Wurfbewegung: Formeln, Beispiele und Übungen
Eine Wurfbewegung entsteht, weil sich eine horizontale und eine vertikale Bewegung überlagern. Ohne Luftwiderstand beeinflussen sich beide Komponenten nicht: Horizontal bleibt die Geschwindigkeit konstant, vertikal wirkt die Erdbeschleunigung nach unten.
Auf dieser Seite lernst du zuerst den waagerechten Wurf. Danach überträgst du das Verfahren auf den schiefen Wurf.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum fällt ein waagerecht geworfener Körper nach unten?
Stell dir einen Ball vor, der eine waagerechte Tischkante verlässt. Er bewegt sich weiter nach vorn und fällt gleichzeitig nach unten. Beide Bewegungen laufen während derselben Zeit ab.
Superpositionsprinzip
Das Superpositionsprinzip besagt: Eine Bewegung in zwei Dimensionen lässt sich als Überlagerung unabhängiger Teilbewegungen beschreiben. Beim idealen Wurf werden die horizontale und die vertikale Bewegung getrennt berechnet und anschließend zusammengesetzt.
Wir wählen die positive $x$-Richtung nach rechts und die positive $y$-Richtung nach oben. Dann gilt beim waagerechten Wurf aus der Höhe $h$:
| Richtung | Bewegungsart | Ort | Geschwindigkeit | Beschleunigung |
|---|---|---|---|---|
| horizontal | gleichförmig | $x(t)=v_0t$ | $v_x=v_0$ | $a_x=0$ |
| vertikal | gleichmäßig beschleunigt | $y(t)=h-\frac12gt^2$ | $v_y=-gt$ | $a_y=-g$ |
Dabei ist $v_0$ die waagerechte Anfangsgeschwindigkeit. Die Fallbeschleunigung beträgt nahe der Erdoberfläche ungefähr $g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}$; in Schulaufgaben wird häufig mit $g=10\,\mathrm{m/s^2}$ gerechnet.
Die horizontale Geschwindigkeit bestimmt, wie weit der Körper in einer gegebenen Zeit kommt. Die Fallhöhe bestimmt die Flugzeit. Eine größere horizontale Anfangsgeschwindigkeit verlängert die Flugzeit nicht.
Wie berechnest du Flugzeit und Reichweite?
Beim Auftreffen ist die Höhe $y=0$. Setze diese Bodenbedingung in das vertikale Bewegungsgesetz ein:
$$0=h-\frac12gt_\mathrm{F}^2$$
Umstellen liefert die Flugzeit:
$$t_\mathrm{F}=\sqrt{\frac{2h}{g}}$$
Während dieser Zeit bewegt sich der Körper horizontal mit der konstanten Geschwindigkeit $v_0$. Seine Reichweite $w$ ist deshalb:
$$w=v_0t_\mathrm{F}=v_0\sqrt{\frac{2h}{g}}$$
Ein Ball verlässt in $h=20\,\mathrm m$ Höhe eine Kante mit $v_0=15\,\mathrm{m/s}$. Wir rechnen mit $g=10\,\mathrm{m/s^2}$.
1. Zusammenhang bestimmen: Die Fallzeit folgt aus der vertikalen Bewegung.
$$t_\mathrm{F}=\sqrt{\frac{2\cdot20\,\mathrm m}{10\,\mathrm{m/s^2}}}=\sqrt{4\,\mathrm{s^2}}=2\,\mathrm s$$
2. Dieselbe Zeit horizontal verwenden:
$$w=15\,\mathrm{m/s}\cdot2\,\mathrm s=30\,\mathrm m$$
3. Ergebnis prüfen: $30\,\mathrm m$ ist eine Strecke. Die Sekunden kürzen sich bei der Multiplikation korrekt heraus.
Der Ball ist $2\,\mathrm s$ in der Luft und trifft $30\,\mathrm m$ vom Punkt unterhalb der Abwurfstelle entfernt auf.
Bahnkoordinaten zu einem Zeitpunkt
Für $t=1\,\mathrm s$ erhältst du im selben Beispiel:
$$x=15\,\mathrm{m/s}\cdot1\,\mathrm s=15\,\mathrm m$$
$$y=20\,\mathrm m-\frac12\cdot10\,\mathrm{m/s^2}\cdot(1\,\mathrm s)^2=15\,\mathrm m$$
Nach einer Sekunde befindet sich der Ball also am Punkt $(15\,\mathrm m\mid15\,\mathrm m)$.
Wie entstehen Bahnkurve und Auftreffgeschwindigkeit?
Die Zeit kannst du aus $x=v_0t$ als $t=x/v_0$ ausdrücken. Setzt du dies in die Höhengleichung ein, erhältst du die Bahnkurve:
$$y(x)=h-\frac{g}{2v_0^2}x^2$$
Der Term mit $x^2$ zeigt: Die Flugbahn ist eine Parabel, die sogenannte Wurfparabel.
Die Bahnkurve beschreibt die räumliche Spur des Körpers. Sie ist nicht dasselbe wie ein Ort-Zeit-Diagramm: In der Bahnkurve wird $y$ gegen $x$ aufgetragen, nicht gegen die Zeit.
Die Geschwindigkeit besitzt ebenfalls zwei Komponenten:
$$v_x=v_0,\qquad v_y=-gt$$
Da beide Komponenten senkrecht aufeinander stehen, folgt der Betrag der momentanen Geschwindigkeit aus dem Satz des Pythagoras:
$$v(t)=\sqrt{v_0^2+g^2t^2}$$
Beim Auftreffen kann $t_\mathrm F^2=2h/g$ eingesetzt werden:
$$v_\mathrm W=\sqrt{v_0^2+2gh}$$
Im Beispiel mit $h=20\,\mathrm m$, $v_0=15\,\mathrm{m/s}$ und $g=10\,\mathrm{m/s^2}$ gilt:
$$v_\mathrm W=\sqrt{(15\,\mathrm{m/s})^2+2\cdot10\,\mathrm{m/s^2}\cdot20\,\mathrm m}=25\,\mathrm{m/s}$$
Die Flugrichtung folgt aus dem Geschwindigkeitsdreieck:
$$\tan\alpha=\frac{v_y}{v_x}$$
Beim Fallen ist $v_y<0$ und damit auch der Winkel zur positiven Horizontalen negativ.
Die Bahn ist gekrümmt, die Geschwindigkeit zeigt tangential zur Bahn und die Beschleunigung zeigt während des gesamten idealen Flugs senkrecht nach unten. Diese drei Richtungen dürfen nicht verwechselt werden.
Was ändert sich beim schiefen Wurf?
Beim schiefen Wurf zeigt die Anfangsgeschwindigkeit schräg nach oben. Du zerlegst sie mit dem Abwurfwinkel $\alpha$ in zwei Komponenten:
$$v_{0x}=v_0\cos\alpha$$
$$v_{0y}=v_0\sin\alpha$$
Dann gelten die Bewegungsgesetze:
$$x(t)=v_{0x}t$$
$$y(t)=y_0+v_{0y}t-\frac12gt^2$$
$$v_x=v_{0x},\qquad v_y(t)=v_{0y}-gt$$
Am höchsten Punkt ist nur die vertikale Geschwindigkeitskomponente null:
$$t_\mathrm{max}=\frac{v_{0y}}{g}$$
Kehrt der Körper zur Abwurfhöhe zurück, sind Aufstiegs- und Abstiegszeit gleich lang:
$$t_\mathrm{ges}=2t_\mathrm{max}=\frac{2v_{0y}}{g}$$
Ein Körper startet mit den bereits zerlegten Komponenten $v_{0x}=12\,\mathrm{m/s}$ und $v_{0y}=5\,\mathrm{m/s}$. Er landet wieder auf der Abwurfhöhe. Wir verwenden $g=10\,\mathrm{m/s^2}$.
Der höchste Punkt wird nach
$$t_\mathrm{max}=\frac{5\,\mathrm{m/s}}{10\,\mathrm{m/s^2}}=0{,}5\,\mathrm s$$
erreicht. Die gesamte Flugzeit beträgt daher $1\,\mathrm s$.
Die Reichweite ist
$$w=12\,\mathrm{m/s}\cdot1\,\mathrm s=12\,\mathrm m$$
Die maximale Höhe über dem Abwurfpunkt beträgt
$$\Delta y=5\,\mathrm{m/s}\cdot0{,}5\,\mathrm s-\frac12\cdot10\,\mathrm{m/s^2}\cdot(0{,}5\,\mathrm s)^2=1{,}25\,\mathrm m$$
Der Körper erreicht also nach $0{,}5\,\mathrm s$ eine zusätzliche Höhe von $1{,}25\,\mathrm m$ und landet nach $1\,\mathrm s$ in $12\,\mathrm m$ Entfernung.
Bei gleicher Abwurf- und Landehöhe, fester Anfangsgeschwindigkeit und ohne Luftwiderstand ist die Reichweite bei $45^\circ$ am größten. Bei unterschiedlichen Höhen oder mit Luftwiderstand gilt diese Aussage nicht ohne Weiteres.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Am höchsten Punkt ist die vertikale Geschwindigkeit . Die horizontale Geschwindigkeit ist dort . Die Beschleunigung zeigt weiterhin .
Welche Modellgrenzen und Fehler musst du beachten?
Die Formeln dieser Seite beschreiben ein ideales Modell. Es setzt voraus:
- Der Luftwiderstand und Wind werden vernachlässigt.
- Die Fallbeschleunigung $g$ wird als konstant angenommen.
- Nach dem Abwurf wirkt außer der Gewichtskraft keine weitere Kraft.
- Der Boden wird durch eine festgelegte Höhe beschrieben.
Reale Bälle, Wasserstrahlen oder Fahrzeuge können deutlich vom Modell abweichen. Form, Drehung, Luftwiderstand und Wind verändern ihre Bewegung.
Häufige Fehler
- Vorzeichen vertauschen: Zeigt die positive $y$-Achse nach oben, dann gilt $a_y=-g$.
- Gesamtgeschwindigkeit mit einer Komponente verwechseln: Für den Betrag brauchst du beide senkrechten Komponenten.
- Die falsche Endbedingung verwenden: $t_\mathrm{ges}=2t_\mathrm{max}$ gilt nur bei Rückkehr zur Abwurfhöhe.
- Bahn und Geschwindigkeit gleichsetzen: Die Geschwindigkeit zeigt entlang der Tangente, nicht entlang der gesamten Parabel.
- Einheiten übergehen: Höhe, Geschwindigkeit und Beschleunigung müssen in zusammenpassenden Einheiten eingesetzt werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wurfbewegung
- Modell
- nur Gewichtskraft nach dem Abwurf
- kein Luftwiderstand
- Horizontale Komponente
- $a_x=0$
- $v_x$ konstant
- Vertikale Komponente
- $a_y=-g$
- Geschwindigkeit ändert sich
- Waagerechter Wurf
- Flugzeit aus der Fallbewegung
- Reichweite aus der Horizontalbewegung
- Schiefer Wurf
- Anfangsgeschwindigkeit zerlegen
- höchster Punkt bei $v_y=0$
- Richtungen
- Geschwindigkeit tangential zur Bahn
- Beschleunigung senkrecht nach unten
- Modell
Abschluss-Check
Du kannst eine Wurfbewegung nun systematisch lösen: Koordinatensystem festlegen, Anfangsgeschwindigkeit zerlegen, beide Richtungen mit derselben Zeit berechnen und die Ergebnisse im Sachzusammenhang prüfen.
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