Geschäftsbuchführung: Bilanz und Buchungen verstehen
Die Geschäftsbuchführung zeichnet alle wertmäßigen Geschäftsvorfälle eines Unternehmens planmäßig, vollständig und nachvollziehbar auf. Sie zeigt, welches Vermögen und welche Schulden vorhanden sind, wie sie sich verändern und ob ein Gewinn oder Verlust entsteht.
Auf dieser Seite verfolgst du den Weg von der Inventur über Bilanz und Konten bis zur Gewinn- und Verlustrechnung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wozu dient die Geschäftsbuchführung?
Ein Unternehmen kauft Maschinen, bezahlt Rechnungen, verkauft Erzeugnisse und erhält Zahlungen. Jeder solche Geschäftsvorfall verändert mindestens einen Wert des Unternehmens.
Geschäftsvorfall
Ein Geschäftsvorfall ist ein Vorgang, der Vermögen, Schulden oder Eigenkapital eines Unternehmens wertmäßig verändert und deshalb gebucht werden muss.
Die Buchführung erfüllt mehrere Aufgaben:
- Sie dokumentiert Geschäftsvorfälle chronologisch und sachlich.
- Sie stellt Vermögen, Schulden und Eigenkapital dar.
- Sie ermittelt Aufwendungen, Erträge und den Erfolg.
- Sie liefert die Grundlage für Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.
- Sie unterstützt Planung, Kontrolle und Besteuerung.
Buchführung, Buchhaltung und Rechnungswesen bedeuten nicht dasselbe:
- Die Buchführung ist die geordnete Aufzeichnung der Geschäftsvorfälle.
- Die Buchhaltung ist häufig die Abteilung oder Tätigkeit, die diese Aufzeichnungen erledigt.
- Das Rechnungswesen umfasst zusätzlich beispielsweise Kostenrechnung, Statistik und Planung.
Die Geschäftsbuchführung beantwortet drei Kernfragen: Was besitzt das Unternehmen? Wie ist dieses Vermögen finanziert? Entsteht ein Gewinn oder Verlust?
Von der Inventur zur Bilanz
Bevor ein Unternehmen seine Bestände darstellen kann, muss es feststellen, was tatsächlich vorhanden ist.
Inventur
Die Inventur ist die körperliche oder anderweitige Bestandsaufnahme von Vermögen und Schulden zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Inventar
Das Inventar ist das ausführliche, gegliederte Ergebnis der Inventur. Es enthält Vermögen, Schulden und das daraus berechnete Eigenkapital.
Das Vermögen wird häufig gegliedert in:
- Anlagevermögen: Werte, die dem Unternehmen langfristig dienen, etwa Gebäude und Maschinen.
- Umlaufvermögen: Werte, die sich im laufenden Geschäft häufiger verändern, etwa Vorräte, Forderungen, Bankguthaben und Kassenbestand.
Forderungen entstehen durch noch nicht bezahlte Kundenrechnungen. Verbindlichkeiten sind noch nicht bezahlte Rechnungen von Lieferanten.
Das Eigenkapital oder Reinvermögen berechnest du so:
$$\text{Vermögen} - \text{Schulden} = \text{Eigenkapital}$$
In Worten: Vom gesamten Vermögen werden alle Schulden abgezogen.
Eine Schreinerei besitzt Vermögen von 535.000 €. Ihre Schulden betragen 365.000 €.
$$535.000\,€ - 365.000\,€ = 170.000\,€$$
Das Eigenkapital beträgt 170.000 €. Von den Vermögenswerten sind somit 365.000 € fremdfinanziert und 170.000 € eigenfinanziert.
Die Bilanz fasst das ausführliche Inventar in Kontenform zusammen:
| Aktiva: Kapitalverwendung | Betrag | Passiva: Kapitalherkunft | Betrag |
|---|---|---|---|
| Anlagevermögen | 384.500 € | Eigenkapital | 170.000 € |
| Umlaufvermögen | 150.500 € | Fremdkapital | 365.000 € |
| Summe | 535.000 € | Summe | 535.000 € |
Die Aktivseite zeigt, wofür das Kapital verwendet wurde. Die Passivseite zeigt, woher es stammt. Deshalb gilt immer:
$$\text{Aktivsumme} = \text{Passivsumme}$$
Wie funktionieren Bestandskonten?
Eine Bilanz zeigt nur den Stand an einem Stichtag. Laufende Veränderungen werden deshalb auf Bestandskonten erfasst. Jedes Konto besitzt eine Soll- und eine Habenseite.
| Kontoart | Anfangsbestand | Mehrung | Minderung | Schlussbestand zum Ausgleich |
|---|---|---|---|---|
| Aktivkonto | Soll | Soll | Haben | Haben |
| Passivkonto | Haben | Haben | Soll | Soll |
Aktivkonten gehören zu Vermögenswerten wie Maschinen, Bank, Kasse oder Forderungen. Passivkonten gehören zur Kapitalherkunft, etwa Eigenkapital, Darlehen und Verbindlichkeiten.
Aktivkonto: Mehrung im Soll, Minderung im Haben. Passivkonto: Mehrung im Haben, Minderung im Soll.
Das Bankkonto beginnt mit 40.000 € im Soll. Eine Barabhebung von 500 € und der Kauf eines Pkw für 25.000 € mindern das Bankguthaben und stehen deshalb im Haben.
$$40.000\,€ - 500\,€ - 25.000\,€ = 14.500\,€$$
Der Schlussbestand des Bankkontos beträgt 14.500 €. Die Barabhebung erhöht gleichzeitig die Kasse um 500 €.
Wird ein Bankkonto überzogen, entsteht eine Schuld gegenüber der Bank. Eine Kasse kann dagegen keinen tatsächlichen Minusbestand enthalten: Es kann nicht weniger Bargeld vorhanden sein als 0 €.
Buchungssätze Schritt für Schritt bilden
Die doppelte Buchführung erfasst jeden buchungsfähigen Vorgang mindestens einmal im Soll und einmal im Haben. Dabei müssen die Beträge übereinstimmen.
Gehe in fünf Schritten vor:
- Bestimme die betroffenen Konten.
- Ordne jedes Konto als Aktiv-, Passiv- oder Erfolgskonto ein.
- Prüfe bei jedem Konto, ob eine Mehrung oder Minderung vorliegt.
- Leite daraus Soll und Haben ab.
- Schreibe den Buchungssatz in der Form Soll an Haben.
Die folgenden einfachen Übungsfälle lassen Umsatzsteuer unberücksichtigt.
Ein Unternehmen verkauft eine Maschine mit einem Buchwert von 5.000 € für genau 5.000 €. Die Zahlung geht auf dem Bankkonto ein.
- Bank: Aktivkonto, Mehrung, also Soll.
- Maschinen: Aktivkonto, Minderung, also Haben.
Der Buchungssatz lautet:
Bank 5.000 € an Maschinen 5.000 €
Soll- und Habenbetrag sind gleich hoch. Weichen Verkaufspreis und Buchwert voneinander ab, entsteht zusätzlich ein Ertrag oder Aufwand; dieser Sonderfall gehört nicht zu diesem vereinfachten Beispiel.
Ein Buchungssatz kann mehrere Soll- oder Habenkonten enthalten. Ein Kunde begleicht eine Forderung von 350 €: 200 € bar und 150 € per Bank.
Kasse 200 €, Bank 150 € an Forderungen 350 €
Auch hier gilt: 200 € plus 150 € ergeben den Habenbetrag von 350 €.
Eine Zahlung ist nicht automatisch Aufwand oder Ertrag. Bezahlt ein Kunde eine bestehende Forderung, steigt das Zahlungsmittel, während die Forderung sinkt. Begleicht das Unternehmen eine bestehende Lieferantenverbindlichkeit, sinken Zahlungsmittel und Verbindlichkeit. Beide Fälle verändern nur Bestandskonten.
Wie entstehen Gewinn und Verlust?
Nicht jeder Geschäftsvorfall verändert den Unternehmenserfolg. Ein reiner Tausch zwischen Bestandskonten ist erfolgsneutral. Aufwendungen und Erträge sind dagegen erfolgswirksam.
Aufwand und Ertrag
Ein Aufwand mindert das Eigenkapital und wird auf einem Aufwandskonto im Soll erfasst. Ein Ertrag erhöht das Eigenkapital und wird auf einem Ertragskonto im Haben erfasst.
Typische Aufwendungen sind Löhne, Miete, Büromaterial, Werbung und Reparaturen. Typische Erträge sind Umsatzerlöse und Zinserträge.
Erfolgskonten besitzen keinen Anfangsbestand. Am Periodenende werden sie über die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, abgeschlossen:
- Aufwandskonto:
GuV an Aufwandskonto - Ertragskonto:
Ertragskonto an GuV - Gewinn:
GuV an Eigenkapital - Verlust:
Eigenkapital an GuV
Ein Unternehmen erzielt Erträge von 33.700 € und hat Aufwendungen von 15.055 €.
$$33.700\,€ - 15.055\,€ = 18.645\,€$$
Der Gewinn beträgt 18.645 €. Bei einem bisherigen Eigenkapital von 504.000 € ergibt sich:
$$504.000\,€ + 18.645\,€ = 522.645\,€$$
Der Gewinn erhöht das Eigenkapital auf 522.645 €.
Erträge größer als Aufwendungen bedeuten Gewinn. Aufwendungen größer als Erträge bedeuten Verlust. Gewinn erhöht das Eigenkapital, Verlust vermindert es.
Vom Beleg bis zum Jahresabschluss
Die Geschäftsbuchführung verbindet einzelne Belege mit dem Jahresabschluss. Ein typischer Ablauf ist:
- Vermögen und Schulden durch Inventur feststellen.
- Inventar und Eröffnungsbilanz erstellen.
- Bestandskonten eröffnen.
- Belege prüfen und Geschäftsvorfälle kontieren.
- Buchungen chronologisch im Grundbuch oder Journal erfassen.
- Buchungen sachlich auf Konten im Hauptbuch ordnen.
- Rechnerische Bestände mit den tatsächlichen Inventurbeständen vergleichen.
- Erfolgskonten über die GuV abschließen.
- Schlussbilanz erstellen.
Das Grundbuch ordnet die Buchungen nach der Zeit. Das Hauptbuch ordnet sie nach Sachkonten. Nebenbücher enthalten Einzelheiten, beispielsweise zu Kasse, Waren, Anlagen, Forderungen oder Verbindlichkeiten.
Keine Buchung ohne Beleg. Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht, geordnet und nachvollziehbar sein. Nachträgliche Änderungen müssen erkennbar bleiben.
Auch bei elektronischer Buchführung gelten diese Anforderungen. Digitale Systeme können Belege speichern, Buchungen übertragen und Auswertungen erstellen. Die Verantwortung für vollständige, prüfbare und unveränderbar dokumentierte Aufzeichnungen bleibt jedoch bestehen.
Ob ein Unternehmen eine Einnahmenüberschussrechnung nutzen darf oder doppelt buchen und bilanzieren muss, hängt unter anderem von Rechtsform, Kaufmannseigenschaft und gesetzlichen Voraussetzungen ab. Die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung beantwortet diese Frage nicht.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geschäftsbuchführung
- Grundlagen
- Geschäftsvorfälle und Belege
- vollständige und nachvollziehbare Aufzeichnung
- Bestände
- Inventur und Inventar
- Bilanz mit Aktiva und Passiva
- Aktiv- und Passivkonten
- Laufende Buchungen
- Soll an Haben
- Grundbuch und Hauptbuch
- Erfolg
- Aufwendungen und Erträge
- GuV
- Veränderung des Eigenkapitals
- Grundlagen
Der Zusammenhang lautet:
Beleg → Buchungssatz → Grundbuch → Hauptbuch → Bilanz und GuV
Die Bestandsrechnung verläuft so:
Inventur → Inventar → Bilanz → Bestandskonten → Schlussbilanz
Abschluss-Check
Wenn du Inventur, Kontenlogik und Erfolgsermittlung miteinander verbinden kannst, erkennst du hinter einem Buchungssatz nicht nur Soll und Haben, sondern auch seine Wirkung auf Bilanz und GuV.
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