Wirtschaft

Doppelte Buchführung: Soll und Haben verstehen

Doppelte Buchführung: Soll und Haben verstehen
Doppelte Buchführung: Soll und Haben verstehen
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Bei der doppelten Buchführung wird jeder Geschäftsvorfall mit demselben Betrag auf mindestens zwei Konten erfasst: einmal im Soll und einmal im Haben. So bleiben die Buchungen rechnerisch verbunden. Aus den Bestandskonten entsteht die Bilanz, aus den Erfolgskonten die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum wird doppelt gebucht?

Stell dir vor, ein Unternehmen überweist 1.000 € Miete. Dann geschieht zweierlei:

  • Der Mietaufwand steigt.
  • Das Guthaben auf dem Bankkonto sinkt.

Nur beide Veränderungen zusammen beschreiben den Vorgang vollständig. Deshalb gibt es zu jeder Buchung mindestens ein Konto und ein Gegenkonto. Die Summe aller Sollbeträge muss dabei genauso groß sein wie die Summe aller Habenbeträge.

Definition

Geschäftsvorfall

Ein Geschäftsvorfall ist ein Vorgang, der die Werte eines Unternehmens verändert und deshalb in der Buchführung erfasst wird, zum Beispiel eine Mietzahlung, ein Einkauf oder ein Verkauf.

Merke

„Soll“ und „Haben“ sind keine Bewertungen wie „soll noch zahlen“ oder „hat Geld“. Sie bezeichnen die linke und rechte Seite eines Kontos.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas macht eine Buchung zu einer doppelten Buchung?
Lösung: Derselbe Betrag wird im Soll mindestens eines Kontos und im Haben mindestens eines anderen Kontos erfasst. — Eine vollständige Buchung verbindet mindestens ein Sollkonto und ein Habenkonto. Die Beträge beider Seiten sind gleich.
Welche Kontenarten brauchst du?

Bestandskonten zeigen Vermögen und Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie führen zur Bilanz.

  • Aktivkonten erfassen Vermögenswerte, zum Beispiel Bank, Kasse, Forderungen, Vorräte oder Maschinen.
  • Passivkonten erfassen die Herkunft der Mittel, zum Beispiel Eigenkapital, Verbindlichkeiten oder Darlehen.

Erfolgskonten sammeln Veränderungen des Erfolgs während einer Periode. Sie führen zur GuV.

  • Aufwandskonten erfassen Werteverzehr, zum Beispiel Miete, Energie oder Gehälter. Aufwand mindert den Gewinn.
  • Ertragskonten erfassen erwirtschaftete Werte, zum Beispiel Umsatzerlöse oder Zinserträge. Ertrag erhöht den Gewinn.
KontenartZugang oder MehrungMinderung
AktivkontoSollHaben
PassivkontoHabenSoll
AufwandskontoSollHaben
ErtragskontoHabenSoll

Bei einfachen laufenden Buchungen stehen neue Aufwendungen daher im Soll und neue Erträge im Haben.

Beispiel

Ein Unternehmen erhält ein Darlehen über 5.000 € auf sein Bankkonto.

  • Bank ist ein Aktivkonto und nimmt zu: Buchung im Soll.
  • Darlehen ist ein Passivkonto und nimmt zu: Buchung im Haben.
  • Buchungssatz: Bank 5.000 € an Darlehen 5.000 €.

Vermögen und Schulden wachsen um denselben Betrag. Die Bilanz bleibt ausgeglichen.

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Frage 1 von 1MittelDas Bankguthaben sinkt durch eine Überweisung. Wo wird die Minderung gebucht?
Lösung: Im Haben des Aktivkontos Bank. — Ordne zuerst die Kontenart zu. Bank ist ein Aktivkonto; Abgänge stehen dort im Haben.
Wie bildest du einen Buchungssatz?

Gehe bei jedem einfachen Geschäftsfall in fünf Schritten vor:

  1. Beschreibe, welche Werte sich verändern.
  2. Bestimme die betroffenen Konten.
  3. Ordne jedes Konto als Aktiv-, Passiv-, Aufwands- oder Ertragskonto ein.
  4. Entscheide bei jedem Konto über Mehrung oder Minderung.
  5. Setze das Sollkonto vor „an“ und das Habenkonto danach.
Beispiel

Die Monatsmiete von 1.000 € wird per Banküberweisung bezahlt.

  1. Der Mietaufwand steigt, das Bankguthaben sinkt.
  2. Betroffen sind Mietaufwand und Bank.
  3. Mietaufwand ist ein Aufwandskonto; Bank ist ein Aktivkonto.
  4. Der Zugang beim Aufwand steht im Soll. Der Abgang beim Aktivkonto steht im Haben.
  5. Buchungssatz: Mietaufwand 1.000 € an Bank 1.000 €.

Kontrolle: Soll 1.000 € = Haben 1.000 €.

Beispiel

Waren werden für 1.000 € auf Ziel verkauft. „Auf Ziel“ bedeutet: Der Kunde zahlt später.

  • Die Forderung gegenüber dem Kunden steigt. Das Aktivkonto Forderungen nimmt im Soll zu.
  • Der Ertrag steigt. Das Ertragskonto Umsatzerlöse nimmt im Haben zu.
  • Buchungssatz: Forderungen 1.000 € an Umsatzerlöse 1.000 €.
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Frage 1 von 1MittelEin Kunde begleicht eine offene Forderung per Banküberweisung. Welcher Buchungssatz passt?
Lösung: Bank an Forderungen — Die Umsatzerlöse wurden bereits beim Verkauf auf Ziel erfasst. Beim späteren Zahlungseingang werden nur zwei Aktivkonten verändert: Bank steigt, Forderungen sinken.
Wie hängen Bilanz und GuV zusammen?

Die Bilanz ist eine Momentaufnahme zu einem Stichtag. Auf der Aktivseite steht, wofür die Mittel verwendet wurden; auf der Passivseite steht, woher sie stammen.

$$Aktiva = Passiva$$

Die GuV betrachtet dagegen eine Periode. Sie stellt Erträge und Aufwendungen gegenüber:

$$Ertrag - Aufwand = Gewinn\ oder\ Verlust$$

Sind die Erträge größer, entsteht Gewinn. Sind die Aufwendungen größer, entsteht Verlust. Das GuV-Ergebnis verändert das Eigenkapital: Gewinn erhöht es, Verlust vermindert es.

MerkmalBilanzGuV
BetrachtungStichtagZeitraum
InhaltVermögen und FinanzierungErträge und Aufwendungen
KontenAktiv- und PassivkontenAufwands- und Ertragskonten
Beispiel

Ein Unternehmen startet mit 5.000 € Bankguthaben und 5.000 € Eigenkapital. Dann nimmt es ein Darlehen über 5.000 € auf. Das Bankguthaben steigt auf 10.000 €, zugleich steigen die Schulden auf 5.000 €.

Anschließend kauft es Waren für 5.000 € und verkauft sie für 7.500 €. Vereinfacht ergibt sich:

$$7.500\,€ - 5.000\,€ = 2.500\,€\ Gewinn$$

Nach Zahlung der Käufe und Verkäufe beträgt das Bankguthaben 12.500 €. Der Gewinn erhöht das Eigenkapital von 5.000 € auf 7.500 €. Zusammen mit 5.000 € Darlehen ergibt die Passivseite ebenfalls 12.500 €.

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Frage 1 von 1MittelEin Unternehmen erzielt 12.000 € Erträge und hat 9.000 € Aufwendungen. Was geschieht?
Lösung: Es entsteht ein Gewinn von 3.000 €, der das Eigenkapital erhöht. — Die GuV vergleicht Erträge und Aufwendungen: 12.000 € − 9.000 € = 3.000 € Gewinn. Dieser erhöht das Eigenkapital.
Vom Beleg zum Jahresabschluss

Eine nachvollziehbare Buchführung beginnt mit einem Beleg. Der Arbeitsweg lässt sich so ordnen:

  1. Der Geschäftsvorfall wird mit Datum, Betrag und Buchungstext im Grundbuch oder Journal zeitlich erfasst.
  2. Die Buchung wird sachlich den Konten im Hauptbuch zugeordnet.
  3. Bei Bedarf liefern Nebenbücher genauere Angaben, etwa zu Kundenforderungen, Lieferverbindlichkeiten, Anlagen oder Löhnen.
  4. Am Periodenende werden Erfolgskonten über die GuV abgeschlossen.
  5. Das Ergebnis der GuV verändert das Eigenkapital.
  6. Bestandskonten werden über die Schlussbilanz abgeschlossen. Ihre Schlussbestände werden zu Anfangsbeständen der nächsten Periode.
Merke

Keine Buchung ohne nachvollziehbaren Beleg: Erst der Beleg macht prüfbar, was wann und in welcher Höhe geschehen ist.

Abgrenzung zur Einnahmen-Überschussrechnung

Die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) ermittelt den Erfolg vereinfacht aus Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben. Die doppelte Buchführung bildet zusätzlich Vermögen, Schulden, Forderungen und Verbindlichkeiten auf Konten ab. Sie liefert dadurch mehr Informationen, verlangt aber auch mehr Buchungswissen und Arbeitsaufwand.

Wer in Deutschland welche Methode anwenden muss, hängt unter anderem von Rechtsform, kaufmännischem Status und gesetzlichen Voraussetzungen ab. Diese rechtliche Einordnung ist nicht Teil der Buchungstechnik auf dieser Seite.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Das ordnet Geschäftsvorfälle zeitlich. Das ordnet sie nach Konten. Erfolgskonten werden über die abgeschlossen; ihr Ergebnis verändert das .

Lösungen: Lücke 1: Grundbuch; Lücke 2: Hauptbuch; Lücke 3: GuV; Lücke 4: Eigenkapital. Merke dir die Kette: zeitlich im Grundbuch, sachlich im Hauptbuch, Erfolg über die GuV und anschließend ins Eigenkapital.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Doppelte Buchführung
    • Geschäftsvorfall: Konto und Gegenkonto
    • Buchungsregel: Soll an Haben
    • Bestandskonten: Aktiv und Passiv
    • Erfolgskonten: Aufwand und Ertrag
    • Abschluss: GuV verändert Eigenkapital
    • Abschluss: Bestandskonten führen zur Bilanz
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet Bilanz und GuV richtig?
Lösung: Die Bilanz zeigt Bestände zu einem Stichtag; die GuV zeigt Erfolg über einen Zeitraum. — Bilanz bedeutet Stichtagsbetrachtung von Vermögen und Finanzierung. Die GuV sammelt Aufwendungen und Erträge einer Periode.
Frage 2 von 3MittelEin Unternehmen bezahlt 800 € Energie per Bank. Welcher Buchungssatz ist richtig?
Lösung: Energieaufwand 800 € an Bank 800 € — Energieaufwand ist ein Aufwandskonto mit Zugang im Soll. Bank ist ein Aktivkonto mit Abgang im Haben.
Frage 3 von 3SchwerEin Unternehmen stellt einem Kunden eine Rechnung über 2.000 € und erhält das Geld erst später. Welche Begründung passt?
Lösung: Forderungen steigen im Soll und Umsatzerlöse steigen im Haben. — Beim Verkauf auf Ziel entsteht zunächst eine Forderung. Der Buchungssatz lautet: Forderungen 2.000 € an Umsatzerlöse 2.000 €.

Wenn du bei einem neuen Fall zuerst Kontenart und Wertänderung bestimmst, ergibt sich Soll oder Haben aus der Regel. Prüfe am Ende immer: Summe Soll = Summe Haben.

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