Limes verstehen und Grenzwerte berechnen
Der Limes beschreibt, welchem Wert sich eine Funktion nähert, wenn sich $x$ einer Stelle oder $\pm\infty$ nähert. Entscheidend ist das Verhalten in der Nähe – nicht unbedingt der Funktionswert an der Stelle selbst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was sagt ein Limes aus?
Die Schreibweise
$$\lim_{x\to a}f(x)=L$$
bedeutet: Wenn $x$ der Zahl $a$ beliebig nahe kommt, nähern sich die Funktionswerte $f(x)$ der Zahl $L$.
Limes
Der Limes oder Grenzwert ist der Wert, dem sich eine Funktion bei einer bestimmten Annäherung nähert. Die Zielstelle kann eine Zahl, $+\infty$ oder $-\infty$ sein.
Dabei muss $x=a$ nicht eingesetzt werden können. Der Limes betrachtet Werte in der Nähe von $a$. Deshalb kann ein Grenzwert auch an einer Definitionslücke existieren.
Bei
$$\lim_{x\to +\infty}f(x)=L$$
fragst du dagegen, wie sich $f(x)$ für immer größere positive Werte von $x$ verhält. Das Zeichen $\infty$ ist keine gewöhnliche Zahl, die du einsetzen kannst.
Für $f(x)=x^2$ werden die Funktionswerte sowohl bei großen positiven als auch bei großen negativen $x$-Werten immer größer. Daher gilt:
$$\lim_{x\to +\infty}x^2=+\infty$$
$$\lim_{x\to -\infty}x^2=+\infty$$
Das Ergebnis $+\infty$ beschreibt unbegrenztes Wachstum und keinen endlichen Zahlenwert.
Wie berechnest du Grenzwerte an einer Stelle?
Versuche zuerst, die Zielstelle einzusetzen. Bei einer Funktion, die dort ohne Unterbrechung definiert ist, erhältst du so unmittelbar den Grenzwert.
Berechne
$$\lim_{x\to 1}\frac{x+2}{x-4}.$$
Der Nenner ist bei $x=1$ nicht null. Du darfst deshalb einsetzen:
$$\frac{1+2}{1-4}=\frac{3}{-3}=-1.$$
Somit gilt:
$$\lim_{x\to 1}\frac{x+2}{x-4}=-1.$$
Entsteht beim Einsetzen die Form $\frac{0}{0}$, ist das noch kein Ergebnis. Prüfe, ob du den Term faktorisieren und einen gemeinsamen Faktor kürzen kannst.
Bestimme
$$\lim_{x\to 1}\frac{x^2-1}{x-1}.$$
Beim Einsetzen entsteht $\frac{0}{0}$. Faktorisiere deshalb den Zähler:
$$x^2-1=(x-1)(x+1).$$
Für $x\ne1$ gilt damit:
$$\frac{x^2-1}{x-1}=x+1.$$
In der Nähe von $1$ verhält sich der Bruch also wie $x+1$. Daher ist
$$\lim_{x\to1}\frac{x^2-1}{x-1}=2.$$
Die ursprüngliche Funktion ist bei $x=1$ nicht definiert. Ihr Graph besitzt dort eine hebbare Lücke, aber der Grenzwert existiert.
Die Form $\frac{0}{0}$ bedeutet nicht, dass der Grenzwert null ist oder nicht existiert. Sie fordert dich zum Umformen auf.
Wie verhalten sich rationale Funktionen im Unendlichen?
Eine rationale Funktion ist ein Quotient aus Polynomen. Für ihr Verhalten bei $x\to\pm\infty$ vergleichst du die höchsten Potenzen in Zähler und Nenner.
- Ist der Zählergrad kleiner, ist der Grenzwert $0$.
- Sind beide Grade gleich, ist der Grenzwert das Verhältnis der führenden Koeffizienten.
- Ist der Zählergrad größer, verhält sich der Quotient wie der Quotient der führenden Terme. Das Ergebnis kann unbegrenzt wachsen oder fallen.
Berechne
$$\lim_{x\to+\infty}\frac{3x^2+2x+1}{5x^2-x}.$$
Zähler und Nenner haben den Grad $2$. Teile jeden Term durch $x^2$:
$$\frac{3+\frac{2}{x}+\frac{1}{x^2}}{5-\frac{1}{x}}.$$
Für $x\to+\infty$ nähern sich $\frac1x$ und $\frac1{x^2}$ der Zahl $0$. Übrig bleibt
$$\frac35.$$
Also gilt:
$$\lim_{x\to+\infty}\frac{3x^2+2x+1}{5x^2-x}=\frac35.$$
Der Grenzwert $\frac35$ bedeutet, dass sich der Graph für große positive $x$ der Geraden $y=\frac35$ nähert.
Wie unterscheidest du Lücke, Polstelle und Asymptote?
An einer kritischen Stelle musst du oft prüfen, was links und rechts geschieht.
- $x\to a^-$ bedeutet Annäherung mit Werten kleiner als $a$.
- $x\to a^+$ bedeutet Annäherung mit Werten größer als $a$.
Ein beidseitiger endlicher Grenzwert existiert nur, wenn beide einseitigen Grenzwerte existieren und übereinstimmen.
Betrachte
$$f(x)=\frac1{x-1}.$$
Links von $1$ ist $x-1$ eine sehr kleine negative Zahl. Deshalb gilt:
$$\lim_{x\to1^-}\frac1{x-1}=-\infty.$$
Rechts von $1$ ist $x-1$ eine sehr kleine positive Zahl. Deshalb gilt:
$$\lim_{x\to1^+}\frac1{x-1}=+\infty.$$
Die beiden Seiten stimmen nicht überein. Es gibt daher keinen gemeinsamen beidseitigen Grenzwert. Die Gerade $x=1$ ist eine senkrechte Asymptote und die Stelle heißt Polstelle.
Bei $\frac1{x^2}$ werden die Werte dagegen auf beiden Seiten von $0$ positiv und unbegrenzt groß:
$$\lim_{x\to0^-}\frac1{x^2}=\lim_{x\to0^+}\frac1{x^2}=+\infty.$$
In der schulischen erweiterten Schreibweise notiert man dann auch $\lim_{x\to0}\frac1{x^2}=+\infty$.
Asymptote
Eine waagerechte Asymptote $y=L$ liegt vor, wenn sich die Funktion für $x\to+\infty$ oder $x\to-\infty$ dem endlichen Wert $L$ nähert. Eine senkrechte Asymptote $x=a$ liegt vor, wenn die Funktionswerte bei der Annäherung an $a$ mindestens von einer Seite unbegrenzt wachsen oder fallen.
Eine hebbare Lücke ist keine Polstelle: Beim Kürzungsbeispiel näherten sich die Funktionswerte der endlichen Zahl $2$. Sie explodierten nicht gegen $\pm\infty$.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein beidseitiger endlicher Grenzwert existiert, wenn die einseitigen Grenzwerte . Nähert sich eine Funktion im Unendlichen einer endlichen Zahl $L$, ist $y=L$ eine Asymptote. Unbegrenzt große Beträge nahe $x=a$ weisen auf eine hin.
Mit welcher Strategie gehst du vor?
Nutze diese Reihenfolge:
- Annäherung lesen: Geht $x$ gegen eine Zahl, einseitig gegen eine Zahl oder gegen $\pm\infty$?
- Direkt einsetzen: Ist ein gewöhnlicher Wert definiert, bist du häufig schon fertig.
- Problemform erkennen: Bei $\frac00$ oder $\frac\infty\infty$ darfst du Zähler und Nenner nicht getrennt als fertiges Ergebnis behandeln.
- Passend umformen: Faktorisiere und kürze oder teile bei rationalen Funktionen durch die höchste relevante Potenz.
- Seiten prüfen: Untersuche an möglichen Polstellen links und rechts getrennt.
- Ergebnis deuten: Entscheide, ob ein endlicher Grenzwert, unbegrenztes Verhalten, eine Lücke oder eine Asymptote vorliegt.
Eine Wertetabelle kann eine Vermutung sichtbar machen. Eine algebraische Umformung oder eine passende Grenzwertregel begründet das Ergebnis zuverlässiger.
Typische Fehler sind:
- $\infty$ wie eine einsetzbare Zahl zu behandeln;
- aus $\frac00$ vorschnell den Grenzwert $0$ abzulesen;
- an einer Polstelle nur eine Seite zu untersuchen;
- bei rationalen Funktionen irgendeine Potenz statt der höchsten Potenzen zu vergleichen;
- eine Definitionslücke automatisch für eine Polstelle zu halten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Limes
- Annäherung an eine endliche Stelle
- Verhalten für $x\to\pm\infty$
- Direktes Einsetzen bei zulässiger Auswertung
- Umformen bei unbestimmten Formen
- Einseitige Grenzwerte vergleichen
- Hebbare Lücke bei endlicher Annäherung
- Polstelle bei unbegrenztem Verhalten
- Asymptoten aus dem Grenzverhalten ablesen
Abschluss-Check
Wenn du alle vier Fragen begründen kannst, kannst du Grenzwerte nicht nur berechnen, sondern auch am Graphen deuten.
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