Physik

Freier Fall: Formeln, Beispiele und Aufgaben

Freier Fall: Formeln, Beispiele und Aufgaben
Freier Fall: Formeln, Beispiele und Aufgaben
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Beim freien Fall wirkt im idealisierten Modell nur die Gewichtskraft. Nahe der Erdoberfläche fällt ein losgelassener Körper deshalb geradlinig mit der annähernd konstanten Fallbeschleunigung $g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$.

Du lernst, das Modell zu erkennen, die passende Formel auszuwählen und Ergebnisse auf ihre Gültigkeit zu prüfen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann ist eine Bewegung ein freier Fall?

Stell dir vor, du lässt einen Stein aus der Hand los. Die Erde zieht ihn nach unten. Wenn du den Luftwiderstand und weitere Kräfte vernachlässigst, beschreibst du seine Bewegung als freien Fall.

Definition

Freier Fall

Der freie Fall ist eine geradlinige, gleichmäßig beschleunigte Bewegung unter dem alleinigen Einfluss der Gravitation. Der Körper wird losgelassen, seine Anfangsgeschwindigkeit beträgt also $0\,\mathrm{m/s}$.

Gleichmäßig beschleunigt bedeutet: Die Geschwindigkeit ändert sich in gleichen Zeitabschnitten jeweils um denselben Betrag. Bei $g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$ gewinnt der Körper in jeder Sekunde ungefähr $9{,}81\,\mathrm{m/s}$ an Geschwindigkeit.

Im idealen Modell fallen alle Körper gleich: Die Masse kommt in den Fallgesetzen nicht vor. In Luft können eine Feder und ein Stein trotzdem unterschiedlich schnell fallen, weil der Luftwiderstand sie verschieden stark beeinflusst.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Situation entspricht dem Modell des freien Falls?
Lösung: Ein losgelassener Stein, dessen Luftwiderstand vernachlässigt wird — Beim freien Fall wirkt im Modell ausschließlich die Gravitation; weitere Kräfte werden vernachlässigt.
Frage 2 von 2MittelZwei unterschiedlich schwere Kugeln werden im Vakuum gleichzeitig aus derselben Höhe losgelassen. Was geschieht?
Lösung: Sie treffen gleichzeitig auf. — Ohne Luftwiderstand erfahren beide Kugeln dieselbe Fallbeschleunigung und benötigen dieselbe Fallzeit.
Welche Formeln brauchst du?

Wir wählen zunächst die Fallrichtung als positive Richtung. Dann verwenden wir $g$ und die Fallgrößen als positive Beträge.

GesuchtFormelBenötigte Größen
Fallweg $s$$s=\frac12gt^2$$g$ und $t$
Geschwindigkeit $v$$v=gt$$g$ und $t$
Fallzeit $t$$t=\sqrt{\frac{2s}{g}}$$s$ und $g$
Geschwindigkeit $v$$v=\sqrt{2gs}$$s$ und $g$

Dabei werden $s$ in Metern, $t$ in Sekunden, $v$ in Metern pro Sekunde und $g$ in Metern pro Quadratsekunde angegeben.

Merke

Kläre zuerst, welche Größen gegeben und gesucht sind. Wähle dann die Formel, in der nur diese Größen vorkommen.

Warum können Vorzeichen anders aussehen?

Ist die Achse nach oben gerichtet, zeigt die Fallbewegung in die negative Richtung. Dann gilt beispielsweise

$$a_y=-g$$

und für einen Körper, der aus der Höhe $h$ losgelassen wird,

$$y(t)=h-\frac12gt^2.$$

Das Minuszeichen beschreibt die Richtung. Der Betrag der Fallbeschleunigung bleibt $9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDu kennst nur Fallhöhe und Fallbeschleunigung. Welche Formel liefert die Fallzeit direkt?
Lösung: $t=\sqrt{\frac{2s}{g}}$ — Das Weg-Zeit-Gesetz lässt sich nach $t$ auflösen. So erhältst du $t=\sqrt{2s/g}$.
Frage 2 von 2MittelEine nach oben gerichtete Achse ist festgelegt. Welches Vorzeichen hat die Fallbeschleunigung?
Lösung: Sie ist negativ. — Die Beschleunigung zeigt nach unten und damit entgegen der positiven Achsenrichtung: $a_y=-g$.
Wie löst du eine Fallaufgabe vollständig?

Ein Gegenstand fällt aus $45\,\mathrm m$ Höhe. Luftwiderstand wird vernachlässigt. Gesucht sind Fallzeit und Geschwindigkeit unmittelbar vor dem Aufprall.

Beispiel

1. Modell prüfen: Der Gegenstand wird losgelassen, und der Luftwiderstand wird vernachlässigt. Die Formeln des freien Falls sind anwendbar.

2. Größen notieren:

$$s=45\,\mathrm m,\qquad g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$$

3. Fallzeit berechnen:

$$t=\sqrt{\frac{2s}{g}}=\sqrt{\frac{2\cdot45\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}}\approx3{,}03\,\mathrm s$$

4. Geschwindigkeit berechnen:

$$v=\sqrt{2gs}=\sqrt{2\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot45\,\mathrm m}\approx29{,}7\,\mathrm{m/s}$$

5. Ergebnis deuten: Im idealisierten Modell fällt der Gegenstand etwa $3{,}03\,\mathrm s$ und erreicht einen Geschwindigkeitsbetrag von ungefähr $29{,}7\,\mathrm{m/s}$.

Jetzt du: Höhe aus der Fallzeit

Ein Körper fällt aus der Ruhe $1{,}5\,\mathrm s$. Berechne den Fallweg ohne Luftwiderstand.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelches Ergebnis erhältst du mit $s=\frac12gt^2$ und $g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$?
Lösung: ungefähr $11{,}0\,\mathrm m$ — Einsetzen ergibt $s=\frac12\cdot9{,}81\cdot(1{,}5)^2\,\mathrm m=11{,}03625\,\mathrm m$. Sinnvoll gerundet sind das etwa $11{,}0\,\mathrm m$.
Was zeigen die Bewegungsdiagramme?

Die konstante Beschleunigung prägt alle drei Diagramme:

  • Im Beschleunigung-Zeit-Diagramm ist $a=g$ eine horizontale Gerade.
  • Im Geschwindigkeit-Zeit-Diagramm wächst $v=gt$ linear. Die Steigung der Geraden beträgt $g$.
  • Im Weg-Zeit-Diagramm wächst $s=\frac12gt^2$ quadratisch. Der Graph ist eine Parabel.

Die Fläche unter dem $v$-$t$-Graphen entspricht dem zurückgelegten Weg. Beim freien Fall bildet sie ein Dreieck mit Grundseite $t$ und Höhe $v=gt$:

$$s=\frac12\cdot t\cdot v=\frac12gt^2.$$

Gut zu wissen

Eine hohe Geschwindigkeit ist nicht dasselbe wie eine große Beschleunigung. Ein Körper kann sehr schnell fallen und trotzdem weiterhin die konstante Beschleunigung $g$ besitzen. Geschwindigkeit beschreibt den momentanen Bewegungszustand; Beschleunigung beschreibt dessen Änderung.

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Frage 1 von 3LeichtWelche Form hat der $v$-$t$-Graph beim idealen freien Fall aus der Ruhe?
Lösung: Eine ansteigende Gerade — Weil $v=gt$ gilt, ist die Geschwindigkeit proportional zur Zeit. Der Graph ist daher eine Gerade durch den Ursprung.
Frage 2 von 3MittelEin Körper fällt seit $2\,\mathrm s$. Wie groß ist sein Fallweg ungefähr?
Lösung: $19{,}6\,\mathrm m$ — $s=\frac12\cdot9{,}81\cdot(2)^2\,\mathrm m=19{,}62\,\mathrm m$.
Frage 3 von 3SchwerWas stellt die Fläche unter dem $v$-$t$-Graphen dar?
Lösung: Den zurückgelegten Weg — Geschwindigkeit mal Zeit hat die Einheit Meter. Deshalb entspricht die Fläche unter dem $v$-$t$-Graphen dem Weg.
Wo endet das Modell des freien Falls?

Die Fallgesetze gelten exakt im Vakuum. In Luft sind sie nur eine Näherung. Je größer der Luftwiderstand im Vergleich zur Gewichtskraft wird, desto stärker weicht die wirkliche Bewegung vom Modell ab.

Eine Feder wird in Luft deutlich stärker gebremst als ein kompakter Stein. Bei großen Fallhöhen oder langen Fallzeiten wächst der Luftwiderstand meist so stark, dass die Geschwindigkeit nicht mehr nach $v=gt$ zunimmt. Sie kann sich stattdessen einer maximalen Geschwindigkeit nähern.

Prüfe deshalb vor jeder Rechnung:

  1. Wird der Körper ohne Anfangsgeschwindigkeit losgelassen?
  2. Darf der Luftwiderstand vernachlässigt werden?
  3. Kann $g$ über die betrachtete Strecke als konstant gelten?
  4. Passt deine Achsenrichtung zu den verwendeten Vorzeichen?
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Frage 1 von 1SchwerEine Rechnung ergibt für einen Apfel nach einem sehr langen Fall $v=gt$. Warum kann das reale Ergebnis deutlich kleiner sein?
Lösung: Der Luftwiderstand nimmt mit der Geschwindigkeit zu und bremst den Apfel. — $v=gt$ setzt voraus, dass nur die Gewichtskraft wirkt. In Luft wirkt zusätzlich eine bremsende Kraft, die mit wachsender Geschwindigkeit bedeutsam wird.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Freier Fall
    • Voraussetzungen: Start aus der Ruhe, nur Gravitation, konstantes $g$
    • Weg: $s=\frac12gt^2$
    • Geschwindigkeit: $v=gt$ oder $v=\sqrt{2gs}$
    • Fallzeit: $t=\sqrt{2s/g}$
    • Diagramme: konstantes $a$, lineares $v$, quadratisches $s$
    • Achsenwahl: Vorzeichen zeigen die Richtung
    • Modellgrenze: Luftwiderstand kann nicht immer vernachlässigt werden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe bleibt im idealen freien Fall nahe der Erdoberfläche konstant?
Lösung: Die Fallbeschleunigung — Im Modell ist $g$ konstant. Deshalb nimmt die Geschwindigkeit linear zu, während der Weg quadratisch wächst.
Frage 2 von 4MittelEin Körper fällt aus der Ruhe. Nach welcher Beziehung wächst sein Fallweg mit der Zeit?
Lösung: Der Fallweg ist proportional zu $t^2$. — Aus $s=\frac12gt^2$ folgt die quadratische Abhängigkeit von der Zeit.
Frage 3 von 4SchwerZwei Rechnungen für denselben Fall verwenden einmal $g$ und einmal $-g$. Können beide richtig sein?
Lösung: Ja, wenn unterschiedliche Achsenrichtungen konsequent verwendet werden. — Vorzeichen beschreiben Richtungen. Entscheidend ist, dass Achsenwahl, Beschleunigung, Geschwindigkeit und Ort im gesamten Rechenweg zusammenpassen.
Frage 4 von 4SchwerEine schwere und eine leichte Kugel treffen in Luft nicht gleichzeitig auf. Widerlegt das die Masseneinflussfreiheit des freien Falls?
Lösung: Nein, denn Luftwiderstand kann das Modell des freien Falls verletzen. — Die Aussage über gleiche Fallbewegungen gilt, wenn außer der Gravitation keine weitere Kraft berücksichtigt wird. Unterschiedlicher Luftwiderstand erklärt die Abweichung.

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