Musik

Konsonanz in der Musik: Wirkung und Kontext

Konsonanz in der Musik: Wirkung und Kontext
Konsonanz in der Musik: Wirkung und Kontext
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Konsonanz bezeichnet meist eine stabile oder ruhende Klangbeziehung. Dissonanz wirkt eher gespannt und kann eine Weiterbewegung erwarten lassen. Diese Wirkung ist jedoch kein zeitloses Urteil über „schöne“ und „hässliche“ Klänge: Epoche, Musikstil, Satzkontext und Wahrnehmung beeinflussen die Einordnung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie unterscheiden sich Ruhe und Spannung?

Wenn mehrere Töne gleichzeitig erklingen, können sie unterschiedlich wirken. Ein Klang kann in sich ruhen. Ein anderer erzeugt Spannung und lenkt die Erwartung auf eine Fortsetzung.

Definition

Konsonanz

Konsonanz ist eine Klangbeziehung, die in einem bestimmten musikalischen Zusammenhang als stabil, ruhend oder stark verschmolzen wahrgenommen beziehungsweise behandelt wird.

Definition

Dissonanz

Dissonanz ist eine Klangbeziehung, die in einem bestimmten musikalischen Zusammenhang Spannung, Reibung oder einen Bewegungsimpuls erzeugt.

Konsonanz ist nicht einfach ein anderes Wort für „gefällt mir“. Auch eine Dissonanz kann bewusst gestaltet sein und für Ausdruck, Bewegung oder Gliederung sorgen.

Beispiel

Ein gespannter Klang wird von einem deutlich stabileren Klang abgelöst. Du kannst den Verlauf so beschreiben: Die Spannung nimmt zunächst zu und löst sich anschließend. Diese Aussage benennt die musikalische Funktion genauer als „Der erste Klang ist hässlich, der zweite schön“.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Konsonanz und Dissonanz fachlich angemessen?
Lösung: Sie bezeichnen unterschiedliche Grade oder Funktionen von Stabilität und Spannung. — Dissonanzen gehören zu den grundlegenden Gestaltungsmitteln der Musik. Entscheidend ist, wie ein Klang im jeweiligen Verlauf wirkt und behandelt wird.
Wie werden Intervalle traditionell eingeordnet?

Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. In der traditionellen Kontrapunktlehre werden Intervalle in drei Gruppen eingeteilt:

  • vollkommene Konsonanzen: reine Prime, reine Quinte und reine Oktave;
  • unvollkommene Konsonanzen: große und kleine Terz sowie große und kleine Sexte;
  • Dissonanzen: die übrigen musikalisch verwendeten Intervalle, wobei die Quarte eine besondere Rolle spielt.

„Vollkommen“ bedeutet hier nicht „besser“. Der Begriff bezeichnet eine historische Intervallklasse. Vollkommene Konsonanzen wurden besonders häufig für Anfänge und Schlüsse verwendet. Unvollkommene Konsonanzen klingen ebenfalls konsonant, ermöglichen aber andere Stimmbewegungen.

Merke

Die traditionelle Einteilung ist eine Orientierung für bestimmte Satzweisen, keine für alle Musik gültige Rangliste.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtZu welcher traditionellen Gruppe gehört die große Sexte?
Lösung: Zu den unvollkommenen Konsonanzen — Große und kleine Terzen sowie große und kleine Sexten gelten in der traditionellen Kontrapunktlehre als unvollkommene Konsonanzen.
Frage 2 von 2MittelEine kleine Terz erscheint in einem zweistimmigen Satz. Wie wird sie in der traditionellen Einteilung bezeichnet?
Lösung: Als unvollkommene Konsonanz — Die Einteilung richtet sich hier nach der Intervallklasse: Terzen und Sexten sind unvollkommene Konsonanzen.
Warum hat die Quarte eine Sonderrolle?

Die Quarte lässt sich nicht ohne ihren Satzkontext sicher einordnen. Entscheidend ist, zwischen welchen Stimmen sie liegt.

  • Zwischen dem Bass, also der tiefsten Stimme, und einer höheren Stimme wird die Quarte in der traditionellen Kontrapunktlehre gewöhnlich als Dissonanz behandelt.
  • Zwischen zwei Oberstimmen kann sie als sekundäres Intervall auftreten und wie eine unvollkommene Konsonanz behandelt werden.
Beispiel

In einem mehrstimmigen Satz erklingt über dem Basston eine Quarte. Für die Beurteilung ist dieser Bassbezug entscheidend: Die Quarte gilt hier gewöhnlich als dissonant. Liegt dieselbe Intervallart nur zwischen zwei Oberstimmen, kann ihre satztechnische Funktion eine andere sein.

Merke

Bei der Quarte reicht der Intervallname nicht. Frage zusätzlich: Liegt sie über dem Bass oder zwischen Oberstimmen?

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Quarte liegt zwischen dem Bass und einer höheren Stimme. Wie wird sie traditionell gewöhnlich behandelt?
Lösung: Als Dissonanz — Über dem Bass gilt die Quarte traditionell gewöhnlich als dissonant. Zwischen zwei Oberstimmen kann sie anders behandelt werden.
Frage 2 von 2SchwerWarum kann dieselbe Intervallart unterschiedlich eingeordnet werden?
Lösung: Weil ihre Funktion von Stimmenlage und Satzkontext abhängen kann — Die Quarte zeigt besonders deutlich: Eine musikalische Einordnung entsteht nicht allein aus dem Intervallnamen.
Wie bewegt eine Dissonanz die Musik weiter?

In traditionellen Satzweisen werden Dissonanzen häufig vorbereitet oder in einen stabileren Klang weitergeführt. Diese Weiterführung heißt Auflösung.

Bei Septimen zeigt sich eine typische Strebewirkung:

  • Eine große Septime wird in praktischen Übungen häufig aufwärts zur Oktave geführt.
  • Eine kleine Septime wird häufig schrittweise abwärts zur kleinen oder großen Sexte geführt.

Solche Bewegungen sind keine unveränderlichen Naturgesetze. Sie beschreiben gebräuchliche Verfahren in bestimmten musikalischen Zusammenhängen.

Außerdem musst du zwischen zwei Rollen unterscheiden:

  • Ein Vorhalt ist ein vorübergehend akkordfremder, dissonanter Ton. Er nimmt kurz den Platz eines konsonanten Tons ein und löst sich anschließend.
  • Eine Dissonanz kann auch zum Akkord selbst gehören. Die Septime eines Septakkords ist beispielsweise ein Akkordbestandteil und nicht bloß ein versehentlich fremder Ton.
Merke

Nicht jede Dissonanz ist akkordfremd. Manche Dissonanzen sind feste Bestandteile eines Akkords.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist eine Auflösung?
Lösung: Die Weiterführung eines gespannten Klangs oder Tons in einen stabileren Zusammenhang — Bei einer Auflösung verändert sich die Klangbeziehung so, dass die zuvor aufgebaute Spannung abnimmt.
Frage 2 von 3MittelWelche Bewegung ist für eine kleine Septime in traditionellen Übungen häufig?
Lösung: Ein Schritt abwärts zu einer Sexte — Die kleine Septime wird häufig abwärts zur kleinen oder großen Sexte geführt.
Frage 3 von 3SchwerEine Septime gehört fest zu einem Septakkord. Welche Folgerung ist richtig?
Lösung: Sie kann dissonant und zugleich akkordeigen sein. — Die Rolle im Akkord und die Einordnung als Konsonanz oder Dissonanz sind zwei verschiedene Fragen.
Warum ändert sich die Einordnung im Lauf der Musikgeschichte?

Musiktheorien haben Konsonanz und Dissonanz unterschiedlich erklärt. Antike Ansätze betonten einfache Zahlenverhältnisse. Spätere Theorien untersuchten unter anderem Dreiklänge, Teiltöne, Schwebungen, Rauigkeit, Verschmelzung und die psychologische Tonvorstellung.

Diese Modelle beschreiben nicht genau dasselbe. Ein Klang kann akustisch wenig rau wirken und in einer bestimmten Komposition trotzdem eine dissonante Funktion besitzen. Umgekehrt kann ein traditionell dissonantes Intervall in einem anderen Stil als ruhender Klang verwendet werden.

Im frühen 20. Jahrhundert verloren traditionelle Regeln zur Vorbereitung und Auflösung von Dissonanzen in vielen Werken ihre allgemeine Verbindlichkeit. Diese Entwicklung wird Emanzipation der Dissonanz genannt. Traditionell dissonante Intervalle konnten nun beispielsweise parallel geführt oder als Schlussklänge eingesetzt werden.

Gut zu wissen

Die Emanzipation der Dissonanz bedeutet nicht, dass es keine Klangspannung mehr gibt. Sie bedeutet, dass Komponierende dissonante Klänge freier und unabhängiger von älteren Auflösungsregeln verwenden konnten.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Stück endet auf einem traditionell dissonanten Klang. Was lässt sich daraus sicher schließen?
Lösung: Der Klang kann in diesem Stil eine bewusst gewählte Schlussfunktion haben. — Für eine begründete Einordnung musst du Stil, Epoche und musikalischen Verlauf berücksichtigen.
Frage 2 von 2SchwerZwei Stücke verwenden dasselbe Intervall unterschiedlich: einmal als Spannung, einmal als Ruhepunkt. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Die Wirkung des Intervalls hängt auch von Stil und musikalischem Kontext ab. — Der Intervallname liefert wichtige Informationen, bestimmt die musikalische Funktion jedoch nicht in jedem Zusammenhang vollständig.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Konsonanz und Dissonanz
    • Klangwirkung
      • Stabilität und Ruhe
      • Spannung und Bewegung
    • traditionelle Einteilung
      • vollkommene Konsonanzen
      • unvollkommene Konsonanzen
      • Dissonanzen
    • Satzkontext
      • Quarte über dem Bass
      • Quarte zwischen Oberstimmen
      • akkordeigene und akkordfremde Töne
    • musikalischer Verlauf
      • Spannung aufbauen
      • Dissonanz weiterführen
      • Spannung auflösen
    • historischer Wandel
      • unterschiedliche Erklärungsmodelle
      • Emanzipation der Dissonanz
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Formulierung beschreibt eine Dissonanz ohne vorschnelles Werturteil?
Lösung: Der Klang erzeugt in diesem Verlauf Spannung und einen Bewegungsimpuls. — Beschreibe zuerst hörbare oder satztechnische Funktionen wie Spannung, Bewegung und Auflösung.
Frage 2 von 3MittelEine Quarte erklingt über dem Bass. Welche Information ist für ihre traditionelle Einordnung entscheidend?
Lösung: Ihr Bezug zur tiefsten Stimme — Die Quarte wird über dem Bass gewöhnlich als Dissonanz behandelt; zwischen Oberstimmen kann sie anders eingeordnet werden.
Frage 3 von 3SchwerEin unbekannter Klangverlauf führt von einem rau oder gespannt wirkenden Mehrklang zu einem deutlich stabileren Klang. Welche Analyse ist am tragfähigsten?
Lösung: Der Verlauf gestaltet Spannung und anschließende Entspannung; die genaue Einordnung muss den Stil und Kontext berücksichtigen. — Eine gute Analyse verbindet die wahrgenommene Veränderung mit dem musikalischen Verlauf und vermeidet zeitlose Schön-Hässlich-Urteile.

Du kannst Konsonanz und Dissonanz nun als musikalische Funktionen beschreiben: Sie ordnen Stabilität und Spannung, werden aber erst durch Stimmenlage, Akkordrolle, Verlauf, Stil und Epoche genauer verständlich.

Passend dazu