Kosten-, Erlös- und Gewinnfunktionen anwenden
Kosten-, Erlös- und Gewinnfunktionen zeigen, wie sich Kosten, Verkaufserlöse und das Ergebnis mit der Menge verändern. Du stellst zuerst Kosten und Erlös getrennt auf. Dann gilt immer $G(x)=E(x)-K(x)$. So kannst du Verlust, Gewinnschwelle und – in geeigneten Modellen – ein Gewinnmaximum untersuchen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Drei Funktionen aus einem Wirtschaftsfall
Eine Schülerfirma stellt Lampen her. Für Werkzeug und Standmiete fallen 600 € an. Jede Lampe verursacht 8 € Materialkosten und wird für 20 € verkauft. Die Variable $x$ bezeichnet die hergestellte und verkaufte Stückzahl.
Funktion im Wirtschaftsmodell
Eine Funktion ordnet jeder zulässigen Menge $x$ genau einen Wert zu. $K(x)$ steht für die Gesamtkosten, $E(x)$ für den Erlös oder Umsatz und $G(x)$ für den Gewinn beziehungsweise Verlust bei dieser Menge.
Aus dem Fall entstehen drei Rechenschritte:
- Kosten: $K(x)=600+8x$
- Erlös: $E(x)=20x$
- Ergebnis: $G(x)=E(x)-K(x)=20x-(600+8x)=12x-600$
Die Einheit von $x$ ist Stück. Die Funktionswerte $K(x)$, $E(x)$ und $G(x)$ werden in Euro angegeben.
Stelle $K(x)$ und $E(x)$ zuerst getrennt auf. Ziehe danach die gesamte Kostenfunktion in Klammern ab: $G(x)=E(x)-K(x)$.
Kostenfunktion und Stückkosten
Fixkosten $K_f$ fallen im betrachteten Zeitraum unabhängig von der Menge an. Variable Stückkosten $k_v$ entstehen für jedes zusätzliche Stück. Sind sie je Stück konstant, lautet die lineare Kostenfunktion:
$$K(x)=K_f+k_vx$$
Im Lampenfall ist $K_f=600\,€$ der Achsenabschnitt. $k_v=8\,€$ je Stück ist die Steigung: Ein zusätzliches Stück erhöht die Gesamtkosten um 8 €.
Die Stückkosten verteilen die Gesamtkosten auf die produzierte Menge:
$$k(x)=\frac{K(x)}{x}=k_v+\frac{K_f}{x}$$
Diese Rechnung ist nur für $x>0$ möglich. Bei null Stück darfst du nicht durch null teilen. Im linearen Modell sinkt der Fixkostenanteil $K_f/x$ mit wachsender Menge. Das heißt Fixkostendegression; die Fixkosten selbst werden dadurch nicht kleiner.
Bei 25 Lampen gilt:
- variable Gesamtkosten: $8\,€\cdot25=200\,€$
- Gesamtkosten: $K(25)=600\,€+200\,€=800\,€$
- Stückkosten: $k(25)=800\,€:25=32\,€$ je Stück
Die 32 € bestehen aus 8 € variablen Kosten und $600\,€:25=24\,€$ Fixkostenanteil je Stück.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im Lampenfall sind 600 € die . Bei 50 Stück betragen die variablen Gesamtkosten . Damit sind die Gesamtkosten und die Stückkosten je Stück.
Erlösfunktion und Verkaufspreis
Der Erlös, auch Umsatz genannt, entsteht durch Verkäufe. Bei konstantem Verkaufspreis $p$ gilt:
$$E(x)=p\cdot x$$
Der Graph ist eine Gerade durch den Ursprung: Ohne Verkauf gibt es in diesem Modell keinen Erlös. Der Preis $p$ ist die Steigung der Erlösgeraden.
Ist der Stückpreis selbst von der Absatzmenge abhängig, verwendest du eine Preis-Absatz-Funktion $p(x)$:
$$E(x)=p(x)\cdot x$$
Dann ist die Erlösfunktion nicht zwingend linear. Du darfst einen mengenabhängigen Preis nicht wie eine Konstante behandeln.
Ein Produkt hat die Preis-Absatz-Funktion $p(x)=30-0{,}1x$. Dann gilt:
$$E(x)=(30-0{,}1x)x=30x-0{,}1x^2$$
Bei $x=100$ beträgt der Stückpreis 20 € und der Erlös $E(100)=2.000\,€$.
Gewinnfunktion und Gewinnschwelle
Die Gewinnfunktion ist die Differenz aus Erlös und Kosten:
$$G(x)=E(x)-K(x)$$
- $G(x)>0$: Gewinn
- $G(x)=0$: weder Gewinn noch Verlust
- $G(x)<0$: Verlust
Die Gewinnschwelle oder der Break-even-Point liegt dort, wo Erlös und Kosten gleich sind. Du kannst deshalb entweder $E(x)=K(x)$ oder $G(x)=0$ lösen.
Für das lineare Modell mit konstantem Preis gilt:
$$G(x)=(p-k_v)x-K_f$$
Wenn $p>k_v$, ergibt sich die Gewinnschwelle aus:
$$x_{BEP}=\frac{K_f}{p-k_v}$$
Im Lampenfall gilt $x_{BEP}=600:(20-8)=50$. Bei genau 50 Stück ist $G(50)=0$. Positiver Gewinn entsteht erst bei mehr als 50 Stück. Werden nur ganze Stücke verkauft, ist 51 die erste gewinnbringende Menge.
Die Formel $K_f/(p-k_v)$ setzt $p>k_v$ voraus. Ist der Preis nicht größer als die variablen Kosten je Stück und sind die Fixkosten positiv, deckt jedes zusätzliche Stück die Fixkosten nicht weiter ab; in diesem linearen Modell gibt es dann keine positive Gewinnschwelle.
Tabelle und Graphen deuten
Für die Lampen gelten $K(x)=600+8x$, $E(x)=20x$ und $G(x)=12x-600$.
| Menge $x$ | Kosten $K(x)$ | Erlös $E(x)$ | Gewinn $G(x)$ | Stückkosten bei $x>0$ |
|---|---|---|---|---|
| 0 | 600 € | 0 € | −600 € | nicht definiert |
| 25 | 800 € | 500 € | −300 € | 32 € |
| 50 | 1.000 € | 1.000 € | 0 € | 20 € |
| 75 | 1.200 € | 1.500 € | 300 € | 16 € |
| 100 | 1.400 € | 2.000 € | 600 € | 14 € |
So liest du Tabelle und Graphen zusammen:
- Die Kostenlinie startet bei 600 €, weil Fixkosten auch bei $x=0$ anfallen.
- Die Erlösgerade startet bei 0 € und steigt hier stärker als die Kostenlinie.
- Ihr Schnittpunkt bei $x=50$ ist die Gewinnschwelle.
- Der Gewinnwert ist der vorzeichenbehaftete Abstand $E(x)-K(x)$: oberhalb der Schwelle positiv, darunter negativ.
- Die Stückkosten sinken, weil sich 600 € Fixkosten auf mehr Stücke verteilen.
Vertiefung: Ein Gewinnmaximum prüfen
Bei konstantem Preis und linearen Kosten ist die Gewinnfunktion linear. Hat sie eine positive Steigung, wächst der Modellgewinn bis zur zulässigen Kapazitätsgrenze; ein inneres Maximum gibt es dann nicht. Ein inneres Gewinnmaximum kann zum Beispiel entstehen, wenn der erzielbare Preis mit der Absatzmenge sinkt.
Nimm das Modell
$$p(x)=50-0{,}5x$$
$$K(x)=200+10x$$
Der Preis soll nicht negativ sein. Deshalb betrachten wir den zulässigen Bereich $0\le x\le100$.
Zuerst stellst du Erlös und Gewinn auf:
$$E(x)=(50-0{,}5x)x=50x-0{,}5x^2$$
$$G(x)=E(x)-K(x)=-0{,}5x^2+40x-200$$
Dann prüfst du mögliche Maximalstellen:
- Stationäre Stelle suchen: $G'(x)=-x+40=0$, also $x=40$.
- Maximum prüfen: $G''(x)=-1<0$, also ist die Kurve dort nach unten gekrümmt und $x=40$ ein lokales Maximum.
- Zulässigkeit prüfen: $40$ liegt im Bereich $0\le x\le100$.
- Für das globale Maximum im geschlossenen Bereich auch Randwerte vergleichen: $G(0)=-200\,€$, $G(40)=600\,€$, $G(100)=-1.200\,€$.
Damit ist der Modellgewinn bei 40 Stück mit 600 € am größten. Die Gleichung $G'(x)=0$ allein hätte nur eine stationäre Stelle geliefert; erst Maximums- und Bereichsprüfung sichern die Aussage.
Die Ableitungsrechnung behandelt $x$ zunächst als kontinuierliche Größe. Sind nur ganze Stückzahlen möglich und ist der berechnete Kandidat nicht ganzzahlig, vergleichst du die benachbarten zulässigen ganzen Mengen sowie die Randmengen.
Modelländerungen richtig erklären
Im linearen Lampenmodell gilt $G(x)=(p-k_v)x-K_f$. Damit kannst du Veränderungen unter der Bedingung sonst gleicher Größen begründen:
- Ein höherer Preis $p$ macht Erlös- und Gewinnfunktion steiler.
- Höhere variable Stückkosten $k_v$ machen die Kostenfunktion steiler und die Gewinnfunktion flacher.
- Höhere Fixkosten $K_f$ verschieben die Kostenfunktion nach oben und die Gewinnfunktion um denselben Betrag nach unten.
- Eine größere Menge verbessert das Ergebnis nur dann automatisch, wenn der Gewinnbeitrag $p-k_v$ positiv und das lineare Modell im betrachteten Bereich gültig ist.
In der Wirklichkeit können sich Größen gegenseitig beeinflussen: Ein höherer Preis kann die Absatzmenge senken, Kapazitätsgrenzen können zusätzliche Fixkosten auslösen und variable Stückkosten können sich ändern. Eine Funktion ist deshalb ein Modell mit festgelegten Annahmen, keine Garantie über die Zukunft.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kosten, Erlös und Gewinn
- Kosten: Fixkosten plus variable Kosten
- Erlös: Preis mal Absatzmenge
- Gewinn: Erlös minus Kosten
- Gewinnschwelle: Erlös gleich Kosten
- Stückkosten: Gesamtkosten geteilt durch Menge
- Gewinnmaximum: Kandidaten bestimmen und im Bereich prüfen
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