:

$$0=0$$

Diese Aussage ist immer wahr. Jeder Wert aus dem zugrunde gelegten Zahlenbereich löst die Gleichung.

Keine Lösung

Betrachte dagegen:

$$2(x+3)=2x+5$$

Nach dem Ausmultiplizieren und Subtrahieren von $2x$ bleibt:

$$6=5$$

Diese Aussage ist falsch. Daher besitzt die Gleichung keine Lösung: $L=\{\}$.

Merke

Verschwindet die Variable, prüfe die verbleibende Aussage: Eine immer wahre Aussage bedeutet unendlich viele Lösungen, eine falsche Aussage bedeutet keine Lösung.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelBeim Lösen einer Gleichung entsteht $0=0$. Was bedeutet das?
Lösung: Jeder Wert des betrachteten Zahlenbereichs erfüllt die Ausgangsgleichung. — $0=0$ ist immer wahr. Deshalb war die Ausgangsgleichung für jeden zulässigen Wert erfüllt.
Frage 2 von 2MittelBeim Lösen entsteht $0=5$. Was folgt daraus?
Lösung: Die Gleichung hat keine Lösung. — Eine falsche Aussage ohne Variable zeigt, dass kein eingesetzter Wert die Ausgangsgleichung erfüllen kann.
Welche Umformungen brauchen besondere Vorsicht?

Nicht jede beidseitige Rechenoperation ist automatisch eine Äquivalenzumformung. Sie muss auch zulässig und umkehrbar sein.

Variable Divisoren

Willst du durch einen Term wie $x-1$ dividieren, musst du zuerst beachten, dass dieser Term für $x=1$ den Wert $0$ hat. Eine Division ohne Fallprüfung könnte deshalb eine Lösung verlieren oder einen unzulässigen Schritt enthalten.

Bei Bruchgleichungen gehören alle Werte, die einen Nenner zu $0$ machen, nicht zur Definitionsmenge.

Quadrieren

Quadrieren ist auf den reellen Zahlen nicht umkehrbar, weil $2$ und $-2$ beide dasselbe Quadrat besitzen. Deshalb gilt zwar:

$$x=2 \Rightarrow x^2=4$$

Aber die umgekehrte Richtung gilt nicht, denn $x^2=4$ hat die Lösungen $2$ und $-2$. Ohne eine passende Einschränkung ist Quadrieren daher keine Äquivalenzumformung.

Vertiefung: Ungleichungen

Bei Ungleichungen darfst du ebenfalls auf beiden Seiten dieselbe zulässige Operation ausführen. Multiplizierst oder dividierst du jedoch mit einer negativen Zahl, musst du das Vergleichszeichen umdrehen:

$$-2x<6 \quad |:(-2)$$

$$x>-3$$

Ist das Vorzeichen eines Faktors unbekannt, brauchst du eine Fallunterscheidung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage über das Quadrieren ist richtig?
Lösung: Quadrieren kann zusätzliche Lösungen erzeugen und ist daher nicht immer äquivalent. — Entscheidend ist die fehlende Umkehrbarkeit: Aus $x^2=4$ folgt nicht eindeutig $x=2$.
Frage 2 von 2MittelWas musst du bei $-2x<6$ beim Dividieren durch $-2$ tun?
Lösung: Das Vergleichszeichen umdrehen. — Durch die Division mit der negativen Zahl $-2$ wird aus $<$ das Zeichen $>$; damit folgt $x>-3$.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Äquivalenzumformung
    • erhält die Lösungsmenge
    • führt dieselbe Operation auf beiden Seiten aus
    • nutzt umkehrbare Operationen
    • isoliert die Variable
    • endet mit einer Probe
    • unterscheidet eine, keine oder unendlich viele Lösungen
    • verbietet die Division durch 0
    • kehrt bei negativen Faktoren einer Ungleichung das Vergleichszeichen um
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWas ist das wichtigste Kennzeichen einer Äquivalenzumformung?
Lösung: Die Lösungsmenge bleibt unverändert. — Äquivalent bedeutet: Die ursprüngliche und die umgeformte Gleichung sind für genau dieselben Variablenwerte wahr.
Frage 2 von 4MittelWelche Lösung und Probe gehören zu $4(x-1)=2x+6$?
Lösung: $L=\{5\}$; links und rechts ergeben bei $x=5$ jeweils $16$. — Löse zuerst die Klammer auf: $4x-4=2x+6$. Subtrahiere beidseitig $2x$ und addiere beidseitig $4$: $2x=10$, also $x=5$. Die Probe ergibt links $4(5-1)=16$ und rechts $2\cdot5+6=16$.
Frage 3 von 4SchwerAus einer Gleichung entsteht nach korrekten Äquivalenzumformungen die Aussage $4=4$. Wie deutest du das Ergebnis?
Lösung: Die Ausgangsgleichung gilt für jeden zulässigen Wert der Variablen. — Weil $4=4$ immer wahr ist, besitzt die Ausgangsgleichung im betrachteten Zahlenbereich unendlich viele Lösungen.
Frage 4 von 4SchwerEin Lösungsweg teilt beide Seiten ohne weitere Prüfung durch $x-1$. Was ist daran problematisch?
Lösung: Für $x=1$ wäre der Divisor $0$; dieser Fall muss getrennt geprüft werden. — Eine Division ist nur bei einem Divisor ungleich $0$ zulässig. Bei einem variablen Divisor musst du deshalb seine Nullstellen beachten.

Du kannst eine Gleichung sicher lösen, wenn du jeden Schritt auf beiden Seiten ausführst, verbotene Divisionen vermeidest und das Ergebnis durch Einsetzen in die Ausgangsgleichung prüfst.

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