Cluster in der Musik: Spielweise, Klang und Wirkung
Ein Cluster entsteht, wenn mehrere eng benachbarte Töne gleichzeitig erklingen. Die Töne verschmelzen dabei häufig zu einem dichten, dissonanten oder sogar rauschhaften Gesamtklang.
Du lernst, Cluster zu erkennen, zu erzeugen, ihre Dichte zu beschreiben und ihre Wirkung begründet einzuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du einen Cluster?
Ein Cluster besteht nicht aus einer festgelegten Folge einzelner Töne. Entscheidend sind zwei Merkmale:
- Mehrere Töne erklingen gleichzeitig.
- Die Töne liegen eng nebeneinander.
Häufig betragen die Abstände zwischen den Tönen nur einen Halbton oder Ganzton. Mit mehreren Instrumenten oder elektronischen Mitteln sind auch noch kleinere Abstände möglich.
Cluster
Ein Cluster ist ein zusammengehöriges Klanggebilde aus mehreren gleichzeitig erklingenden, eng benachbarten Tönen.
Ein Cluster muss nicht aus genau fünf Tönen bestehen. Diese Behauptung erscheint zwar in einer der zugrunde liegenden Darstellungen, widerspricht aber den allgemeineren Definitionen. Die Tonzahl kann unterschiedlich sein.
Auf einem Klavier werden mehrere unmittelbar benachbarte Tasten gleichzeitig gedrückt. Weil zwischen den Tönen kaum Abstand liegt, entsteht kein deutlich gegliederter Dreiklang, sondern eine dichte „Tontraube“.
Werden dagegen mehrere weit auseinanderliegende Tasten gespielt, reicht das gemeinsame Erklingen allein nicht aus: Ohne enge Nachbarschaft ist der Mehrklang kein typischer Cluster.
Nicht die genaue Tonzahl entscheidet, sondern die enge Nachbarschaft der gleichzeitig erklingenden Töne.
Wie wird ein Cluster erzeugt und notiert?
Auf einem Tasteninstrument kannst du mehrere Nachbartasten gleichzeitig anschlagen. Je nach gewünschter Breite eignen sich dafür die Finger, die Faust, die Handfläche, das Handgelenk oder der Unterarm.
Dabei können nur weiße, nur schwarze oder beide Tastengruppen verwendet werden. Welche Tasten tatsächlich gespielt werden sollen, muss aus der jeweiligen Notation hervorgehen.
Auch ein Orchester, ein Chor oder elektronische Klangerzeugung kann Cluster bilden. Mehrere Klangerzeuger ermöglichen besonders kleine Tonabstände. Werden die Abstände immer enger, kann der Gesamtklang zunehmend geräuschhaft wirken.
Den Tonumfang lesen
Der Tonumfang, auch Ambitus genannt, reicht vom tiefsten bis zum höchsten Ton eines Klanges. Eine moderne Clusternotation kann diesen Bereich durch einen schwarzen Balken markieren. Zusätzliche Zeichen können angeben, welche Tastengruppen zu verwenden sind.
Ein breiter Balken über einem großen Tonumfang verlangt einen ausgedehnteren Cluster als ein kurzer Balken. Der Balken zeigt dabei den Bereich des Klanges und nicht jeden Einzelton als getrennte Stimme.
Wie beschreibst du Dichte und Wirkung?
Die Clusterdichte hängt nach Henry Cowells theoretischem Ansatz mit der Zahl der Töne und ihrem Tonumfang zusammen. Viele Töne in einem kleinen Bereich ergeben einen besonders dicht besetzten Klang.
Clusterdichte
Die Clusterdichte beschreibt, wie viele Töne innerhalb eines bestimmten Tonumfangs zusammengedrängt sind.
Dichte Cluster werden häufig als dissonant, spannungsreich, gesättigt oder rauschhaft wahrgenommen. Solche Wörter beschreiben Höreindrücke. Sie sind keine zeitlose Bewertung als „schön“ oder „hässlich“.
Die Wirkung hängt auch vom musikalischen Zusammenhang ab. Ein Cluster kann Chaos, ein Gewitter oder eine bedrohliche Stimmung darstellen. Ein leiser Cluster kann aber ebenso eine verhaltene Klangfläche bilden. Lautstärke, Instrumente, Verlauf und Umgebung verändern den Eindruck.
Vergleiche gedanklich zwei Klänge:
- Mehrere Nachbartöne erklingen kräftig und plötzlich.
- Ein ähnlich dichter Klang setzt sehr leise ein und bleibt liegen.
Beide können Cluster sein. Der erste kann schroff oder erschreckend wirken, der zweite eher flächig oder zurückhaltend. Die Bauweise allein legt die Wirkung also nicht vollständig fest.
Was ergab ein Hörversuch?
Eine wahrnehmungspsychologische Untersuchung arbeitete mit zehn prototypischen Clustern unterschiedlicher Dichte. Die Versuchspersonen verglichen mehrere Klänge mit einem Referenzcluster.
Dabei zeigten sich zwei Gruppen:
- Bei einem Teil der Cluster hing die hörbare Unterscheidbarkeit deutlich von der Dichte ab.
- Bei stark gesättigten Klängen fiel eine weitere Unterscheidung schwerer.
Klangfarbenbezogene Messwerte stimmten stark mit den Ähnlichkeitsurteilen überein. Das zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass ein einzelnes Merkmal die Wahrnehmung verursacht.
Welche Rolle spielen Cluster in der Musikgeschichte?
Tontrauben wurden schon verwendet, bevor sich der Begriff Cluster durchsetzte. Frühere Musik konnte solche dichten Klänge etwa einsetzen, um Chaos oder Erdbeben hörbar darzustellen.
Im 20. Jahrhundert wurden Cluster zu einem wichtigen Gestaltungsmittel der Avantgarde und der Neuen Musik. Sie dienten nun nicht nur als kurzer Effekt, sondern konnten ganze Klangflächen und musikalische Strukturen prägen.
Henry Cowell war für die Theorie und kompositorische Behandlung des Clusters besonders wichtig. Sein Klavierstück The Tides of Manaunaun von 1912 gilt im Ausgangsmaterial als frühes Beispiel, in dem Cluster ausdrücklich vorgeschrieben und als geschlossene klangliche Einheiten behandelt werden.
Später arbeiteten unter anderem Béla Bartók, György Ligeti und Krzysztof Penderecki mit Clustern. Ligetis Orchesterwerke Atmosphères und Lontano zeigen, wie dichte Klänge eine größere musikalische Struktur tragen können.
Cowell sollte nicht einfach als Erfinder aller Tontrauben bezeichnet werden: Die Spielweise gab es schon früher. Seine besondere Bedeutung liegt in der ausdrücklichen Vorschrift, theoretischen Beschreibung und strukturellen Verwendung von Clustern.
Cluster selbst untersuchen
Du kannst einen Cluster auch ohne komplizierte Analyse beschreiben. Gehe in vier Schritten vor:
- Erkennen: Erklingen mehrere Töne gleichzeitig?
- Abstände prüfen: Liegen die Töne eng nebeneinander?
- Dichte beschreiben: Wie viele Töne drängen sich ungefähr in welchem Tonumfang?
- Wirkung begründen: Welche Lautstärke, Klangfarbe und musikalische Umgebung prägen deinen Eindruck?
Du hörst einen leisen, lange gehaltenen Mehrklang mit vielen eng benachbarten Tönen.
- Gleichzeitig erklingende Töne: ja.
- Enge Tonabstände: ja.
- Dichte: hoch, weil viele Töne in einem begrenzten Bereich liegen.
- Wirkung: eher flächig und gesättigt als plötzlich erschreckend, weil der Klang leise und lang gehalten ist.
Damit ist die Bezeichnung Cluster begründet. Auch die Wirkungsbeschreibung stützt sich auf hörbare Merkmale.
Deine Denkaufgabe
Ein kräftiger Mehrklang besteht aus weit auseinanderliegenden Tönen. Ein zweiter Mehrklang ist leise, enthält aber viele unmittelbar benachbarte Töne.
Welcher Klang ist eher ein Cluster? Begründe deine Entscheidung mit Bauweise und Wirkung.
Lösung: Der zweite Klang ist eher ein Cluster, weil viele eng benachbarte Töne gleichzeitig erklingen. Seine geringe Lautstärke ändert die Bauweise nicht. Der erste Klang kann zwar kräftig und spannungsvoll wirken, doch weit auseinanderliegende Töne bilden allein noch keinen Cluster.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Cluster besteht aus mehreren erklingenden Tönen. Diese liegen beieinander. Viele Töne in einem kleinen Tonumfang ergeben eine Clusterdichte. Seine Wirkung sollte aus dem musikalischen begründet werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Musikalischer Cluster
- Bauweise: gleichzeitig erklingende Nachbartöne
- Dichte: Tonzahl und Tonumfang
- Erzeugung: Tasteninstrumente, Ensembles, Stimmen oder Elektronik
- Notation: markierter Tonumfang und weitere Spielangaben
- Wahrnehmung: dicht, dissonant, gesättigt oder rauschhaft
- Wirkung: abhängig von Lautstärke, Klangfarbe und Zusammenhang
- Geschichte: ältere Tontrauben, neue strukturelle Bedeutung im 20. Jahrhundert
Abschluss-Check
Du kannst einen Cluster nun an seiner Tonanordnung erkennen, seine Dichte beschreiben und seine Wirkung mit hörbaren Merkmalen begründen. Entscheidend ist: Ein dichter Klang ist nicht automatisch „schön“ oder „hässlich“ – seine Funktion zeigt sich erst im musikalischen Zusammenhang.
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