Physik

Geladene Teilchen im Feld: Bahnen verstehen

Geladene Teilchen im Feld: Bahnen verstehen
Geladene Teilchen im Feld: Bahnen verstehen
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Elektrische Felder können den Betrag und die Richtung der Geschwindigkeit eines geladenen Teilchens ändern. Magnetische Felder lenken ein bewegtes Teilchen dagegen seitlich ab, ohne seinen Geschwindigkeitsbetrag zu ändern. Aus Ladung, Eintrittsrichtung und Feldart kannst du deshalb die Bahnform vorhersagen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die Ladung bestimmt die elektrische Kraft

Die Richtung eines elektrischen Feldes ist so festgelegt, wie sich eine positive Probeladung bewegen würde. Auf ein Teilchen mit der Ladung $q$ wirkt die elektrische Kraft

$$\vec F_{\mathrm{el}}=q\vec E$$

Dabei enthält $q$ sein Vorzeichen:

  • Bei $q>0$ zeigt die Kraft in Feldrichtung.
  • Bei $q<0$ zeigt die Kraft entgegen der Feldrichtung.
  • Der Kraftbetrag ist $F_{\mathrm{el}}=|q|E$.

Nach dem newtonschen Grundgesetz folgt

$$\vec a=\frac{q}{m}\vec E$$

Die Masse $m$ bestimmt also mit, wie stark sich die Bewegung ändert. Der Quotient $q/m$ heißt spezifische Ladung.

Beispiel

Ein Proton und ein Elektron befinden sich im selben elektrischen Feld. Wegen ihrer entgegengesetzten Ladungsvorzeichen werden sie in entgegengesetzte Richtungen beschleunigt. Das Elektron reagiert wegen seiner viel kleineren Masse besonders stark. Für den Betrag seiner spezifischen Ladung gilt $e/m_e=1{,}759\cdot10^{11}\,\mathrm{C/kg}$.

Merke

Bestimme zuerst das Vorzeichen der Ladung. Die Feldlinien zeigen nur die Kraftrichtung für eine positive Ladung.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtIn welche Richtung wirkt die elektrische Kraft auf ein Elektron?
Lösung: Entgegen der elektrischen Feldrichtung — Für $q<0$ kehrt sich die durch das Feld vorgegebene Richtung um.
Im elektrischen Längsfeld ändert sich das Tempo

Bei einem Längsfeld bewegt sich das Teilchen parallel oder antiparallel zu den Feldlinien. In einem homogenen, zeitlich konstanten Feld ist die Kraft konstant. Deshalb ist auch die Beschleunigung konstant.

Zeigen Geschwindigkeit und Kraft in dieselbe Richtung, wird das Teilchen schneller. Zeigen sie in entgegengesetzte Richtungen, wird es zunächst langsamer. Ein genügend lange wirkendes Gegenfeld kann das Teilchen zum Stillstand bringen und anschließend in die Gegenrichtung beschleunigen.

Für eine eindimensionale Bewegung gelten bei passender Vorzeichenwahl:

$$v=v_0+\frac{qE}{m}t$$

$$y=v_0t+\frac{1}{2}\frac{qE}{m}t^2$$

Wird ein Teilchen aus der Ruhe durch die Spannung $U$ beschleunigt, erhält es im klassischen, nichtrelativistischen Modell den Geschwindigkeitsbetrag

$$v=\sqrt{\frac{2U|q|}{m}}$$

Hier steht $|q|$ für den Ladungsbetrag, weil $v$ ein nichtnegativer Geschwindigkeitsbetrag ist.

Beispiel

Nahezu ruhende Elektronen treten aus einer Kathode aus und werden zu einer positiv geladenen Anode beschleunigt. Obwohl die elektrische Feldrichtung von der Anode zur Kathode zeigt, wirkt die Kraft auf die negativen Elektronen entgegengesetzt zur Feldrichtung: zur Anode. Die Arbeit des elektrischen Feldes erhöht dabei ihre Bewegungsenergie.

Gut zu wissen

Die Formel für $v$ ist ein klassisches Modell. Nähert sich die Geschwindigkeit der Lichtgeschwindigkeit, sind relativistische Korrekturen nötig.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin positiv geladenes Teilchen fliegt in Feldrichtung in ein homogenes elektrisches Feld. Was geschieht?
Lösung: Es wird gleichmäßig schneller. — Für eine positive Ladung zeigen elektrische Kraft, Beschleunigung und Anfangsgeschwindigkeit hier in dieselbe Richtung.
Im elektrischen Querfeld entsteht eine Parabel

Beim Querfeld tritt das Teilchen senkrecht zu den Feldlinien ein. Seine Bewegung lässt sich in zwei unabhängige Komponenten zerlegen:

  • In $x$-Richtung bewegt es sich gleichförmig mit $x=v_0t$.
  • In Feldrichtung wird es gleichmäßig beschleunigt mit $y=\frac{1}{2}\frac{qE}{m}t^2$.

Setzt du $t=x/v_0$ in die zweite Gleichung ein, erhältst du

$$y=\frac{qE}{2mv_0^2}x^2$$

Da $y$ proportional zu $x^2$ ist, entsteht eine Parabel. Das Vorzeichen von $q$ entscheidet, zu welcher Seite sie geöffnet ist.

Beispiel

Ein Elektron fliegt waagerecht zwischen die Platten eines Kondensators. Horizontal wirkt keine elektrische Kraft, daher bleibt $v_x=v_0$. Senkrecht dazu wird das Elektron entgegen der Feldrichtung beschleunigt. Beide Bewegungen zusammen ergeben eine gekrümmte Parabelbahn.

Wurde das Elektron zuvor durch die Beschleunigungsspannung $U_{\mathrm B}$ beschleunigt und liegt am Kondensator mit Plattenabstand $d$ die Ablenkspannung $U_{\mathrm K}$, dann gilt für den Betrag der Ablenkung

$$|y|=\frac{1}{4}\frac{U_{\mathrm K}}{U_{\mathrm B}d}x^2$$

Eine größere Ablenkspannung verstärkt die Ablenkung. Eine größere Beschleunigungsspannung erhöht die Anfangsgeschwindigkeit und verringert dadurch die Ablenkung.

Merke

Die Parabel entsteht durch die Überlagerung einer gleichförmigen Bewegung und einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung – genau wie beim waagerechten Wurf.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum ist die Bahn im homogenen elektrischen Querfeld eine Parabel?
Lösung: Weil eine gleichförmige und eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung überlagert werden — Es gilt $x=v_0t$ und $y\propto t^2$. Nach dem Ersetzen von $t$ folgt $y\propto x^2$.
Das Magnetfeld ändert die Bewegungsrichtung

Eine magnetische Kraft wirkt nur auf bewegte Ladungen. Für ihren Betrag gilt

$$F_{\mathrm L}=|q|vB\sin(\alpha)$$

Dabei ist $\alpha$ der Winkel zwischen Geschwindigkeit und magnetischer Flussdichte $\vec B$. Die Kraft steht senkrecht zur Geschwindigkeit und zum Magnetfeld. Ihre Richtung lässt sich mit

$$\vec F_{\mathrm L}=q\left(\vec v\times\vec B\right)$$

bestimmen. Für eine positive Ladung zeigt sie in die Richtung des Kreuzprodukts $\vec v\times\vec B$; dafür kannst du die Rechte-Hand-Regel verwenden. Bei einer negativen Ladung zeigt die Kraft genau entgegengesetzt.

Daraus folgen drei wichtige Fälle:

  • Ein ruhendes Teilchen erfährt keine magnetische Kraft.
  • Bei einer Bewegung parallel zum Magnetfeld ist $\alpha=0^\circ$ und damit $F_{\mathrm L}=0$.
  • Bei senkrechtem Eintritt ist $\alpha=90^\circ$ und die Kraft maximal.

Weil die magnetische Kraft stets senkrecht zur Bewegung wirkt, verrichtet sie keine Arbeit. Sie ändert die Richtung, aber nicht den Betrag der Geschwindigkeit.

Definition

Magnetische Lorentzkraft

Die magnetische Lorentzkraft ist die Kraft auf eine bewegte elektrische Ladung im Magnetfeld. Bei senkrechtem Eintritt wirkt sie als zum Kreismittelpunkt gerichtete Kraft.

Beispiel

Bei senkrechtem Eintritt in ein homogenes Magnetfeld liefert die Lorentzkraft die nötige Zentripetalkraft:

$$|q|vB=\frac{mv^2}{r}$$

Auflösen nach dem Radius ergibt

$$r=\frac{mv}{|q|B}$$

Der Radius wächst mit Masse und Geschwindigkeit. Er wird kleiner, wenn der Ladungsbetrag oder die magnetische Flussdichte größer wird. Das Vorzeichen der Ladung verändert die Krümmungsrichtung, nicht den Radius.

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Frage 1 von 1MittelZwei Teilchen besitzen gleiche Masse, gleichen Ladungsbetrag und gleiche Geschwindigkeit. Ihre Ladungsvorzeichen sind entgegengesetzt. Wie bewegen sie sich bei senkrechtem Eintritt in dasselbe Magnetfeld?
Lösung: Auf gleich großen Kreisbahnen mit entgegengesetzter Krümmungsrichtung — Jedes Teilchen erfährt seine eigene Lorentzkraft. Gleiche Beträge ergeben gleiche Radien; das Vorzeichen kehrt die Kraftrichtung um.
Schräger Eintritt führt zur Schraubenbahn

Tritt ein Teilchen schräg in ein homogenes Magnetfeld ein, zerlegst du seine Geschwindigkeit:

  • $v_{\parallel}=v\cos(\alpha)$ bleibt entlang des Feldes konstant.
  • $v_{\perp}=v\sin(\alpha)$ erzeugt eine Kreisbewegung um die Feldlinien.

Beide Bewegungen zusammen ergeben eine Schraubenbahn oder Helix. Für Radius und Ganghöhe gelten

$$r=\frac{mv\sin(\alpha)}{|q|B}$$

$$h=\frac{2\pi mv\cos(\alpha)}{|q|B}$$

Die Ganghöhe $h$ ist die Strecke, die das Teilchen während einer vollständigen Kreisbewegung parallel zum Magnetfeld zurücklegt.

Beispiel

Für $\alpha=90^\circ$ ist $v_{\parallel}=0$: Die Schraubenbahn wird zur Kreisbahn. Für $\alpha=0^\circ$ ist $v_{\perp}=0$: Das Teilchen bewegt sich geradlinig entlang der Feldlinien. Winkel dazwischen erzeugen eine echte Schraubenbahn.

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Frage 1 von 1SchwerEin schräg einfliegendes Teilchen erhält eine größere Geschwindigkeitskomponente parallel zum Magnetfeld. Die senkrechte Komponente bleibt gleich. Was ändert sich?
Lösung: Die Ganghöhe wird größer, der Radius bleibt gleich. — Die parallele Komponente bestimmt den Vorschub entlang des Feldes; die senkrechte Komponente bestimmt den Kreisradius.
Gekreuzte Felder wählen eine Geschwindigkeit aus

Im Wien-Filter stehen elektrisches Feld, Magnetfeld und Teilchengeschwindigkeit jeweils senkrecht zueinander. Die Felder sind so ausgerichtet, dass elektrische Kraft und magnetische Lorentzkraft entgegengesetzt wirken.

Für einen unabgelenkten Durchgang müssen die Kraftbeträge gleich sein:

$$|q|E=|q|vB$$

Nach dem Kürzen von $|q|$ folgt

$$v=\frac{E}{B}$$

Diese Auswahlgeschwindigkeit hängt nicht von Masse und Ladungsbetrag ab. Teilchen mit anderer Geschwindigkeit werden abgelenkt, weil eine der beiden Kräfte überwiegt.

Beispiel

Es seien $E=3000\,\mathrm{V/m}$ und $B=0{,}020\,\mathrm T$. Dann ist

$$v=\frac{E}{B}=\frac{3000}{0{,}020}\,\mathrm{m/s}=150000\,\mathrm{m/s}$$

Nur Teilchen mit diesem Geschwindigkeitsbetrag passieren den idealisierten Filter unabgelenkt.

FeldsituationKraftwirkungtypische Bahn
elektrisches Längsfeldparallel oder antiparallel zur Bewegunggerade, schneller oder langsamer
elektrisches Querfeldanfangs senkrecht zur BewegungParabel
magnetisches Querfeldstets senkrecht zur BewegungKreis
schräger Eintritt ins Magnetfeldnur senkrechte Komponente wird abgelenktSchraubenbahn
passend gekreuzte FelderKräfte heben sich aufgerade
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Frage 1 von 1SchwerEin Teilchen fliegt im Wien-Filter schneller als $E/B$. Welche Aussage ist sicher richtig?
Lösung: Die magnetische Kraft ist betragsmäßig größer als die elektrische Kraft. — Die Ladung kürzt sich nur beim Gleichsetzen. Für $v>E/B$ gilt $|q|vB>|q|E$.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Geladene Teilchen im Feld
    • Elektrisches Feld: kann Tempo und Bewegungsrichtung ändern
    • Elektrisches Längsfeld: gleichmäßig beschleunigte Gerade
    • Elektrisches Querfeld: Parabelbahn
    • Magnetisches Feld: ändert nur die Bewegungsrichtung
    • Senkrechter Eintritt: Kreisbahn
    • Schräger Eintritt: Schraubenbahn
    • Gekreuzte Felder: Geschwindigkeitsauswahl mit $v=E/B$
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Feld übt auf ein ruhendes geladenes Teilchen sicher keine Kraft aus?
Lösung: Ein rein magnetisches Feld — Die magnetische Kraft enthält die Geschwindigkeit. Für $v=0$ verschwindet sie.
Frage 2 von 3MittelEin Elektron tritt senkrecht in ein homogenes elektrisches Feld ein. Welche Bahn erwartest du im Feldbereich?
Lösung: Eine Parabel entgegen der Feldrichtung — Die konstante Anfangsbewegung und die gleichmäßig beschleunigte Querbewegung ergeben eine Parabel.
Frage 3 von 3SchwerEin positiv geladenes Teilchen tritt senkrecht in ein homogenes Magnetfeld ein. Nun wird bei sonst gleichen Bedingungen seine Geschwindigkeit verdoppelt. Was geschieht mit dem Kreisradius?
Lösung: Er verdoppelt sich. — Das Magnetfeld ändert den Geschwindigkeitsbetrag während der Bewegung nicht. Ein bereits schneller einfliegendes Teilchen bewegt sich nach der Radiusformel jedoch auf einer größeren Kreisbahn.

Prüfe deinen Denkweg zum Schluss immer in dieser Reihenfolge: Ladungsvorzeichen bestimmen, Feldart erkennen, Eintrittsrichtung vergleichen, Kraftrichtung festlegen und daraus die Bahnform ableiten.

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