Eulersche Zahl e einfach erklärt
Die Eulersche Zahl ist die mathematische Konstante
$$e = 2{,}718281828459\dots$$
Sie ist die besondere Basis der Exponentialfunktion, bei der Funktionswert und Steigung übereinstimmen. Außerdem entsteht sie, wenn Wachstum immer feiner und schließlich kontinuierlich erfolgt.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was für eine Zahl ist e?
$e$ ist eine mathematische Konstante: Ihr Wert ist fest und hängt nicht von einer Aufgabe oder Maßeinheit ab.
Eulersche Zahl
Die Eulersche Zahl $e$ ist die Basis der natürlichen Exponentialfunktion $f(x)=e^x$ und des natürlichen Logarithmus $\ln(x)$. Ihr Wert beginnt mit $2{,}71828\dots$.
Die Punkte zeigen, dass die Dezimaldarstellung unendlich weitergeht. Dabei entsteht keine sich wiederholende Ziffernfolge. Deshalb ist $e$ irrational: Die Zahl lässt sich nicht als Quotient zweier ganzer Zahlen schreiben.
$e$ ist sogar transzendent. Das bedeutet: Sie ist keine Nullstelle eines von null verschiedenen Polynoms mit ganzzahligen Koeffizienten. Irrationalität und Transzendenz sind also nicht dasselbe; Transzendenz ist die stärkere Aussage.
$2{,}71828$ ist nur eine Näherung. Grenzwert, Reihe und $\ln(e)=1$ beschreiben $e$ dagegen exakt.
Wie entsteht e beim Zinseszins?
Stell dir ein Startkapital von $1$ Euro und insgesamt $100\,\%$ Zinsen für ein Jahr vor. Bei einer einzigen Gutschrift erhältst du
$$\left(1+1\right)^1=2.$$
Wird der Jahreszins auf zwei gleiche Zeitabschnitte verteilt, entstehen zweimal $50\,\%$:
$$\left(1+\frac{1}{2}\right)^2=2{,}25.$$
Bei vier Gutschriften mit jeweils $25\,\%$ ergibt sich
$$\left(1+\frac{1}{4}\right)^4=\frac{625}{256}=2{,}44140625.$$
Allgemein lautet der Endwert bei $n$ gleich großen Zeitabschnitten
$$\left(1+\frac{1}{n}\right)^n.$$
Je größer $n$ wird, desto näher kommt dieser Ausdruck an $e$ heran:
$$e=\lim_{n\to\infty}\left(1+\frac{1}{n}\right)^n.$$
Das Zeichen $\lim$ bezeichnet einen Grenzwert. Es bedeutet hier nicht, dass wirklich unendlich oft gerechnet wird. Es beschreibt die Zahl, der sich die Folgenglieder beliebig genau nähern.
Bei täglicher Aufteilung mit $n=365$ gilt
$$\left(1+\frac{1}{365}\right)^{365}\approx2{,}71457.$$
Der Wert liegt bereits nahe bei $e\approx2{,}71828$, aber noch darunter. Immer feinere Aufteilung lässt den Endwert gegen $e$ streben – nicht gegen unendlich.
Wie lässt sich e mit Fakultäten berechnen?
Eine zweite exakte Beschreibung verwendet eine unendliche Reihe:
$$e=\sum_{k=0}^{\infty}\frac{1}{k!}=1+1+\frac12+\frac16+\frac1{24}+\dots$$
Das Ausrufezeichen bezeichnet die Fakultät. Für eine positive ganze Zahl werden alle natürlichen Zahlen bis zu ihr multipliziert:
$$4!=4\cdot3\cdot2\cdot1=24,$$
und als Festlegung gilt $0!=1$.
Mit den Summanden bis $\frac1{6!}$ erhältst du
$$1+1+\frac12+\frac16+\frac1{24}+\frac1{120}+\frac1{720}$$
$$=\frac{1957}{720}\approx2{,}71806.$$
Der entscheidende Gedanke: Die Fakultäten im Nenner wachsen sehr schnell. Deshalb werden die zusätzlichen Brüche rasch klein und verbessern die Näherung.
Warum ist e für die Analysis besonders?
Für die natürliche Exponentialfunktion
$$f(x)=e^x$$
stimmen Funktion und Ableitung überein:
$$f'(x)=e^x=f(x).$$
Die Ableitung beschreibt die momentane Steigung. Bei $e^x$ ist die Steigung an jeder Stelle also genauso groß wie der dortige Funktionswert.
An der Stelle $x=0$ gilt
$$f(0)=e^0=1$$
und zugleich
$$f'(0)=e^0=1.$$
An der Stelle $x=1$ sind Funktionswert und Steigung beide gleich $e$.
Der natürliche Logarithmus $\ln(x)$ ist die Umkehrfunktion von $e^x$. Daher gilt
$$\ln(e)=1,$$
weil $e^1=e$ ist.
Eine weitere exakte Charakterisierung lautet: Die Fläche unter dem Graphen von $y=1/x$ zwischen $x=1$ und $x=e$ beträgt genau $1$.
Die Sonderrolle von $e$ zeigt sich an der Gleichung $(e^x)'=e^x$. Diese Eigenschaft macht die Basis $e$ für die Analysis besonders praktisch.
Wo begegnet e in Anwendungen?
$e$ tritt auf, wenn die momentane Änderung proportional zum aktuellen Bestand ist. Ein passendes Modell lautet
$$A(t)=A_0\cdot e^{kt}.$$
Dabei ist $A_0$ der Anfangswert, $t$ die Zeit und $k$ eine konstante relative Änderungsrate.
- Für $k>0$ beschreibt das Modell exponentielles Wachstum.
- Für $k<0$ beschreibt es exponentiellen Zerfall.
- Für $k=0$ bleibt der Bestand konstant.
Beispiele sind kontinuierliche Verzinsung, idealisierte Wachstumsprozesse und radioaktiver Zerfall. Reales Wachstum muss jedoch nicht unbegrenzt exponentiell bleiben: Begrenzte Ressourcen können beispielsweise zu einer Obergrenze führen.
Auch in der Wahrscheinlichkeitsrechnung erscheint $e$. Werden viele Briefe zufällig auf ebenso viele adressierte Umschläge verteilt, nähert sich die Wahrscheinlichkeit, dass kein Brief im richtigen Umschlag liegt, dem Wert
$$\frac1e\approx0{,}367879,$$
also ungefähr $36{,}8\,\%$.
In der höheren Mathematik verbindet die Euler-Formel die Exponentialfunktion mit Kreisfunktionen:
$$e^{i\varphi}=\cos(\varphi)+i\sin(\varphi).$$
Dabei bezeichnet $i$ die imaginäre Einheit. Für $\varphi=\pi$ entsteht die Euler-Identität
$$e^{i\pi}+1=0.$$
Welche Fehler solltest du vermeiden?
- Näherung und exakte Zahl verwechseln: $e\approx2{,}71828$ ist gerundet; Grenzwert und Reihe definieren $e$ exakt.
- Irrational mit unerklärbar verwechseln: $e$ hat keine endliche oder periodische Dezimaldarstellung, ist aber exakt definiert.
- Fakultät falsch lesen: $5!$ bedeutet $5\cdot4\cdot3\cdot2\cdot1$, nicht $5^2$ und nicht $5$.
- Grenzwert als unendliches Ergebnis deuten: Beim Zinseszins wächst die Zahl der Teilperioden unbegrenzt, der Endwert nähert sich aber der endlichen Zahl $e$.
- Jedes Wachstum für immer exponentiell fortsetzen: Das Modell $A_0e^{kt}$ gilt nur, solange eine konstante relative Änderungsrate sinnvoll ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Zahl $e$ ist ungefähr . Die Folge $\left(1+\frac1n\right)^n$ nähert sich für wachsendes $n$ dem Wert . In der Fakultätsreihe gilt $0!=$. Die Ableitung von $e^x$ ist {*e^x|x e^{x-1}|1}.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Eulersche Zahl $e$
- Wert: $2{,}718281828\dots$
- Eigenschaften: irrational und transzendent
- Grenzwert: immer feinere Verzinsung
- Reihe: Kehrwerte von Fakultäten
- Analysis: $(e^x)'=e^x$ und $\ln(e)=1$
- Anwendungen: Wachstum, Zerfall und Wahrscheinlichkeit
- Erweiterung: Euler-Formel mit komplexen Zahlen
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