Wirtschaft

Marktpotenzial berechnen und realistisch einschätzen

Marktpotenzial berechnen und realistisch einschätzen
Marktpotenzial berechnen und realistisch einschätzen
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Das Marktpotenzial ist die theoretische Obergrenze dessen, was alle Anbieter in einem klar abgegrenzten Markt innerhalb eines bestimmten Zeitraums verkaufen könnten. Du schätzt es aus der Zahl potenzieller Käufer und ihrem durchschnittlichen Bedarf. Für ein Umsatzpotenzial beziehst du zusätzlich den Preis ein.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zuerst den Markt klar abgrenzen

Bevor du rechnest, musst du festlegen, welcher Markt gemeint ist. Dazu gehören mindestens:

  • das Produkt oder die Produktkategorie,
  • das geografische Gebiet,
  • die Zielgruppe,
  • der betrachtete Zeitraum,
  • die Einheit, etwa Stück pro Jahr oder Euro pro Jahr.
Definition

Marktpotenzial

Das Marktpotenzial ist die theoretisch mögliche maximale Absatzmenge oder der theoretisch mögliche maximale Umsatz des gesamten abgegrenzten Marktes. Es ist ein Schätzwert und kein Absatzversprechen für ein einzelnes Unternehmen.

Definition

Marktvolumen

Das Marktvolumen ist die Menge oder der Umsatz, die beziehungsweise der im selben Markt und Zeitraum tatsächlich von allen Anbietern erreicht wird.

Für vergleichbar abgegrenzte Werte gilt:

$$\text{Marktvolumen} \leq \text{Marktpotenzial}$$

Das eigene Absatzvolumen eines Unternehmens ist wiederum nur ein Teil des gesamten Marktvolumens.

Merke

Vergleiche Kennzahlen nur, wenn Produkt, Gebiet, Zielgruppe, Zeitraum und Einheit übereinstimmen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt das Marktpotenzial richtig?
Lösung: Es ist die theoretische Obergrenze des gesamten abgegrenzten Marktes. — Das Marktpotenzial beschreibt eine theoretische Marktgrenze. Das Marktvolumen zeigt dagegen, was tatsächlich im gesamten Markt erreicht wurde.
Frage 2 von 2MittelZwei Schätzungen betreffen dasselbe Produkt, aber unterschiedliche Länder. Darfst du ihre Werte direkt vergleichen?
Lösung: Nein, zuerst müssen die geografischen Märkte gleich abgegrenzt werden. — Die Einheit allein macht Kennzahlen nicht vergleichbar. Die gesamte Marktabgrenzung muss übereinstimmen.
So berechnest du das Potenzial

Für ein Potenzial in Stück, Kilogramm oder einer anderen Mengeneinheit gilt:

$$\text{Mengenpotenzial} = \text{potenzielle Käuferzahl} \times \text{Bedarf je Käufer und Zeitraum}$$

Für ein Potenzial in Geld gilt zusätzlich:

$$\text{Umsatzpotenzial} = \text{Mengenpotenzial} \times \text{Preis je Einheit}$$

Gehe in drei Schritten vor:

  1. Zielgruppe bestimmen: Schätze, wie viele Menschen oder Betriebe grundsätzlich als Käufer infrage kommen.
  2. Bedarf festlegen: Schätze, wie viele Einheiten eine Person im betrachteten Zeitraum kaufen könnte.
  3. Einheiten prüfen und multiplizieren: Rechne erst, wenn Bedarf, Preis und Zeitraum zusammenpassen.
Beispiel

Wenn der Bedarf in Lieferungen pro Woche angegeben ist, das Ergebnis aber für ein Jahr gelten soll, musst du zunächst auf 52 Wochen umrechnen. Ein Preis in Euro je Lieferung darf erst danach mit der Zahl der jährlichen Lieferungen multipliziert werden.

Gut zu wissen

Der Begriff Absatzpotenzial wird nicht überall gleich verwendet. Er kann ein mengenmäßiges Marktpotenzial oder das theoretisch erreichbare Maximum eines einzelnen Unternehmens bezeichnen. Schreibe deshalb immer dazu, ob du den gesamten Markt oder ein Unternehmen meinst.

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Frage 1 von 2LeichtWelche zusätzliche Größe brauchst du, um ein Mengenpotenzial in ein Umsatzpotenzial umzuwandeln?
Lösung: Den Preis je Einheit — Umsatz entsteht, indem du die potenzielle Menge mit dem passenden Preis je Einheit multiplizierst.
Frage 2 von 2MittelEine Person benötigt zwei Lieferungen pro Woche. Welche Größe brauchst du zusätzlich für den Jahresbedarf?
Lösung: Die Zahl der Wochen im betrachteten Jahr — Erst durch die Umrechnung auf denselben Zeitraum kannst du Käuferzahl, Bedarf und Preis sinnvoll verbinden.
Ein vollständiges Rechenbeispiel

Ein Modellbeispiel betrachtet einen Lebensmittellieferdienst für 25- bis 39-Jährige in München. Die verwendeten Angaben sind Annahmen der Potenzialschätzung:

  • betrachtete Altersgruppe: 370.000 Personen,
  • davon hält jede zwanzigste Person einen Lieferdienst für nützlich,
  • angenommener Bedarf: zwei Lieferungen pro Woche,
  • Preis: 20 Euro je Lieferung,
  • Zeitraum: ein Jahr mit 52 Wochen.

1. Potenzielle Käufer bestimmen

$$370\,000 \div 20 = 18\,500$$

Das Modell rechnet also mit 18.500 potenziellen Käufern.

2. Jährliche Liefermenge berechnen

$$18\,500 \times 2 \times 52 = 1\,924\,000$$

Das Mengenpotenzial beträgt nach diesen Annahmen 1.924.000 Lieferungen pro Jahr.

3. Umsatzpotenzial berechnen

$$1\,924\,000 \times 20\,\text{Euro} = 38\,480\,000\,\text{Euro}$$

Das geschätzte Umsatzpotenzial des gesamten abgegrenzten Marktes beträgt damit 38,48 Millionen Euro pro Jahr.

Merke

Das Ergebnis bedeutet nicht, dass ein einzelner Lieferdienst 38,48 Millionen Euro umsetzen wird. Es unterstellt unter anderem, dass alle geschätzten Käufer tatsächlich den angenommenen Bedarf haben und der Markt theoretisch vollständig erschlossen wird.

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Frage 1 von 2MittelWarum wird im Beispiel mit 52 multipliziert?
Lösung: Der Wochenbedarf wird in einen Jahresbedarf umgerechnet. — Zwei Lieferungen gelten pro Woche. Für das Jahrespotenzial muss dieser Bedarf auf 52 Wochen bezogen werden.
Frage 2 von 2SchwerDie angenommene Kaufhäufigkeit halbiert sich, während Käuferzahl und Preis gleich bleiben. Was geschieht mit dem Umsatzpotenzial?
Lösung: Es halbiert sich ebenfalls. — Das Umsatzpotenzial ist proportional zum Bedarf je Käufer. Ändert sich nur dieser Faktor, ändert sich das Ergebnis im gleichen Verhältnis.
Das Ergebnis kritisch beurteilen

Eine genaue Rechnung kann auf unsicheren Annahmen beruhen. Prüfe deshalb jede Schätzung mit diesen Fragen:

  1. Ist die Zielgruppe wirklich passend eingegrenzt?
  2. Ist die angenommene Kaufhäufigkeit plausibel?
  3. Passen Preis, Menge und Zeitraum zusammen?
  4. Berücksichtigt die Schätzung Kaufkraft und Kundenakzeptanz?
  5. Könnten Wettbewerb, Trends oder die Phase des Produktlebenszyklus die Nachfrage verändern?
  6. Kann das Unternehmen den Markt mit seinen Ressourcen und Kapazitäten überhaupt erreichen?

Top-down und Bottom-up verbinden

Bei einer Top-down-Schätzung gehst du von großen Statistiken oder Branchendaten aus und grenzt sie mit begründeten Filtern ein.

Bei einer Bottom-up-Schätzung sammelst du Einzelinformationen, etwa von potenziellen Kunden oder Händlern, und führst sie zusammen.

Beide Wege haben Grenzen: Top-down hängt stark von den gewählten Filtern ab. Bottom-up ist meist aufwendiger und hängt von der Qualität der Einzelinformationen ab. Werden beide Ansätze mit geeigneten Daten und nachvollziehbaren Annahmen durchgeführt, kann ihr Vergleich Schwächen sichtbar machen und die Schätzung belastbarer machen.

Vorsicht vor dem „China-Syndrom“

Ein riesiger Gesamtmarkt macht eine Geschäftsidee nicht automatisch realistisch. Im überlieferten Zahnbürstenbeispiel werden mehr als 1,3 Milliarden Menschen pauschal als Markt angesetzt. Schon ein angenommener Anteil von 0,1 Prozent, drei Zahnbürsten pro Jahr und ein Euro je Stück ergibt rechnerisch mindestens 3,9 Millionen Euro Umsatz.

Die Rechnung allein belegt jedoch weder einen Kaufgrund noch erreichbare Kunden. Auch Vertrieb, Konkurrenz und verfügbare Ressourcen bleiben ungeprüft.

Merke

Begründe zuerst, wer warum kaufen würde. Wähle danach einen erreichbaren Eintrittsmarkt. Ein beliebig kleiner Prozentsatz eines riesigen Marktes ersetzt keine Nachfrageprüfung.

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Frage 1 von 3LeichtWelche Methode beginnt mit übergeordneten Statistiken und grenzt den relevanten Markt durch Filter ein?
Lösung: Top-down — Top-down führt von einer großen Ausgangsmenge über begründete Filter zum relevanten Markt.
Frage 2 von 3MittelWas macht eine Potenzialschätzung besonders belastbar?
Lösung: Annahmen offenlegen und möglichst mit unterschiedlichen Datenwegen prüfen — Entscheidend sind nachvollziehbare Annahmen und passende Daten, nicht die scheinbare Genauigkeit des Ergebnisses.
Frage 3 von 3SchwerEine Gründungsidee erreicht theoretisch einen riesigen Markt. Welcher nächste Schritt ist am sinnvollsten?
Lösung: Einen klaren Eintrittsmarkt wählen und den Kaufgrund bei der Zielgruppe prüfen — Eine realistische Planung verbindet die Potenzialrechnung mit Zielgruppenkontakt, erreichbaren Ressourcen und einem begründeten Kaufbedarf.
Marktvolumen und Sättigung einordnen

Das Marktpotenzial wird aussagekräftiger, wenn du es mit dem tatsächlichen Marktvolumen vergleichst.

Der rechnerisch noch nicht ausgeschöpfte Marktteil ist:

$$\text{Marktpotenzial} - \text{Marktvolumen}$$

Der Marktsättigungsgrad zeigt, welcher Anteil des Potenzials bereits als Marktvolumen erreicht wird:

$$\text{Marktsättigungsgrad} = \frac{\text{Marktvolumen}}{\text{Marktpotenzial}} \times 100\,\%$$

Die Formel setzt ein Marktpotenzial größer als null und gleich abgegrenzte Größen voraus.

Ein hoher Sättigungsgrad kann auf wenig rechnerisch freien Spielraum und starken Wettbewerb hindeuten. Ein niedriger Wert beweist jedoch noch keine leicht erreichbare Nachfrage. Das Potenzial kann überschätzt sein oder der Markt kann schwer zugänglich sein.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Das beschreibt die theoretische Obergrenze. Das erfasst die tatsächlich erreichte Größe des gesamten Marktes. Für den Sättigungsgrad wird das Marktvolumen durch das geteilt, mit multipliziert und als Prozentwert angegeben.

Lösungen: Lücke 1: Marktpotenzial; Lücke 2: Marktvolumen; Lücke 3: Marktpotenzial; Lücke 4: 100. Achte auf die Reihenfolge: tatsächlicher Gesamtmarkt geteilt durch theoretische Gesamtmarktgrenze, anschließend mal 100 und als Prozentwert angeben.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Marktpotenzial
    • Markt abgrenzen: Produkt, Gebiet, Zielgruppe, Zeitraum
    • Menge berechnen: Käuferzahl mal Bedarf
    • Umsatz berechnen: Menge mal Preis
    • Mit Marktvolumen vergleichen: tatsächliche Marktgröße
    • Annahmen prüfen: Daten, Akzeptanz, Trends, Wettbewerb
    • Belastbarkeit erhöhen: Top-down und Bottom-up verbinden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe darf bei gleicher Abgrenzung nicht über dem Marktpotenzial liegen?
Lösung: Das Marktvolumen — Das Marktpotenzial ist die theoretische Obergrenze des gesamten Marktes. Daher gilt bei gleicher Abgrenzung: Marktvolumen kleiner oder gleich Marktpotenzial.
Frage 2 von 3MittelWelche Rechnung liefert ein Umsatzpotenzial?
Lösung: Potenzielle Käuferzahl mal Bedarf je Käufer und Zeitraum mal Preis je Einheit — Zuerst entsteht aus Käuferzahl und Bedarf das Mengenpotenzial. Die Multiplikation mit dem passenden Einheitspreis ergibt das Umsatzpotenzial.
Frage 3 von 3SchwerZwei Teams erhalten stark unterschiedliche Potenzialwerte für dasselbe Produkt. Wie prüfst du die Ursache am besten?
Lösung: Marktabgrenzung, Datenbasis, Filter, Bedarf, Preis und Zeitraum beider Rechnungen vergleichen — Unterschiede entstehen häufig durch andere Zielgruppen, Zeiträume, Einheiten oder Annahmen. Erst nach diesem Vergleich kannst du beurteilen, welche Schätzung plausibler ist.

Du kannst eine Potenzialrechnung nun nicht nur ausführen, sondern auch ihre Grenzen benennen: Sie zeigt eine theoretische Marktchance, deren Aussagekraft von sauberer Abgrenzung, plausiblen Annahmen und geeigneten Daten abhängt.

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