Physik

Schräger Wurf: Formeln, Bahnkurve und Aufgaben

Schräger Wurf: Formeln, Bahnkurve und Aufgaben
Schräger Wurf: Formeln, Bahnkurve und Aufgaben
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Beim schrägen Wurf überlagern sich zwei unabhängige Bewegungen: horizontal eine gleichförmige Bewegung und vertikal eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung. Ohne Luftwiderstand entsteht dadurch eine nach unten geöffnete Parabel.

Du lernst, die Anfangsgeschwindigkeit zu zerlegen und daraus Ort, Geschwindigkeit, Scheitelpunkt, Flugzeit, Reichweite und Bahnkurve zu bestimmen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Bewegung in zwei Richtungen verstehen

Wir betrachten einen Körper, der aus der Höhe $h$ mit der Anfangsgeschwindigkeit $v_0$ unter dem Winkel $\alpha_0$ nach rechts oben geworfen wird. Der Koordinatenursprung liegt am Boden unter der Abwurfstelle. Die positive $x$-Richtung zeigt nach rechts, die positive $y$-Richtung nach oben.

Definition

Superpositionsprinzip

Die horizontale und die vertikale Teilbewegung laufen gleichzeitig, beeinflussen sich im verwendeten Idealmodell aber nicht. Die beobachtete Bewegung ist ihre vektorielle Überlagerung.

Die Anfangsgeschwindigkeit wird in zwei Komponenten zerlegt:

$$v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0$$

$$v_{y,0}=v_0\sin\alpha_0$$

  • Horizontal wirkt keine Beschleunigung. Deshalb bleibt $v_x=v_{x,0}$ konstant.
  • Vertikal wirkt die Erdbeschleunigung nach unten. Bei einer nach oben gerichteten $y$-Achse gilt $a_y=-g$.

Die Beschleunigung zeigt also während des gesamten Flugs nach unten. Das gilt auch am höchsten Punkt.

Merke

Die Flugbahn, die Geschwindigkeit und die Beschleunigung zeigen im Allgemeinen in unterschiedliche Richtungen. Am Scheitelpunkt ist nur $v_y=0$; die horizontale Geschwindigkeit bleibt erhalten.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt das Idealmodell richtig?
Lösung: Horizontal ist die Bewegung gleichförmig, vertikal gleichmäßig beschleunigt. — Ohne Luftwiderstand wirkt die Erdbeschleunigung ausschließlich in vertikaler Richtung. Daher bleibt $v_x$ konstant, während sich $v_y$ ändert.
Frage 2 von 2MittelEin Ball befindet sich am Scheitelpunkt. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Seine vertikale Geschwindigkeit ist null, seine Beschleunigung zeigt nach unten. — Der Scheitelpunkt wird durch $v_y=0$ erkannt. Die Erdbeschleunigung setzt dort nicht aus.
Ort, Geschwindigkeit und Bahnkurve berechnen

Für den Start bei $x(0)=0$ und $y(0)=h$ gelten die Ortsgesetze:

$$x(t)=v_{x,0}t$$

$$y(t)=-\frac12gt^2+v_{y,0}t+h$$

Die zugehörigen Geschwindigkeitsgesetze lauten:

$$v_x(t)=v_{x,0}$$

$$v_y(t)=-gt+v_{y,0}$$

Damit kannst du für jeden Zeitpunkt die Bahnkoordinaten und beide Geschwindigkeitskomponenten bestimmen.

Von den Ortsgesetzen zur Bahnkurve

Eine Bahnkurve beschreibt $y$ direkt als Funktion von $x$. Löse dazu das horizontale Ortsgesetz nach der Zeit auf:

$$t=\frac{x}{v_{x,0}}$$

Setze diesen Ausdruck in $y(t)$ ein:

$$y(x)=-\frac{g}{2v_{x,0}^2}x^2+\frac{v_{y,0}}{v_{x,0}}x+h$$

Mit $v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0$ und $v_{y,0}/v_{x,0}=\tan\alpha_0$ folgt:

$$y(x)=-\frac{g}{2(v_0\cos\alpha_0)^2}x^2+\tan\alpha_0\,x+h$$

Der Koeffizient vor $x^2$ ist negativ. Deshalb ist die ideale Flugbahn eine nach unten geöffnete Parabel.

Gut zu wissen

Die Zeit kann nur dann über $t=x/v_{x,0}$ entfernt werden, wenn $v_{x,0}\ne0$ ist. Beim exakt senkrechten Wurf mit $\alpha_0=90^\circ$ gibt es keine horizontale Flugweite und keine Bahnkurve der Form $y(x)$.

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Frage 1 von 2MittelFür einen Wurf gelten $v_{x,0}=10\,\mathrm{m/s}$, $v_{y,0}=30\,\mathrm{m/s}$, $h=80\,\mathrm m$ und $g=10\,\mathrm{m/s^2}$. Welche Bahnkurve ist richtig?
Lösung: $y(x)=-\frac1{20}x^2+3x+80$ — Aus $t=x/10$ und $y=-5t^2+30t+80$ folgt $y(x)=-x^2/20+3x+80$.
Frage 2 von 2SchwerWas ändert sich im Idealmodell, wenn die Anfangshöhe $h$ größer wird, während $v_0$ und $\alpha_0$ gleich bleiben?
Lösung: Die Bahnkurve wird vertikal nach oben verschoben; ihre Krümmung bleibt gleich. — In der Bahnkurve steht $h$ als konstanter Summand. Es verschiebt die Parabel nach oben, ohne den quadratischen Koeffizienten zu ändern.
Scheitelpunkt bestimmen

Am Scheitelpunkt $S$ wechselt die vertikale Bewegung vom Steigen zum Fallen. Dort gilt:

$$v_y(t_S)=0$$

Mit $v_y(t)=-gt+v_{y,0}$ erhältst du die Steigzeit:

$$t_S=\frac{v_{y,0}}g$$

Setze diese Zeit in beide Ortsgesetze ein:

$$x_S=\frac{v_{x,0}v_{y,0}}g$$

$$y_S=h+\frac{v_{y,0}^2}{2g}$$

Der Scheitelpunkt lautet damit:

$$S\left(\frac{v_{x,0}v_{y,0}}g\;\middle|\;h+\frac{v_{y,0}^2}{2g}\right)$$

Beispiel

Gegeben sind $h=80\,\mathrm m$, $v_{x,0}=10\,\mathrm{m/s}$, $v_{y,0}=30\,\mathrm{m/s}$ und $g=10\,\mathrm{m/s^2}$.

Zuerst bestimmst du die Steigzeit:

$$t_S=\frac{30\,\mathrm{m/s}}{10\,\mathrm{m/s^2}}=3\,\mathrm s$$

In dieser Zeit legt der Körper horizontal zurück:

$$x_S=10\,\mathrm{m/s}\cdot3\,\mathrm s=30\,\mathrm m$$

Die maximale Höhe ist:

$$y_S=80\,\mathrm m+\frac{(30\,\mathrm{m/s})^2}{2\cdot10\,\mathrm{m/s^2}}=125\,\mathrm m$$

Der Scheitelpunkt ist also $S(30\,\mathrm m\mid125\,\mathrm m)$.

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Frage 1 von 1MittelWarum darfst du am Scheitelpunkt nicht die gesamte Geschwindigkeit gleich null setzen?
Lösung: Weil nur die vertikale Komponente null ist und $v_x$ konstant bleibt. — Am Scheitelpunkt gilt $v_y=0$. Die Gesamtgeschwindigkeit besitzt weiterhin die horizontale Komponente $v_x=v_{x,0}$.
Flugzeit, Reichweite und Auftreffen berechnen

Der Körper trifft den Boden, wenn seine Höhe $y=0$ ist. Setze deshalb in das vertikale Ortsgesetz ein:

$$-\frac12gt_W^2+v_{y,0}t_W+h=0$$

Die physikalisch relevante positive Lösung ist:

$$t_W=\frac{v_{y,0}+\sqrt{v_{y,0}^2+2gh}}g$$

Die negative Lösung beschreibt bei $h>0$ einen rechnerischen Zeitpunkt vor dem Abwurf und gehört nicht zum beobachteten Flug.

Mit der Flugzeit folgt die Reichweite:

$$w=v_{x,0}t_W$$

Geschwindigkeit beim Auftreffen

Zu jedem Zeitpunkt setzt sich die Geschwindigkeit aus ihren Komponenten zusammen. Ihr Betrag ist:

$$v(t)=\sqrt{v_{x,0}^2+(-gt+v_{y,0})^2}$$

Beim Auftreffen setzt du $t=t_W$ ein:

$$v_W=\sqrt{v_{x,0}^2+(-gt_W+v_{y,0})^2}$$

Die Neigung der momentanen Bewegungsrichtung erfüllt:

$$\tan\alpha=\frac{v_y}{v_x}$$

Beim Steigen ist $v_y>0$ und der Winkel positiv. Beim Fallen ist $v_y<0$ und der Winkel negativ.

Merke

Steigzeit und Fallzeit sind nur dann gleich, wenn Start- und Endhöhe übereinstimmen. Auch die maximale Reichweite bei $45^\circ$ gilt nur für gleiche Start- und Endhöhe im Modell ohne Luftwiderstand.

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Frage 1 von 2MittelBei einem Wurf aus positiver Anfangshöhe liefert die Gleichung $y(t)=0$ eine negative und eine positive Lösung. Welche verwendest du für die Flugzeit?
Lösung: Die positive Lösung, weil sie nach dem Abwurf liegt. — Der Abwurf ist als $t=0$ festgelegt. Die reale Aufprallzeit muss deshalb positiv sein.
Frage 2 von 2SchwerWann darfst du die gesamte Flugdauer als doppelte Steigzeit berechnen?
Lösung: Wenn Start- und Endhöhe gleich sind. — Die Verdopplung beruht auf der Symmetrie zwischen Aufstieg und Rückkehr zur gleichen Höhe, nicht auf einem bestimmten Winkel.
Einen vollständigen Wurf lösen

Wir verwenden erneut $h=80\,\mathrm m$, $v_{x,0}=10\,\mathrm{m/s}$, $v_{y,0}=30\,\mathrm{m/s}$ und $g=10\,\mathrm{m/s^2}$.

Schritt 1: Flugzeit

$$t_W=\frac{30+\sqrt{30^2+2\cdot10\cdot80}}{10}\,\mathrm s$$

Unter der Wurzel steht $2500$, also ist $\sqrt{2500}=50$:

$$t_W=\frac{30+50}{10}\,\mathrm s=8\,\mathrm s$$

Schritt 2: Reichweite

$$w=10\,\mathrm{m/s}\cdot8\,\mathrm s=80\,\mathrm m$$

Schritt 3: Auftreffgeschwindigkeit

Die horizontale Komponente bleibt $v_x=10\,\mathrm{m/s}$. Vertikal gilt beim Auftreffen:

$$v_y=-10\,\mathrm{m/s^2}\cdot8\,\mathrm s+30\,\mathrm{m/s}=-50\,\mathrm{m/s}$$

Das Minuszeichen zeigt: Der Körper bewegt sich nach unten. Der Betrag der Geschwindigkeit ist:

$$v_W=\sqrt{(10\,\mathrm{m/s})^2+(-50\,\mathrm{m/s})^2}=10\sqrt{26}\,\mathrm{m/s}\approx51\,\mathrm{m/s}$$

Die Werte sind plausibel: Die Flugzeit liegt nach der Steigzeit von $3\,\mathrm s$, die Reichweite ist positiv und der Körper bewegt sich beim Auftreffen abwärts.

Jetzt du

Entscheide für denselben Wurf, welche Angaben in die Lösung gehören.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Am Scheitelpunkt ist die vertikale Geschwindigkeit . Die Steigzeit beträgt . Der Aufprall erfolgt nach . Bis dahin legt der Körper horizontal zurück. Die vertikale Auftreffgeschwindigkeit ist .

Lösungen: Lücke 1: null; Lücke 2: 3 s; Lücke 3: 8 s; Lücke 4: 80 m; Lücke 5: -50 m/s. Nutze nacheinander $v_y=0$, die positive Lösung von $y(t)=0$, $w=v_xt_W$ und $v_y=-gt_W+v_{y,0}$. Das negative Vorzeichen der letzten Größe zeigt die Abwärtsrichtung.

Wo das Modell endet

Alle Rechnungen setzen eine konstante Erdbeschleunigung und vernachlässigbaren Luftwiderstand voraus. Mit Luftwiderstand bleibt $v_x$ nicht konstant und die reale Bahn ist keine ideale Parabel, sondern eine ballistische Kurve.

Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Schräger Wurf
    • Anfang
      • $v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0$
      • $v_{y,0}=v_0\sin\alpha_0$
    • Bewegung
      • horizontal gleichförmig
      • vertikal mit $a_y=-g$
    • Kennpunkte
      • Scheitel durch $v_y=0$
      • Aufprall durch $y=0$
    • Ergebnisse
      • Bahnkurve $y(x)$
      • Reichweite und Auftreffgeschwindigkeit
    • Gültigkeit
      • konstantes $g$
      • kein Luftwiderstand
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe bleibt beim idealen schrägen Wurf konstant?
Lösung: Die horizontale Geschwindigkeitskomponente $v_x$. — Horizontal wirkt im Idealmodell keine Beschleunigung. Deshalb bleibt nur $v_x$ konstant.
Frage 2 von 4MittelEin Körper wird vom Boden mit $v_0$ unter dem Winkel $\alpha_0$ geworfen und landet wieder auf gleicher Höhe. Welche Reichweitenformel gilt?
Lösung: $w=\frac{v_0^2\sin(2\alpha_0)}g$ — Bei gleicher Start- und Endhöhe beträgt die Flugzeit $2v_0\sin\alpha_0/g$. Multipliziert mit $v_0\cos\alpha_0$ und mit $2\sin\alpha_0\cos\alpha_0=\sin(2\alpha_0)$ entsteht die Reichweitenformel.
Frage 3 von 4SchwerZwei Körper starten gleichzeitig aus derselben Höhe mit derselben horizontalen Geschwindigkeitskomponente. Körper A besitzt zusätzlich eine nach oben gerichtete vertikale Anfangsgeschwindigkeit, Körper B nicht. Was folgt im Idealmodell?
Lösung: Beide bewegen sich horizontal gleich schnell, aber Körper A bleibt länger in der Luft. — Gleiche horizontale Komponenten erzeugen gleiche horizontale Geschwindigkeiten. Die zusätzliche vertikale Anfangsgeschwindigkeit verlängert jedoch Aufstieg und Flugzeit von Körper A.
Frage 4 von 4SchwerEine Rechnung ergibt für den Aufprall $v_x=12\,\mathrm{m/s}$ und $v_y=-16\,\mathrm{m/s}$. Welche Deutung ist richtig?
Lösung: Der Körper bewegt sich nach rechts unten; sein Geschwindigkeitsbetrag beträgt $20\,\mathrm{m/s}$. — $v_x>0$ bedeutet Bewegung nach rechts, $v_y<0$ Bewegung nach unten. Der Betrag ist $\sqrt{12^2+(-16)^2}=20\,\mathrm{m/s}$.

Wenn du die Bewegung zuerst in ihre Komponenten zerlegst, kannst du jede weitere Größe aus wenigen Grundgleichungen ableiten. Prüfe am Ende immer Vorzeichen, Einheiten, Plausibilität und die Grenzen des Idealmodells.

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