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Trugschluss in der Musik: V–VI verstehen

Trugschluss in der Musik: V–VI verstehen
Trugschluss in der Musik: V–VI verstehen
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Bei einem Trugschluss folgt auf die Dominante nicht die erwartete Tonika, sondern der Dreiklang der VI. Stufe. Die Folge V–VI täuscht dadurch die Erwartung eines endgültigen Abschlusses: Die Musik geht weiter.

Auf dieser Seite lernst du, einen Trugschluss zu erkennen, mit Stufen und Funktionen zu bezeichnen und seine klassische Stimmführung zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du einen Trugschluss?

Stell dir eine Akkordfolge vor, die deutlich auf einen Schluss zuläuft. Die Dominante erzeugt die Erwartung, dass als Nächstes die Tonika kommt. Beim Trugschluss wird diese Erwartung nicht erfüllt.

Definition

Trugschluss

Ein Trugschluss ist im engeren musiktheoretischen Sinn die Fortschreitung von der Dominante zum Dreiklang der VI. Stufe statt zur Tonika. In der Stufentheorie lautet sie V–VI.

Ein normaler Ganzschluss führt von der Dominante zur Tonika:

V–I

Der Trugschluss weicht im zweiten Schritt ab:

V–VI

Merke

Nach der Dominante erwartest du die I. Stufe. Erscheint stattdessen die VI. Stufe, liegt ein Trugschluss vor.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Stufenfolge bezeichnet den üblichen Trugschluss?
Lösung: V–VI — Beim Trugschluss wird die erwartete I. Stufe durch die VI. Stufe ersetzt.
Wie beschreiben Stufen- und Funktionstheorie den Zielakkord?

Die Stufentheorie nummeriert Akkorde nach ihrem Grundton innerhalb der Tonleiter. Deshalb heißt der Trugschluss V–VI: Auf den Akkord über dem fünften Ton folgt der Akkord über dem sechsten Ton.

Die Funktionstheorie beschreibt dagegen die harmonische Aufgabe eines Akkords. Der Akkord der VI. Stufe vertritt beim Trugschluss die erwartete Tonika.

TonartStufenfolgeFunktionale FolgeZielakkord
DurV–VID–TpTonikaparallele
MollV–VID–tGTonikagegenklang

D steht für Dominante, Tp für Tonikaparallele und tG für Tonikagegenklang.

Beispiel

In C-Dur ist G-Dur die Dominante und a-Moll der Dreiklang der VI. Stufe:

G-Dur → a-Moll

Du kannst die Folge als V–VI oder als D–Tp bezeichnen.

Beispiel

In c-Moll ist G-Dur die Dominante und As-Dur der Dreiklang der VI. Stufe:

G-Dur → As-Dur

Die Bezeichnungen lauten V–VI und D–tG.

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Frage 1 von 2MittelIn C-Dur folgt auf G-Dur überraschend a-Moll. Welche Analyse passt?
Lösung: V–VI beziehungsweise D–Tp — G-Dur ist die V. Stufe und Dominante. a-Moll ist die VI. Stufe und Tonikaparallele.
Frage 2 von 2MittelWelche Funktion hat der Zielakkord eines Trugschlusses in Moll?
Lösung: Tonikagegenklang tG — In Moll vertritt der Tonikagegenklang die erwartete Tonika.
Warum wirkt der Trugschluss überraschend?

Die Dominante spannt auf die Tonika hin. Besonders wichtig ist dabei der Leitton: Das ist der Ton einen Halbton unter dem Grundton der Tonika. Er drängt hörbar nach oben zum Grundton.

Beim Trugschluss wird der Leitton tatsächlich nach oben geführt. Trotzdem erscheint nicht die vollständige Tonika, weil der Bass anders weitergeht.

Beim erwarteten Ganzschluss bewegt sich der Grundton der Dominante zur Tonika. Beim Trugschluss steigt der Bass stattdessen einen Tonleiterschritt zur VI. Stufe. So treffen vertraute Auflösung und unerwarteter Zielakkord zusammen.

Merke

Der Leitton erfüllt seine Erwartung, der Bass jedoch nicht: Genau dieses Zusammenspiel erzeugt die Täuschung.

Der Zielakkord vertritt die Tonika, beendet die Phrase aber meist nicht endgültig. Häufig schließt sich deshalb eine weitere Kadenz an.

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Frage 1 von 1MittelWarum wirkt die Folge V–VI wie ein Trugschluss?
Lösung: Die Dominante lässt die Tonika erwarten, wird aber zur VI. Stufe weitergeführt. — Entscheidend ist die enttäuschte Tonikaerwartung: Nach V erscheint VI statt I.
Wie funktioniert die klassische Stimmführung?

Für einen einfachen vierstimmigen Satz hilft dir folgende Grundregel:

  1. Der Bass steigt vom Grundton der Dominante zur VI. Stufe.
  2. Der Leitton, also die Terz der Dominante, steigt einen Halbton zum Grundton der Tonika.
  3. Eine vorhandene Dominantseptime geht schrittweise abwärts.
  4. Die übrigen Stimmen bewegen sich im klassischen Grundmodell abwärts und damit gegen den steigenden Bass.

Dadurch wird im Zielakkord gewöhnlich dessen Terz verdoppelt. Verdoppeln bedeutet, dass derselbe Akkordton in zwei Stimmen erscheint.

Beispiel

Ein Trugschluss von G7 nach a-Moll in C-Dur kann so geführt werden:

  • Bass: G → A
  • Leitton: H → C
  • Dominantseptime: F → E
  • weiterer Akkordton: D → C

Der Zielakkord enthält damit A–C–C–E. Der Ton C ist die Terz des a-Moll-Akkords und wird verdoppelt.

Diese Regeln beschreiben eine klassische Satzweise. In anderen musikalischen Stilen können Akkorde anders gesetzt werden. Auch einzelne Regeln zu verdeckten Parallelen werden nicht in jeder Satzlehre gleich streng bewertet.

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Frage 1 von 2MittelWelche Bewegung passt zum klassischen Trugschluss in C-Dur?
Lösung: Der Bass geht von G nach A, der Leitton H nach C. — Beim Trugschluss steigt der Bass zur VI. Stufe, während der Leitton weiterhin einen Halbton aufwärts geführt wird.
Frage 2 von 2SchwerWarum entsteht im Zielakkord häufig eine Terzverdopplung?
Lösung: Zwei Stimmen erreichen durch ihre regelgerechte Bewegung die Terz des Zielakkords. — Die Terzverdopplung ergibt sich aus der konkreten Stimmführung von der Dominante zum Trugschlussakkord.
Wie analysierst und gestaltest du einen Trugschluss?

Gehe bei einer Akkordfolge in vier Schritten vor:

  1. Bestimme die Tonart. Nur dann kannst du die Stufen sicher zuordnen.
  2. Prüfe den vorletzten Akkord. Ist er die Dominante?
  3. Bestimme den folgenden Grundton. Liegt er auf der VI. Stufe statt auf der I. Stufe?
  4. Beschreibe die Wirkung. Die erwartete Tonika wird vertreten und der endgültige Abschluss aufgeschoben.
Beispiel

Analysiere die Folge C-Dur → G-Dur → a-Moll.

  1. Die Tonart ist C-Dur.
  2. C-Dur ist die I. Stufe und Tonika.
  3. G-Dur ist die V. Stufe und Dominante.
  4. a-Moll ist die VI. Stufe und Tonikaparallele.
  5. Die letzten beiden Akkorde bilden V–VI beziehungsweise D–Tp.

Die Folge endet somit mit einem Trugschluss.

Übung: Ergänze die Folge

In a-Moll stehen zunächst die Akkorde a-Moll → E-Dur. Ergänze einen Trugschluss und begründe deine Wahl.

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Frage 1 von 1SchwerWelcher Akkord ergänzt a-Moll → E-Dur zu einem Trugschluss?
Lösung: F-Dur, weil er die VI. Stufe und der Tonikagegenklang ist. — In a-Moll ist E-Dur die Dominante. Der Trugschluss führt von dort zur VI. Stufe F-Dur, funktional zum Tonikagegenklang.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Trugschluss
    • Grundmodell: Dominante → VI. Stufe statt Tonika
    • Stufentheorie: V–VI
    • Dur: D–Tp
    • Moll: D–tG
    • Stimmführung: Bass steigt, Leitton löst sich auf
    • Wirkung: Erwartung enttäuscht, Abschluss aufgeschoben
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage beschreibt einen Trugschluss richtig?
Lösung: Auf die Dominante folgt die VI. Stufe statt der Tonika. — Das Erkennungszeichen des üblichen Trugschlusses ist die Folge V–VI.
Frage 2 von 4MittelWie heißt der Zielakkord eines Trugschlusses in Dur?
Lösung: Tonikaparallele — In Dur ist die VI. Stufe die Tonikaparallele und wird mit Tp bezeichnet.
Frage 3 von 4MittelWas geschieht im klassischen Grundmodell mit Bass und Leitton?
Lösung: Der Bass steigt zur VI. Stufe, der Leitton steigt zum Grundton der Tonika. — Die unterschiedliche Zielrichtung ist entscheidend: Der Leitton löst sich wie erwartet auf, während der Bass zur VI. Stufe führt.
Frage 4 von 4SchwerEine Folge in c-Moll endet mit G-Dur → As-Dur. Wie analysierst du sie?
Lösung: Als V–VI beziehungsweise D–tG mit aufgeschobener Schlusswirkung. — G-Dur ist in c-Moll die Dominante, As-Dur die VI. Stufe und der Tonikagegenklang. Deshalb liegt ein Trugschluss vor.

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