Komplexe Zahlen: Rechnen und Darstellen

Komplexe Zahlen: Rechnen und Darstellen
Komplexe Zahlen: Rechnen und Darstellen
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Komplexe Zahlen erweitern die reellen Zahlen um die imaginäre Einheit $i$ mit $i^2=-1$. Dadurch wird zum Beispiel die Gleichung $x^2=-1$ lösbar: Ihre Lösungen sind $i$ und $-i$.

Auf dieser Seite lernst du, komplexe Zahlen darzustellen, zu berechnen und zwischen kartesischer Form und Polarform zu wechseln.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum braucht man komplexe Zahlen?

Im Bereich der reellen Zahlen kann kein Quadrat negativ sein. Deshalb besitzt $x^2=-1$ dort keine Lösung. Mit der Festlegung

$$i^2=-1$$

entsteht ein erweiterter Zahlbereich: die Menge der komplexen Zahlen $\mathbb C$.

Definition

Komplexe Zahl

Jede komplexe Zahl lässt sich eindeutig in der Form

$$z=a+bi$$

schreiben. Dabei sind $a$ und $b$ reelle Zahlen. Es gilt:

  • $a$ ist der Realteil: $\operatorname{Re}(z)=a$.
  • $b$ ist der Imaginärteil: $\operatorname{Im}(z)=b$.

Der Imaginärteil ist der reelle Koeffizient $b$, nicht der Ausdruck $bi$.

Für $z=5-3i$ gilt also $\operatorname{Re}(z)=5$ und $\operatorname{Im}(z)=-3$.

Ist $b=0$, dann ist $z=a$ eine reelle Zahl. Ist $a=0$, nennt man $z=bi$ rein imaginär. Zwei komplexe Zahlen sind genau dann gleich, wenn ihre Realteile und ihre Imaginärteile jeweils übereinstimmen.

Allgemeine komplexe Zahlen lassen sich nicht wie reelle Zahlen mit „größer als“ oder „kleiner als“ ordnen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas ist der Imaginärteil von $7-4i$?
Lösung: $-4$ — In $z=a+bi$ ist $b$ der Imaginärteil. Hier ist $b=-4$.
Frage 2 von 2MittelWelche Zahl ist gleich $3+2i$?
Lösung: Eine Zahl mit Realteil $3$ und Imaginärteil $2$ — Bei $a+bi$ sind $a$ und $b$ die beiden reellen Komponenten.
Wie zeigt die gaußsche Ebene eine komplexe Zahl?

Die komplexe Zahl $z=a+bi$ entspricht dem Punkt $(a,b)$ in der gaußschen Zahlenebene:

  • Die waagerechte Achse zeigt den Realteil.
  • Die senkrechte Achse zeigt den Imaginärteil.

$3+4i$ liegt daher beim Punkt $(3,4)$. Der Pfeil vom Ursprung zu diesem Punkt kann zugleich als Vektor aufgefasst werden.

Definition

Betrag

Der Betrag $|z|$ ist der Abstand der Zahl $z=a+bi$ vom Ursprung. Nach dem Satz des Pythagoras gilt

$$|z|=\sqrt{a^2+b^2}.$$

Beispiel

Für $z=3+4i$ ist

$$|z|=\sqrt{3^2+4^2}=\sqrt{9+16}=\sqrt{25}=5.$$

Der Punkt $(3,4)$ hat also den Abstand $5$ vom Ursprung.

Die komplex konjugierte Zahl zu $z=a+bi$ lautet

$$\bar z=a-bi.$$

Beim Konjugieren bleibt der Realteil gleich, während der Imaginärteil sein Vorzeichen wechselt. Geometrisch wird der Punkt an der reellen Achse gespiegelt.

Für $z=3+4i$ ist $\bar z=3-4i$. Außerdem gilt

$$z\bar z=(a+bi)(a-bi)=a^2+b^2=|z|^2.$$

Merke

Konjugation spiegelt an der reellen Achse. Der Betrag misst den Abstand vom Ursprung.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Zahl $z=6-2i$ hat den Realteil , den Imaginärteil und die konjugierte Zahl . In der gaußschen Ebene gehört sie zum Punkt .

Lösungen: Lücke 1: 6; Lücke 2: -2; Lücke 3: 6+2i; Lücke 4: (6,-2). Lies bei $a+bi$ zuerst die beiden reellen Komponenten $a$ und $b$ ab. Beim Konjugieren ändert nur $b$ sein Vorzeichen.
Wie funktionieren die vier Grundrechenarten?

Für $z=a+bi$ und $w=c+di$ werden Realteil und Imaginärteil getrennt geordnet.

Addieren und subtrahieren

$$z+w=(a+c)+(b+d)i$$

$$z-w=(a-c)+(b-d)i$$

Beispiel

Für $z=5+3i$ und $w=4+2i$ gilt:

$$z+w=(5+4)+(3+2)i=9+5i$$

$$z-w=(5-4)+(3-2)i=1+i.$$

Multiplizieren

Du multiplizierst wie bei zwei Klammern und ersetzt anschließend $i^2$ durch $-1$:

$$zw=(a+bi)(c+di)=(ac-bd)+(ad+bc)i.$$

Beispiel

Für $z=5+3i$ und $w=4+2i$ erhältst du

$$zw=20+10i+12i+6i^2.$$

Wegen $i^2=-1$ wird daraus

$$zw=20+22i-6=14+22i.$$

Dividieren

Bei der Division soll im Nenner kein Imaginärteil bleiben. Dazu erweiterst du mit der konjugierten Zahl des Nenners. Für $w=c+di\ne0$ gilt

$$\frac{z}{w}=\frac{z\bar w}{w\bar w}.$$

Der Nenner wird reell, denn $w\bar w=c^2+d^2$.

Beispiel

Berechne $\frac{5+3i}{4+2i}$.

  1. Die konjugierte Zahl des Nenners ist $4-2i$.
  2. Erweitere Zähler und Nenner mit $4-2i$:

$$\frac{5+3i}{4+2i}=\frac{(5+3i)(4-2i)}{(4+2i)(4-2i)}.$$

  1. Berechne beide Produkte:

$$(5+3i)(4-2i)=20-10i+12i-6i^2=26+2i$$

$$(4+2i)(4-2i)=4^2+2^2=20.$$

  1. Teile Realteil und Imaginärteil durch $20$:

$$\frac{5+3i}{4+2i}=\frac{26+2i}{20}=\frac{13}{10}+\frac{1}{10}i.$$

Der Nenner ist nicht null, und eine Rückmultiplikation mit $4+2i$ bestätigt das Ergebnis.

Merke

Bei einer Division multiplizierst du Zähler und Nenner mit der konjugierten Zahl des Nenners. Nur den Nenner zu verändern wäre keine zulässige Erweiterung.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWie addierst du zwei komplexe Zahlen?
Lösung: Realteile und Imaginärteile werden jeweils addiert. — Die Addition entspricht der Vektoraddition: $(a,b)+(c,d)=(a+c,b+d)$.
Frage 2 von 3MittelWas ist $(2+3i)(1-2i)$?
Lösung: $8-i$ — Ausmultipliziert ergibt sich $2-4i+3i-6i^2=2-i+6=8-i$.
Frage 3 von 3MittelWarum erweitert man bei der Division mit der konjugierten Zahl des Nenners?
Lösung: Damit das Produkt im Nenner reell wird. — Für $w=c+di$ gilt $w\bar w=c^2+d^2$. Dieser Wert ist reell und für $w\ne0$ positiv.
Wann ist die Polarform besonders nützlich?

Die kartesische Form $a+bi$ zeigt die beiden Koordinaten. Die Polarform beschreibt eine von null verschiedene komplexe Zahl durch ihren Betrag $r$ und einen Winkel $\varphi$:

$$z=r(\cos\varphi+i\sin\varphi)=re^{i\varphi}.$$

Dabei gilt

$$r=|z|=\sqrt{a^2+b^2},\qquad a=r\cos\varphi,\qquad b=r\sin\varphi.$$

Der Winkel $\varphi$ heißt Argument. Er wird von der positiven reellen Achse aus gemessen. Da eine volle Drehung nichts ändert, beschreiben $\varphi$ und $\varphi+2\pi k$ für jede ganze Zahl $k$ denselben Punkt. Für $z=0$ ist kein Argument bestimmt.

Den richtigen Quadranten finden

Der Ausdruck $\arctan(b/a)$ allein reicht nicht immer aus. Du musst zusätzlich die Vorzeichen von $a$ und $b$ beachten:

  • $a>0$: Der Arkustangenswert liegt auf der richtigen Seite der Ebene.
  • $a<0$: Eine Korrektur um $\pi$ kann nötig sein.
  • $a=0$ und $b>0$: $\varphi=\frac{\pi}{2}$.
  • $a=0$ und $b<0$: $\varphi=-\frac{\pi}{2}$.

Eine quadrantenrichtige Zweiarctangens-Funktion erledigt diese Fallunterscheidung direkt.

Beispiel

Für $z=-1+\sqrt{3}i$ gilt

$$r=\sqrt{(-1)^2+(\sqrt{3})^2}=\sqrt{4}=2.$$

Der Punkt liegt im zweiten Quadranten. Ein passendes Argument ist $\varphi=\frac{2\pi}{3}$, denn

$$2\cos\frac{2\pi}{3}=-1$$

und

$$2\sin\frac{2\pi}{3}=\sqrt{3}.$$

Damit lautet die Polarform

$$z=2e^{i2\pi/3}.$$

In Polarform werden Multiplikation und Division besonders übersichtlich:

$$r_1e^{i\varphi_1}\cdot r_2e^{i\varphi_2}=r_1r_2e^{i(\varphi_1+\varphi_2)}$$

$$\frac{r_1e^{i\varphi_1}}{r_2e^{i\varphi_2}}=\frac{r_1}{r_2}e^{i(\varphi_1-\varphi_2)},\qquad r_2\ne0.$$

Geometrisch bedeutet eine Multiplikation: Die Beträge werden multipliziert und die Winkel addiert. Die Zahl wird also gestreckt und gedreht.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Zahl hat Betrag $3$ und Argument $\frac{\pi}{2}$. Wie lautet sie in kartesischer Form?
Lösung: $3i$ — Es gilt $a=3\cos(\frac{\pi}{2})=0$ und $b=3\sin(\frac{\pi}{2})=3$.
Frage 2 von 2SchwerWarum kann $\arctan(b/a)$ ohne Quadrantenprüfung einen falschen Winkel liefern?
Lösung: Weil der Quotient $b/a$ nicht eindeutig zwischen gegenüberliegenden Quadranten unterscheidet. — Die Vorzeichen von $a$ und $b$ zeigen, in welchem Quadranten der Punkt liegt. Sie müssen zusätzlich zum Tangenswert geprüft werden.
Wie berechnet man Potenzen und Wurzeln?

Die Potenzen von $i$ wiederholen sich in einem Viererzyklus:

$$i^0=1,\quad i^1=i,\quad i^2=-1,\quad i^3=-i,\quad i^4=1.$$

Für einen großen nichtnegativen Exponenten bestimmst du deshalb den Rest bei der Division durch $4$. Da $7$ den Rest $3$ besitzt, gilt $i^7=i^3=-i$.

Für eine komplexe Zahl in Polarform liefert der Satz von de Moivre

$$\left(re^{i\varphi}\right)^n=r^ne^{in\varphi}.$$

Du potenzierst also den Betrag und multiplizierst den Winkel mit $n$.

Beispiel

Die Zahl $z=2e^{i\pi/3}$ wird quadriert:

$$z^2=2^2e^{i2\pi/3}=4e^{i2\pi/3}.$$

Der Betrag wächst von $2$ auf $4$, der Winkel verdoppelt sich.

Vertiefung: Alle n-ten Wurzeln

Für $z=re^{i\varphi}\ne0$ besitzt die Gleichung $w^n=z$ genau $n$ verschiedene Lösungen:

$$w_k=\sqrt[n]{r}\,e^{i(\varphi+2\pi k)/n},\qquad k=0,1,\ldots,n-1.$$

Alle Lösungen haben denselben Betrag. Ihre Winkel unterscheiden sich jeweils um $\frac{2\pi}{n}$, sodass sie gleichmäßig auf einem Kreis liegen.

Beispiel

Gesucht sind die dritten Wurzeln von $8=8e^{i0}$:

$$w_k=2e^{i2\pi k/3},\qquad k=0,1,2.$$

Damit erhältst du drei Lösungen mit den Winkeln $0$, $\frac{2\pi}{3}$ und $\frac{4\pi}{3}$. Jede dieser Zahlen ergibt beim Kubieren wieder $8$.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelchen Wert hat $i^{10}$?
Lösung: $-1$ — Wegen des Viererzyklus gilt $i^{10}=i^2=-1$.
Frage 2 von 3MittelWas geschieht beim Potenzieren von $re^{i\varphi}$ mit einer natürlichen Zahl $n$?
Lösung: Der Betrag wird zu $r^n$, der Winkel zu $n\varphi$. — Nach de Moivre gilt $(re^{i\varphi})^n=r^ne^{in\varphi}$.
Frage 3 von 3SchwerWarum besitzt eine von null verschiedene komplexe Zahl genau $n$ verschiedene n-te Wurzeln?
Lösung: Die möglichen Winkel entstehen aus $\varphi+2\pi k$ und liefern für $k=0$ bis $n-1$ verschiedene Werte. — Nach $n$ Schritten wiederholen sich die Winkel. Die $n$ Werte liegen mit dem Winkelabstand $2\pi/n$ gleichmäßig auf einem Kreis.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Komplexe Zahlen
    • Kartesische Form: $a+bi$
    • Gaußsche Ebene: Punkt $(a,b)$
    • Betrag: Abstand vom Ursprung
    • Konjugation: Spiegelung an der reellen Achse
    • Addition und Subtraktion: Komponenten verbinden
    • Multiplikation: ausmultiplizieren oder Drehstreckung nutzen
    • Division: Nenner mit der Konjugierten reell machen
    • Polarform: Betrag und Argument
    • Potenzen: Betrag potenzieren und Winkel vervielfachen
    • Wurzeln: gleichmäßig auf einem Kreis verteilen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 5LeichtWelche Aussage zu $z=-2+5i$ stimmt?
Lösung: $\operatorname{Re}(z)=-2$ und $\operatorname{Im}(z)=5$. — Der Imaginärteil ist der reelle Koeffizient vor $i$.
Frage 2 von 5MittelBerechne den Betrag von $z=12+5i$.
Lösung: $13$ — $|z|=\sqrt{12^2+5^2}=\sqrt{144+25}=\sqrt{169}=13$.
Frage 3 von 5MittelWelche konjugierte Zahl macht bei $w=4-3i$ das Produkt $w\bar w$ reell?
Lösung: $4+3i$ — Die Konjugierte entsteht allein durch den Vorzeichenwechsel des Imaginärteils. Dann ist $(4-3i)(4+3i)=4^2+3^2=25$.
Frage 4 von 5SchwerFür welche Rechnung ist die Polarform meistens besonders geeignet?
Lösung: Für das Potenzieren einer komplexen Zahl — In Polarform werden beim Potenzieren der Betrag potenziert und der Winkel vervielfacht. Eine mit den Rechenoperationen verträgliche Größenordnung gibt es in $\mathbb C$ nicht.
Frage 5 von 5SchwerEine Multiplikation mit $2e^{i\pi/2}$ wirkt geometrisch wie welche Veränderung?
Lösung: Streckung mit Faktor $2$ und Drehung um $\frac{\pi}{2}$ — Bei der Multiplikation werden Beträge multipliziert und Argumente addiert. Der Faktor besitzt den Betrag $2$ und den Winkel $\frac{\pi}{2}$.

Wenn du Real- und Imaginärteil sauber trennst, $i^2=-1$ konsequent einsetzt und für jede Rechnung die passende Darstellungsform wählst, kannst du komplexe Zahlen systematisch statt durch bloßes Ausprobieren bearbeiten.

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