Wirtschaft

Gewinnschwelle berechnen und sicher beurteilen

Gewinnschwelle berechnen und sicher beurteilen
Gewinnschwelle berechnen und sicher beurteilen
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Die Gewinnschwelle oder der Break-even-Point ist die Absatzmenge, bei der Erlöse und Gesamtkosten genau gleich sind. Das Ergebnis beträgt dort $0\,€$. Darunter entsteht im linearen Grundmodell Verlust, darüber Gewinn – vorausgesetzt, der Verkaufspreis liegt über den variablen Stückkosten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie ein Verkauf zur Kostendeckung beiträgt

Ein Betrieb verkauft ein Produkt für $80\,€$ je Stück. Die Herstellung eines weiteren Stücks verursacht $50\,€$ variable Kosten. Bleiben dann $30\,€$ Gewinn? Noch nicht: Mit diesen $30\,€$ müssen zuerst die Fixkosten gedeckt werden.

Definition

Fixkosten und variable Kosten

Fixkosten fallen innerhalb des betrachteten Zeitraums unabhängig von der produzierten Menge an, zum Beispiel Miete. Variable Kosten verändern sich mit der Menge, zum Beispiel Materialkosten je Stück. Im linearen Modell sind die variablen Stückkosten konstant.

Der Stückdeckungsbeitrag $db$ ist der Betrag, den ein verkauftes Stück nach Abzug seiner variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten und danach zum Gewinn beiträgt:

$$db=p-k_v$$

Dabei ist $p$ der Verkaufspreis je Stück und $k_v$ sind die variablen Kosten je Stück. Für das Produkt gilt:

$$db=80\,€-50\,€=30\,€$$

Bei einer Absatzmenge $x$ ergibt sich der Gesamtdeckungsbeitrag:

$$DB=db\cdot x$$

Bei $1.800$ verkauften Stück sind das $30\,€\cdot1.800=54.000\,€$. Erst der Vergleich mit den Fixkosten zeigt das Ergebnis.

Merke

Ein positiver Stückdeckungsbeitrag ist noch kein Gewinn. Gewinn entsteht erst, wenn der Gesamtdeckungsbeitrag die Fixkosten übersteigt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der Verkaufspreis minus die ergibt den Stückdeckungsbeitrag. Dieser wird zuerst zur Deckung der verwendet. Stückdeckungsbeitrag mal Absatzmenge ergibt den . Ein positiver Stückdeckungsbeitrag bedeutet daher .

Lösungen: Lücke 1: variablen Stückkosten; Lücke 2: Fixkosten; Lücke 3: Gesamtdeckungsbeitrag; Lücke 4: noch nicht automatisch Gewinn. Prüfe die Reihenfolge: Vom Preis werden zuerst die variablen Stückkosten abgezogen. Die verbleibenden Beiträge aller Stücke decken zunächst die Fixkosten.
Wie du die Gewinnschwelle berechnest

Die Gewinnschwelle ist erreicht, wenn der Gesamtdeckungsbeitrag genau den Fixkosten $K_f$ entspricht:

$$db\cdot x_{BEP}=K_f$$

Löst du nach der Menge auf, erhältst du:

$$x_{BEP}=\frac{K_f}{db}=\frac{K_f}{p-k_v}$$

Die Formel gilt nur, wenn $db>0$ ist. Bei $db=0$ trägt kein Stück zur Deckung der Fixkosten bei. Bei $db<0$ vergrößert jedes weitere Stück den Verlust; eine endliche Gewinnschwelle gibt es in diesem linearen Modell dann nicht.

Beispiel

Für ein Produkt gelten pro Monat:

  • Verkaufspreis: $80\,€$ je Stück
  • variable Stückkosten: $50\,€$ je Stück
  • Fixkosten: $48.000\,€$

1. Stückdeckungsbeitrag:

$$db=80\,€-50\,€=30\,€$$

2. Gewinnschwelle:

$$x_{BEP}=\frac{48.000\,€}{30\,€\text{ je Stück}}=1.600\text{ Stück}$$

3. Deutung: Bei $1.600$ Stück sind die Fixkosten vollständig gedeckt und das Ergebnis beträgt $0\,€$. Bei $1.800$ Stück gilt:

$$G=54.000\,€-48.000\,€=6.000\,€$$

Der Betrieb erzielt im Modell also $6.000\,€$ Gewinn.

Sind nur ganze Produkte verkaufbar und ergibt die Rechnung beispielsweise $342{,}86$ Stück, muss der Betrieb mindestens $343$ Stück verkaufen, um die Kosten vollständig zu decken. Abrunden würde noch einen Verlust bedeuten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas gilt genau an der Gewinnschwelle?
Lösung: Erlöse und Gesamtkosten sind gleich; das Ergebnis beträgt 0 €. — Die Gewinnschwelle trennt Verlust- und Gewinnzone: Genau dort ist der Gewinn weder positiv noch negativ.
Frage 2 von 2MittelEin Produkt kostet 70 €, die variablen Stückkosten betragen 45 € und die Fixkosten 10.000 €. Wie hoch ist die Gewinnschwelle?
Lösung: 400 Stück — Der Stückdeckungsbeitrag beträgt 70 € − 45 € = 25 €. Deshalb gilt 10.000 € : 25 € je Stück = 400 Stück.
Wie du den Break-even-Point grafisch findest

Eine Grafik macht sichtbar, warum die Gewinnschwelle ein Schnittpunkt ist. Im linearen Einproduktmodell gelten:

$$E(x)=p\cdot x$$

$$K(x)=K_f+k_v\cdot x$$

Die Erlösgerade $E(x)$ startet bei $0\,€$. Die Kostengerade $K(x)$ startet auf der senkrechten Achse bei den Fixkosten. Für das Beispiel mit $p=80\,€$, $k_v=50\,€$ und $K_f=48.000\,€$ kannst du diese Punkte eintragen:

Absatz $x$Erlös $E(x)$Gesamtkosten $K(x)$Ergebnis
00 €48.000 €−48.000 €
80064.000 €88.000 €−24.000 €
1.600128.000 €128.000 €0 €
2.000160.000 €148.000 €12.000 €

So zeichnest und liest du die Grafik:

  1. Trage die Absatzmenge auf der waagerechten und Eurobeträge auf der senkrechten Achse ab.
  2. Markiere mindestens zwei Punkte für Erlös und Gesamtkosten.
  3. Verbinde die Punkte jeder Funktion zu einer Geraden.
  4. Lies den Schnittpunkt ab: $(1.600\mid128.000\,€)$. Seine $x$-Koordinate ist die Break-even-Menge, seine $y$-Koordinate der Break-even-Umsatz.
  5. Links vom Schnittpunkt liegt die Kostenlinie über der Erlöslinie: Verlust. Rechts davon liegt die Erlöslinie höher: Gewinn.
Gut zu wissen

Eine gezeichnete Grafik liefert oft nur einen Näherungswert. Die Formel bestimmt die Gewinnschwelle genauer. Nutze die Grafik, um Beziehungen und Plausibilität zu prüfen, und die Rechnung für den exakten Wert.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelIn einer Break-even-Grafik schneiden sich Erlös- und Kostenlinie bei $(600\mid42.000\,€)$. Was bedeutet das?
Lösung: Bei 600 Stück betragen Erlös und Gesamtkosten jeweils 42.000 €. — Die x-Koordinate ist die Break-even-Menge. Die y-Koordinate ist der zugehörige Break-even-Umsatz und zugleich die Höhe der Gesamtkosten.
Frage 2 von 2SchwerDie Erlösgerade liegt im gesamten betrachteten Mengenbereich unter der Kostengeraden. Welche Aussage ist sicher?
Lösung: Im dargestellten Bereich wird die Gewinnschwelle nicht erreicht. — Ohne Schnittpunkt im betrachteten Bereich gibt es dort keine Menge, bei der Erlös und Kosten gleich sind.
Wie Preis und Kosten die Schwelle verschieben

Die Formel $x_{BEP}=K_f/(p-k_v)$ zeigt die Richtung einer Veränderung. Ändere gedanklich immer nur eine Größe und halte die übrigen Größen konstant.

Ausgangslage:

  • $K_f=12.000\,€$
  • $p=75\,€$
  • $k_v=45\,€$
  • $db=30\,€$
  • $x_{BEP}=400$ Stück
VeränderungNeuer StückdeckungsbeitragNeue GewinnschwelleBegründung
Fixkosten steigen auf 15.000 €30 €500 StückMehr Deckungsbeitrag wird zur Fixkostendeckung benötigt.
Variable Stückkosten steigen auf 50 €25 €480 StückJedes Stück trägt weniger zur Fixkostendeckung bei.
Preis steigt auf 80 €35 €342,86 Stück, praktisch mindestens 343Jedes Stück trägt mehr zur Fixkostendeckung bei.
Merke

Höhere Fixkosten oder höhere variable Stückkosten verschieben die Gewinnschwelle nach rechts. Ein höherer Preis verschiebt sie rechnerisch nach links – aber nur unter der Annahme, dass Absatz, Kosten und Kapazität sonst unverändert bleiben.

Die letzte Einschränkung ist wichtig: Ein höherer Preis kann die Nachfrage beeinflussen. Die Break-even-Rechnung allein sagt nicht voraus, wie viele Kunden zum neuen Preis tatsächlich kaufen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDie variablen Stückkosten steigen, während Preis und Fixkosten gleich bleiben. Was passiert im linearen Modell?
Lösung: Der Stückdeckungsbeitrag sinkt und die Gewinnschwelle steigt. — Ein kleinerer Beitrag je Stück muss durch eine größere Stückzahl ausgeglichen werden, damit die Fixkosten gedeckt sind.
Frage 2 von 2SchwerEin Betrieb erhöht den Preis. Welche Folgerung ist am sorgfältigsten?
Lösung: Rechnerisch sinkt die Gewinnschwelle bei sonst gleichen Größen; ob sie praktisch erreicht wird, hängt auch von der Nachfrage ab. — Eine Sensitivitätsrechnung zeigt den rechnerischen Effekt unter festgelegten Annahmen. Die Marktwirkung des neuen Preises muss zusätzlich beurteilt werden.
Wann die Rechnung für eine Entscheidung reicht

Eine korrekte Rechnung kann trotzdem zu einer schlechten Entscheidung führen, wenn ihre Annahmen unrealistisch sind. Prüfe deshalb nach jeder Break-even-Rechnung:

  1. Kapazität: Kann der Betrieb die nötige Menge überhaupt herstellen oder leisten?
  2. Nachfrage: Lässt sich die Menge zum angenommenen Preis voraussichtlich verkaufen?
  3. Zeitraum: Gehören Fixkosten, Mengen und Erlöse zum selben Zeitraum?
  4. Kostenverlauf: Bleiben Preis und variable Stückkosten tatsächlich konstant, oder gibt es Rabatte, Kostenstufen oder zusätzliche Investitionen?
  5. Zeit und Liquidität: Kann der Betrieb Auszahlungen bis zum Erreichen der Schwelle finanzieren?
  6. Vollständigkeit: Wurden alle relevanten fixen und variablen Kosten erfasst?
Beispiel

Im Szenario mit $15.000\,€$ Fixkosten liegt die Gewinnschwelle bei $500$ Stück. Die Anlage kann aber höchstens $450$ Stück pro Monat herstellen. Damit ist die Gewinnschwelle innerhalb dieses Monats nicht erreichbar, obwohl die Rechnung mathematisch richtig ist.

Bei $450$ Stück beträgt der Gesamtdeckungsbeitrag $450\cdot30\,€=13.500\,€$. Es fehlen $1.500\,€$ zur Deckung der Fixkosten. Der Betrieb muss also nicht die Rechnung ändern, sondern Preis, Kosten, Kapazität, Zeitraum oder Vorhaben neu prüfen.

Die Break-even-Analyse ist ein Modell: Sie vereinfacht die Wirklichkeit, um einen Zusammenhang sichtbar zu machen. Bei mehreren Produkten mit unterschiedlichen Deckungsbeiträgen reicht die einfache Einproduktformel nicht ohne zusätzliche Annahmen über den Produktmix.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Rechnung ergibt 900 Stück, die Kapazität beträgt 700 Stück im selben Zeitraum. Welche Bewertung stimmt?
Lösung: Die berechnete Schwelle ist unter der gegebenen Kapazität nicht erreichbar. — Mathematische Korrektheit und praktische Erreichbarkeit sind verschiedene Prüfungen. Hier begrenzt die Kapazität den Absatz unterhalb der Schwelle.
Frage 2 von 2SchwerEin Unternehmen berechnet den Break-even mit konstantem Preis, plant aber große Mengenrabatte. Was ist zu tun?
Lösung: Es muss Szenarien mit den tatsächlich erwarteten Preisen prüfen, weil die konstante Preisannahme verletzt ist. — Ändert sich der Preis mit der Menge, bildet eine einzige lineare Erlösgerade den Fall nicht zuverlässig ab. Passende Szenarien machen die geänderte Annahme sichtbar.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gewinnschwelle
    • Grundlage: fixe und variable Kosten unterscheiden
    • Beitrag: $db=p-k_v$ und $DB=db\cdot x$
    • Rechnung: $x_{BEP}=K_f/db$ bei $db>0$
    • Grafik: Schnittpunkt von Erlös- und Kostenlinie
    • Deutung: darunter Verlust, am Punkt 0 €, darüber Gewinn
    • Veränderung: Fixkosten, Preis oder variable Kosten verschieben die Schwelle
    • Praxisprüfung: Kapazität, Nachfrage, Zeitraum und Liquidität beachten
    • Modellgrenze: lineares Einproduktmodell vereinfacht die Wirklichkeit
Abschluss-Check

Bearbeite die Aufgaben zuerst selbst. Nutze danach die Rückmeldungen, um Rechnung und Begründung zu prüfen.

Teste dich
Frage 1 von 5LeichtWelche Formel berechnet die Break-even-Menge im linearen Einproduktmodell mit positivem Stückdeckungsbeitrag?
Lösung: $x_{BEP}=K_f/(p-k_v)$ — Der Nenner $p-k_v$ ist der Beitrag eines Stücks zur Fixkostendeckung. Die Formel fragt, wie oft dieser Beitrag benötigt wird.
Frage 2 von 5MittelEin Produkt wird für 120 € verkauft. Variable Stückkosten: 75 €, Fixkosten: 27.000 €. Der Planabsatz beträgt 650 Stück. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Der Stückdeckungsbeitrag beträgt 45 €, die Schwelle 600 Stück und der geplante Gewinn 2.250 €. — Rechne $db=120-75=45\,€$, dann $27.000/45=600$ Stück. Bei 650 Stück beträgt der Gesamtdeckungsbeitrag $29.250\,€$; nach Abzug der Fixkosten bleiben $2.250\,€$.
Frage 3 von 5MittelEine Grafik zeigt den Schnittpunkt $(750\mid67.500\,€)$. Links davon liegt die Kostenlinie über der Erlöslinie. Welche Deutung ist richtig?
Lösung: Die Break-even-Menge beträgt 750 Stück, der Break-even-Umsatz 67.500 € und links davon entsteht Verlust. — Lies zuerst die Achsen: Der x-Wert nennt die Menge, der y-Wert den gemeinsamen Erlös- und Kostenwert. Die Lage links zeigt die Verlustzone.
Frage 4 von 5SchwerIn der Ausgangslage gelten $p=75\,€$, $k_v=45\,€$ und $K_f=12.000\,€$; die Gewinnschwelle liegt bei 400 Stück. Nun steigen nur die variablen Stückkosten auf $50\,€$. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Der Stückdeckungsbeitrag sinkt von 30 € auf 25 € und die Gewinnschwelle steigt auf 480 Stück. — Rechne zuerst $db=75\,€-50\,€=25\,€$. Dann gilt $x_{BEP}=12.000\,€/25\,€=480$ Stück. Der kleinere Beitrag je Stück erklärt, warum die Schwelle von 400 auf 480 Stück steigt.
Frage 5 von 5SchwerZwei Pläne haben dieselbe rechnerische Gewinnschwelle von 800 Stück. Plan A erlaubt höchstens 1.000 Stück Kapazität; für Plan B sind höchstens 650 Stück möglich. Welche Bewertung ist begründet?
Lösung: Die Schwelle ist bei A kapazitiv erreichbar, bei B im betrachteten Zeitraum nicht; Nachfrage und weitere Annahmen müssen trotzdem geprüft werden. — Die Break-even-Zahl allein entscheidet nicht. Kapazität ist eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung: Auch Nachfrage, Zeitraum, Preis und Kostenannahmen müssen passen.

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