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Dissonanz: Spannung in Musik verstehen

Dissonanz: Spannung in Musik verstehen
Dissonanz: Spannung in Musik verstehen
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Eine Dissonanz ist eine Tonbeziehung, die häufig Spannung oder Bewegung erzeugt. Sie kann nach einer Auflösung in einen ruhigeren Klang streben. Ob sie tatsächlich so wirkt und wie sie behandelt wird, hängt jedoch vom musikalischen Zusammenhang und vom Stil ab.

Auf dieser Seite lernst du, Dissonanzen zu erkennen, ihren Verlauf zu beschreiben und ihre Wirkung zu begründen, ohne Klänge vorschnell als schön oder hässlich zu bewerten.

Deine Lernziele

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Woran erkennst du eine Dissonanz?
Definition

Dissonanz

Eine Dissonanz ist eine spannungsreiche Beziehung zwischen Tönen. Sie kann gleichzeitig in einem Mehrklang oder nacheinander in einer Melodie auftreten. In vielen musikalischen Zusammenhängen erzeugt sie eine Strebewirkung: Der Klang wirkt so, als solle er sich weiterbewegen.

Das Gegenstück heißt Konsonanz. Konsonante Tonbeziehungen wirken häufig stabiler, ruhiger und stärker verschmolzen. Dissonanz bedeutet deshalb nicht automatisch „schlecht“, und Konsonanz bedeutet nicht automatisch „gut“. Beide erfüllen musikalische Aufgaben.

In einer traditionellen Intervallklassifikation gelten Sekunden, Septimen und der Tritonus als dissonant. Terzen und Sexten werden als unvollkommene Konsonanzen, Prime, Quinte und Oktave als vollkommene Konsonanzen eingeordnet. Die Quarte ist ein Grenzfall: Sie kann konsonant oder – abhängig vom musikalischen Zusammenhang – dissonant behandelt werden.

Merke

Beurteile eine Dissonanz nicht nur nach einem einzelnen Klang. Achte darauf, was vorher klingt, wie die Töne geführt werden und was danach folgt.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Beschreibung trifft eine Dissonanz am besten?
Lösung: Eine Tonbeziehung, die häufig Spannung und Bewegung erzeugt — Dissonanz bezeichnet eine spannungsreiche Tonbeziehung. Ihre Behandlung hängt vom Zusammenhang und vom Stil ab.
Frage 2 von 2MittelZwei Töne erklingen nacheinander und erzeugen eine deutliche Strebewirkung. Kann dabei Dissonanz entstehen?
Lösung: Ja, Dissonanz kann auch in einer Tonfolge wahrgenommen werden. — Für die Wirkung ist die Beziehung der Töne entscheidend, nicht nur ihr gleichzeitiges Erklingen.
Wie entsteht ein Spannungsverlauf?

Musikalische Wirkung entsteht oft durch den Wechsel von Spannung und Entspannung. Ein dissonanter Klang kann Bewegung anstoßen; eine folgende Konsonanz kann diese Spannung verringern. Auch eine neue Dissonanz kann die Spannung weiterführen oder verstärken.

Achte beim Beschreiben eines Verlaufs auf drei Schritte:

  1. Ausgang: Wie ruhig oder gespannt wirkt der erste Klang?
  2. Veränderung: Welcher Ton bleibt liegen, bewegt sich schrittweise oder springt?
  3. Folge: Nimmt die Spannung ab, bleibt sie bestehen oder entsteht eine neue Spannung?
Beispiel

Ein Klang wirkt zunächst ruhig. Danach bleibt ein Ton liegen, während die übrigen Stimmen zu einer neuen Harmonie wechseln. Der gehaltene Ton passt nun spannungsreich zum neuen Klang. Bewegt er sich anschließend schrittweise in einen konsonanten Ton, entsteht der Verlauf Ruhe – Spannung – Entspannung.

Der entscheidende Gedanke lautet: Nicht der gehaltene Ton allein ist dissonant. Erst seine neue Beziehung zu den anderen Stimmen erzeugt die Spannung.

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Frage 1 von 2MittelIn einer Tonfolge hörst du zuerst einen spannungsreichen Klang und danach einen ruhigeren Klang. Welche Beschreibung ist am genauesten?
Lösung: Die Spannung nimmt im Verlauf ab und wird in eine ruhigere Tonbeziehung geführt. — Beschreibe die Veränderung im Verlauf: Dissonanz erzeugt hier Spannung, der folgende ruhigere Klang vermindert sie.
Frage 2 von 2SchwerEine Folge endet nicht auf einer Konsonanz, sondern auf einer weiteren Dissonanz. Was lässt sich sicher sagen?
Lösung: Die Spannung kann weitergeführt werden; eine sofortige Auflösung ist nicht zwingend. — Eine Dissonanz kann aufgelöst, verlängert oder durch eine neue Spannung ersetzt werden. Entscheidend ist der musikalische Zusammenhang.
Wie werden Dissonanzen im 18. Jahrhundert geführt?

Im Stil des 18. Jahrhunderts lassen sich Dissonanzen häufig danach unterscheiden, wie sie erreicht werden, wo sie im Takt stehen und wie sie weitergeführt werden. Diese Beschreibungen sind keine zeitlosen Regeln für jede Musik.

Vorhalt

Beim Vorhalt bleibt ein zunächst konsonanter Akkordton liegen. Die anderen Stimmen wechseln zur nächsten Harmonie. Dadurch wird der gehaltene Ton dissonant. Er löst sich meistens schrittweise nach unten in eine Konsonanz auf. Der Vorhalt steht auf einem betonten Taktteil.

Durchgang und Vorausnahme

Ein Durchgang füllt in einer Stimme einen Terzsprung schrittweise aus. Ein häufiges Kadenzmodell ist der 8–7-Durchgang über der Dominante.

Bei der Vorausnahme oder Antizipation erscheint ein Ton zunächst unbetont als Dissonanz. Danach erklingt derselbe Ton auf einer Betonung als Bestandteil der folgenden Harmonie.

Nebennoten, Umspielung und Orgelpunkt

Bei einer anspringenden Nebennote führt ein Sprung in die Dissonanz. Bei einer abspringenden Nebennote führt ein Sprung aus ihr heraus.

Bei einer Umspielung folgen zwei dissonante Töne im Abstand einer kleinen Terz aufeinander. Danach führt ein Schritt in die umspielte Konsonanz.

Beim Orgelpunkt bleibt ein Ton liegen, während sich die anderen Stimmen bewegen. Durch ihre wechselnden Beziehungen kann der gehaltene Ton zeitweise dissonant werden. Liegt er in der Oberstimme, heißt er Diskantorgelpunkt.

Gut zu wissen

Die Begriffe beschreiben nicht nur den Klang eines einzelnen Intervalls. Sie berücksichtigen auch Betonung, Bewegungsrichtung und Stimmführung.

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Frage 1 von 2LeichtWelches Merkmal gehört zum Vorhalt im beschriebenen Stil?
Lösung: Ein gehaltener Ton wird durch den Harmoniewechsel dissonant und löst sich meist schrittweise abwärts auf. — Beim Vorhalt wird ein zuvor konsonanter Ton gehalten. Durch die neue Harmonie entsteht auf betonter Zeit eine Dissonanz.
Frage 2 von 2MittelEine Stimme bewegt sich schrittweise zwischen den Randtönen eines Terzsprungs. Welcher Typ passt dazu?
Lösung: Durchgang — Der Durchgang verbindet die Randtöne eines Terzsprungs durch eine schrittweise Bewegung.
Wie lösen sich Septimen auf?

Eine Septime ist ein dissonantes Intervall. In traditioneller Stimmführung hängt ihre typische Auflösungsrichtung von ihrer Größe ab.

  • Die große Septime strebt nach oben zur Oktave. Der nach oben strebende obere Ton wird dabei als Leitton bezeichnet.
  • Die kleine Septime wird typischerweise nach unten zur kleinen oder großen Sexte geführt. Der abwärts strebende Ton wird als Gleitton bezeichnet.
Beispiel

Die Töne c und h bilden eine große Septime. Bewegt sich das h einen Halbton nach oben zum c, entsteht die Oktave c–c.

  1. Ausgang: c–h, große Septime und damit Spannung.
  2. Bewegung: Der obere Ton h steigt schrittweise zum c.
  3. Ergebnis: c–c, Oktave und damit eine traditionelle konsonante Auflösung.

Der entscheidende Schritt ist die Richtung: Die große Septime wird hier durch die Aufwärtsbewegung des oberen Tons zur Oktave aufgelöst.

Ein Dominantseptakkord enthält eine kleine Septime. In traditioneller Stimmführung wird dieser Septimton schrittweise nach unten geführt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die große Septime strebt traditionell zur . Die kleine Septime wird typischerweise zu einer geführt.

Lösungen: Lücke 1: nach oben; Lücke 2: Oktave; Lücke 3: nach unten; Lücke 4: Sexte. Achte auf die unterschiedliche Richtung: große Septime aufwärts zur Oktave, kleine Septime abwärts zur Sexte.
Warum entscheidet der Stil mit?

Die Wirkung und Behandlung von Dissonanzen sind nicht in jeder Musik gleich. Im Stil des 18. Jahrhunderts spielen vorbereitete oder geregelte Auflösungen eine wichtige Rolle. In der Musik des 20. Jahrhunderts wurden solche traditionellen Auflösungsregeln vielfach aufgegeben. Dafür wird der Ausdruck Emanzipation der Dissonanz verwendet.

Eine Dissonanz muss deshalb nicht immer sofort in eine Konsonanz übergehen. Sie kann als selbstständiger Klang bestehen oder Teil einer längeren Spannungsentwicklung sein.

Auch bei der Intervallklassifikation ist Vorsicht nötig. Die Quarte zeigt, dass ein Intervall je nach seiner Funktion unterschiedlich bewertet werden kann. Frage daher nicht nur: „Welches Intervall ist das?“, sondern auch: „Welche Rolle spielt es in diesem Verlauf?“

Merke

Beschreibe erst hörbare oder erkennbare Merkmale und deute dann ihre Funktion: Klangbeziehung – Verlauf – Stilzusammenhang.

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Frage 1 von 2MittelEine Dissonanz bleibt in einem Musikstück bestehen und löst sich nicht traditionell auf. Welche Begründung ist angemessen?
Lösung: Der Stil kann Dissonanzen als selbstständige Klänge verwenden. — Besonders seit der Emanzipation der Dissonanz können spannungsreiche Klänge ohne traditionelle Auflösung bestehen bleiben.
Frage 2 von 2SchwerIn zwei Stücken erklingt dasselbe Intervall, wirkt aber unterschiedlich. Welche Untersuchung hilft am meisten?
Lösung: Vergleichen, was vorher und nachher klingt und wie das Intervall im jeweiligen Stil verwendet wird — Derselbe Tonabstand kann durch Stimmführung, Harmonie und Stilzusammenhang eine unterschiedliche Funktion erhalten.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Dissonanz
    • Wirkung: Spannung und Bewegung
    • Erscheinung: gleichzeitig oder nacheinander
    • Verlauf: Entstehung, Fortführung oder Auflösung
    • Stimmführung: Vorhalt, Durchgang, Vorausnahme, Nebennote, Umspielung, Orgelpunkt
    • Intervalle: Sekunde, Tritonus und Septime; Quarte kontextabhängig
    • Stil: geregelte Behandlung oder selbstständiger Klang
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage vermeidet ein unpassendes Schön-Hässlich-Schema?
Lösung: Dissonanz beschreibt musikalische Spannung, nicht automatisch schlechte Musik. — Konsonanz und Dissonanz bilden ein Wechselspiel, das Struktur, Bewegung und Ausdruck erzeugen kann.
Frage 2 von 3MittelEin Ton bleibt auf einem betonten Taktteil liegen, während die übrigen Stimmen die Harmonie wechseln. Danach geht der Ton schrittweise abwärts in eine Konsonanz. Was liegt vor?
Lösung: Ein Vorhalt — Gehaltener Ton, betonte Dissonanz und meist abwärts gerichtete Auflösung sind Kennzeichen des Vorhalts.
Frage 3 von 3SchwerDu vergleichst eine regelgebundene Komposition des 18. Jahrhunderts mit einem Stück des 20. Jahrhunderts. In beiden hörst du Dissonanzen. Welche Deutung ist am tragfähigsten?
Lösung: Du untersuchst in jedem Stück, ob und wie die Spannung aufgelöst oder als selbstständiger Klang weitergeführt wird. — Eine begründete Analyse verbindet die Tonbeziehung mit Stimmführung, Verlauf und Stilzusammenhang.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du bei einem unbekannten Klangverlauf zuerst die Spannung beschreiben, danach die beteiligte Tonbewegung untersuchen und erst dann die stilabhängige Funktion deuten? Dann nutzt du Dissonanz nicht nur als Etikett, sondern als Werkzeug zum musikalischen Verstehen.

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