Ertrag und Leistung sicher unterscheiden
Ein Ertrag ist ein erfolgswirksamer Wertzuwachs eines Unternehmens. Eine Leistung ist dagegen das bewertete Ergebnis der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit. Deshalb kann ein Ertrag zugleich eine Leistung sein – muss es aber nicht.
Auf dieser Seite lernst du, beide Größen am Betriebszweck zu unterscheiden und Geschäftsfälle nachvollziehbar zuzuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was unterscheidet Ertrag und Leistung?
Ertrag
Ein Ertrag ist ein erfolgswirksamer Wertzuwachs innerhalb einer Periode. Er kann aus dem Kerngeschäft stammen, aber auch durch einen neutralen Vorgang entstehen. Der Gegenbegriff zum Ertrag ist der Aufwand.
Leistung
Eine Leistung ist das bewertete Ergebnis einer Tätigkeit, die dem Betriebszweck dient. Sie gehört zur Kosten- und Leistungsrechnung. Der Gegenbegriff zur Leistung sind die Kosten.
Der Ertragsbegriff ist also weiter gefasst: Er schließt sowohl betriebszweckbezogene als auch neutrale Wertzuwächse ein. Der Leistungsbegriff betrachtet nur das, was zur eigentlichen betrieblichen Tätigkeit gehört.
Ertrag fragt nach dem erfolgswirksamen Wertzuwachs. Leistung fragt zusätzlich: Gehört dieser Wert zum Betriebszweck?
Ertrag ist nicht dasselbe wie Gewinn. Erst die Gegenüberstellung von Erträgen und Aufwendungen zeigt, ob ein Gewinn entsteht.
Wie hilft dir der Betriebszweck?
Der Betriebszweck beschreibt, womit ein Unternehmen normalerweise seine wirtschaftliche Aufgabe erfüllt. Bei einem Möbelhersteller ist das zum Beispiel die Herstellung und der Verkauf von Möbeln.
Gehe bei einem Geschäftsfall in zwei Schritten vor:
- Prüfe, ob ein erfolgswirksamer Wertzuwachs entstanden ist. Dann liegt ein Ertrag vor.
- Prüfe, ob der Vorgang unmittelbar dem Betriebszweck dient. Dann liegt eine Leistung vor.
Ein Möbelhersteller verkauft selbst produzierte Stühle.
- Der Verkauf erzeugt einen erfolgswirksamen Wertzuwachs: Es liegt ein Ertrag vor.
- Herstellung und Verkauf von Möbeln gehören zum Betriebszweck: Es liegt zugleich eine Leistung vor.
Der Verkaufserlös ist daher Ertrag und Leistung.
Derselbe Möbelhersteller erhält Miete für Wohnungen über seinen Büroräumen.
- Die Miete erzeugt einen erfolgswirksamen Wertzuwachs: Sie ist ein Ertrag.
- Die Vermietung gehört nicht zur Möbelherstellung: Sie ist keine Leistung des Kerngeschäfts.
Die Miete ist daher Ertrag, aber keine Leistung.
Ein ungewöhnlich hoher Umsatz aus dem Kerngeschäft bleibt dagegen eine Leistung. Die Höhe eines Betrags entscheidet nicht über den Betriebszweckbezug.
Welche Beziehungen sind möglich?
Ertrag und Leistung können auf verschiedene Weise zusammentreffen.
Ertrag und Leistung stimmen überein
Ein betriebszweckbezogener Ertrag, der in gleicher Höhe als Leistung angesetzt wird, heißt Zweckertrag oder Grundleistung.
Ein Friseursalon erhält Geld für einen Haarschnitt. Der Haarschnitt gehört zum Betriebszweck. Der Erlös ist daher Ertrag und Grundleistung.
Ertrag ohne Leistung
Ein neutraler Ertrag gehört nicht zur eigentlichen betrieblichen Leistungserstellung. Er kann beispielsweise betriebsfremd oder periodenfremd sein.
Eine Steuerrückerstattung erhöht den Erfolg, entsteht aber nicht durch die Herstellung oder den Verkauf der betrieblichen Produkte. Sie ist Ertrag, aber keine Leistung.
Leistung ohne Ertrag
Eine Zusatzleistung dient dem Betriebszweck, hat aber keinen entsprechenden Ertrag.
Ein Betrieb erbringt eine betriebszweckbezogene Dienstleistung unentgeltlich. Die Tätigkeit ist eine Leistung, erzeugt aber keinen unmittelbaren Ertrag.
Leistung und Ertrag in unterschiedlicher Höhe
Bei einer Andersleistung steht der Leistung ein Ertrag in anderer Höhe gegenüber. Beide Größen beziehen sich auf denselben betrieblichen Vorgang, werden jedoch unterschiedlich bewertet.
Prüfe zuerst den Betriebszweckbezug. Untersuche erst danach, ob Ertrag und Leistung gleich hoch sind, unterschiedlich hoch sind oder eine der beiden Größen fehlt.
Welche Leistungsarten gibt es?
Leistungen lassen sich danach unterscheiden, wie das betriebliche Ergebnis verwendet wird.
Absatz- oder Marktleistung
Eine Absatzleistung ist für Kundinnen und Kunden beziehungsweise für den Markt bestimmt. Dazu gehören verkaufte Produkte und erbrachte Dienstleistungen.
Ein Anlagenbauer verkauft eine selbst hergestellte Maschine. Der Verkauf gehört zum Betriebszweck und ist eine Absatzleistung.
Lagerleistung
Eine Lagerleistung entsteht, wenn sich der Bestand an selbst hergestellten fertigen oder unfertigen Erzeugnissen erhöht. Die Produkte wurden bereits hergestellt, aber noch nicht verkauft.
Aktivierte Eigenleistung
Eine aktivierte Eigenleistung entsteht, wenn ein Unternehmen eine Anlage selbst herstellt und im eigenen Betrieb nutzt, statt sie zu verkaufen.
Ein Anlagenbauer fertigt eine Maschine für die eigene Produktion. Die Maschine bleibt im Unternehmen. Sie ist eine Eigenleistung und keine Absatzleistung.
Wie ordnest du neue Geschäftsfälle zu?
Nutze für jeden Fall dieselbe Entscheidungshilfe:
- Ertrag prüfen: Entsteht ein erfolgswirksamer Wertzuwachs?
- Betriebszweck prüfen: Gehört der Vorgang zur eigentlichen Tätigkeit?
- Verhältnis prüfen: Stimmen Ertrag und Leistung überein, unterscheiden sie sich oder fehlt eine Größe?
- Leistungsart prüfen: Handelt es sich gegebenenfalls um Absatz-, Lager- oder Eigenleistung?
Ordne nun die folgenden Fälle gedanklich zu:
- Eine Konditorei verkauft selbst hergestellte Torten.
- Die Konditorei erhält Zinsen aus einer Geldanlage.
- Sie stellt eine betriebsnotwendige Einrichtung für die eigene Backstube selbst her.
- Sie erbringt eine betriebszweckbezogene Leistung kostenlos.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Ertrag und Leistung
- Ertrag: erfolgswirksamer Wertzuwachs
- Leistung: betriebszweckbezogenes Ergebnis
- Grundleistung: Ertrag und Leistung stimmen überein
- Neutraler Ertrag: Ertrag ohne Leistung
- Zusatzleistung: Leistung ohne Ertrag
- Andersleistung: unterschiedliche Bewertung
- Leistungsarten: Absatz, Lager und Eigenleistung
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