Wirtschaft

Teilkostenrechnung: Deckungsbeitrag & Break-even

Teilkostenrechnung: Deckungsbeitrag & Break-even
Teilkostenrechnung: Deckungsbeitrag & Break-even
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Die Teilkostenrechnung verrechnet für kurzfristige Entscheidungen meist nur die variablen Kosten mit einem Produkt. So erkennst du am Deckungsbeitrag, wie viel ein Verkauf zur Deckung der Fixkosten und danach zum Gewinn beiträgt. Ein positiver Deckungsbeitrag allein bedeutet jedoch noch keinen Gewinn.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zuerst fixe und variable Kosten trennen

Ändern sich Kosten mit der hergestellten oder verkauften Menge? Diese Frage steht am Anfang jeder Teilkostenrechnung.

Definition

Fixkosten

Fixkosten fallen innerhalb des betrachteten Zeitraums unabhängig von der Produktionsmenge an. Beispiele sind Miete, Versicherungen oder lineare Abschreibungen.

Definition

Variable Kosten

Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Beispiele sind Rohstoffe, Waren, mengenabhängige Transportkosten oder der Energieverbrauch einer Maschine während der Produktion.

Für ein einfaches lineares Modell gelten:

  • $K_f$: gesamte Fixkosten der Periode
  • $k_v$: variable Kosten je Stück
  • $x$: hergestellte und verkaufte Menge
  • $K_v = k_v · x$: gesamte variable Kosten
  • $K = K_f + K_v$: Gesamtkosten
Beispiel

Eine Pizzeria zahlt täglich 60 € Miete und 20 € für das Heizen des Ofens. Beide Beträge ergeben zusammen 80 € Fixkosten. Zutaten im Wert von 2 € je Pizza sind variable Stückkosten.

Bei 50 Pizzen betragen die gesamten variablen Kosten $2 € · 50 = 100 €$. Die Gesamtkosten liegen damit bei $80 € + 100 € = 180 €$.

Merke

Fix oder variabel beschreibt das Verhalten der Kosten bei einer Mengenänderung. Es beschreibt nicht, ob Kosten hoch, niedrig, wichtig oder unwichtig sind.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Kosten sind im Pizzabeispiel variabel?
Lösung: Zutaten im Wert von 2 € je Pizza — Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Für jede zusätzliche Pizza werden weitere Zutaten benötigt.
Frage 2 von 2MittelDie Pizzeria backt 70 Pizzen. Wie hoch sind bei $k_v = 2 €$ die gesamten variablen Kosten?
Lösung: 140 € — Es gilt $K_v = k_v · x$. Daher sind $2 € · 70 = 140 €$ richtig.
Mit dem Deckungsbeitrag rechnen

Der Verkaufspreis deckt zuerst die variablen Kosten. Der verbleibende Betrag heißt Deckungsbeitrag.

Definition

Deckungsbeitrag

Der Stückdeckungsbeitrag ist der Verkaufspreis je Stück abzüglich der variablen Stückkosten:

$$db = p-k_v$$

Der Gesamtdeckungsbeitrag einer Menge ist:

$$DB = db · x = E-K_v$$

Dabei ist $E=p·x$ der gesamte Erlös.

Vom Gesamtdeckungsbeitrag werden anschließend die Fixkosten abgezogen:

$$BE = DB-K_f$$

$BE$ bezeichnet hier das Betriebsergebnis. Ein positiver Wert ist ein Gewinn, ein negativer Wert ein Verlust.

Beispiel

Ein Betrieb verkauft 5.000 Stück zu je 50 €. Die variablen Stückkosten betragen 30 €, die Fixkosten 100.000 €.

  1. Stückdeckungsbeitrag: $db = 50 €-30 € = 20 €$ je Stück.
  2. Gesamtdeckungsbeitrag: $DB = 20 € · 5.000 = 100.000 €$.
  3. Betriebsergebnis: $BE = 100.000 €-100.000 € = 0 €$.

Die Verkäufe decken genau die variablen Kosten und die Fixkosten. Es entsteht weder Gewinn noch Verlust.

Merke

Ein positiver Stückdeckungsbeitrag verbessert das Ergebnis. Gewinn entsteht aber erst, wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die Fixkosten übersteigt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Produkt kostet 12 € und verursacht 7 € variable Kosten je Stück. Wie hoch ist der Stückdeckungsbeitrag?
Lösung: 5 € — Rechne $db = p-k_v = 12 €-7 € = 5 €$.
Frage 2 von 2SchwerEin Unternehmen erzielt 8.000 € Gesamtdeckungsbeitrag bei 10.000 € Fixkosten. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Das Betriebsergebnis beträgt −2.000 €. — $BE = 8.000 €-10.000 € = -2.000 €$. Der positive Deckungsbeitrag reicht noch nicht für einen Gewinn.
Die Gewinnschwelle bestimmen

An der Gewinnschwelle, auch Break-even-Point genannt, sind Erlös und Gesamtkosten gleich. Das Betriebsergebnis beträgt dann null:

$$E=K$$

$$DB=K_f$$

Bei konstantem Preis und konstanten variablen Stückkosten gilt für $db>0$:

$$x_BEP = K_f / (p-k_v) = K_f / db$$

Ist das Ergebnis keine ganze Stückzahl, muss für die erste gewinnbringende Absatzmenge auf das nächste ganze Stück aufgerundet werden.

Beispiel

Gegeben sind $K_f=100.000 €$, $p=50 €$ und $k_v=30 €$.

Der Stückdeckungsbeitrag beträgt $20 €$. Deshalb gilt:

$$x_BEP = 100.000 € / 20 € = 5.000 Stück$$

Der Break-even-Umsatz beträgt:

$$U_BEP = 5.000 · 50 € = 250.000 €$$

Bei 5.000 Stück sind Erlös und Gesamtkosten jeweils 250.000 €.

Den Break-even-Point grafisch erkennen

In einem Koordinatensystem steht die Menge auf der waagerechten Achse und der Geldbetrag auf der senkrechten Achse. Die Erlösgerade beginnt bei null. Die Gesamtkostengerade beginnt bei den Fixkosten. Ihr Schnittpunkt ist der Break-even-Point.

MengeErlösGesamtkosten
0 Stück0 €100.000 €
5.000 Stück250.000 €250.000 €
7.500 Stück375.000 €325.000 €

Unterhalb von 5.000 Stück liegt die Kostenlinie über der Erlöslinie: Es entsteht Verlust. Oberhalb davon liegt die Erlöslinie höher: Es entsteht Gewinn.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du den Break-even-Point in einer grafischen Darstellung?
Lösung: Am Schnittpunkt von Erlösgerade und Gesamtkostengerade — Am Break-even-Point sind Erlös und Gesamtkosten gleich. Deshalb schneiden sich dort die beiden Geraden.
Frage 2 von 3MittelEin Betrieb hat 300 € Fixkosten. Preis und variable Stückkosten betragen 8 € und 3 €. Wo liegt die Gewinnschwelle?
Lösung: Bei 60 Stück — Der Stückdeckungsbeitrag beträgt 5 €. Daher gilt $x_BEP=300 €/5 €=60$ Stück.
Frage 3 von 3SchwerWas passiert im linearen Modell mit der Gewinnschwelle, wenn nur die Fixkosten steigen?
Lösung: Die Gewinnschwelle steigt. — In $x_BEP=K_f/db$ wird der Zähler größer, während der Stückdeckungsbeitrag unverändert bleibt. Deshalb steigt die nötige Menge.
Preisgrenzen und Zusatzaufträge beurteilen

Die kurzfristige Preisuntergrenze entspricht im einfachen Modell den variablen Stückkosten. Bei $p=k_v$ ist der Stückdeckungsbeitrag null. Die Fixkosten bleiben dann vollständig ungedeckt.

Die langfristige Preisuntergrenze muss zusätzlich die Fixkosten abdecken. In einem einfachen Einproduktfall bei geplanter Menge $x$ entsprechen die Vollkosten je Stück:

$$k_v + K_f/x$$

Die langfristige Preisuntergrenze hängt deshalb auch von der zugrunde gelegten Menge ab.

Beispiel

Eine Pizzeria erhält einen Zusatzauftrag über fünf Pizzen zu je 2,50 €. Die Zutaten kosten 2 € je Pizza. Es gibt freie Kapazität, und die Fixkosten verändern sich nicht.

Der zusätzliche Stückdeckungsbeitrag beträgt $2,50 €-2 €=0,50 €$. Insgesamt verbessert der Auftrag das Ergebnis um $5·0,50 €=2,50 €$.

Der Auftrag ist unter diesen Annahmen kurzfristig vorteilhaft. Der Preis wäre aber keine tragfähige allgemeine Dauerlösung, wenn damit die Fixkosten nicht gedeckt werden.

Ein positiver Deckungsbeitrag führt nicht automatisch zur Annahme eines Zusatzauftrags. Prüfe außerdem:

  1. Gibt es wirklich freie Kapazität?
  2. Bleiben die Fixkosten unverändert?
  3. Werden keine profitableren Aufträge verdrängt?
  4. Entstehen zusätzliche Transport-, Sonder- oder Folgekosten?
  5. Gefährdet der niedrige Preis spätere reguläre Preise?
Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Zusatzauftrag bietet 6 € je Stück bei variablen Stückkosten von 5 €. Es gibt keine freie Kapazität. Welche Beurteilung ist richtig?
Lösung: Der positive Deckungsbeitrag reicht allein nicht für eine Annahmeentscheidung. — Zuerst ergibt sich zwar 1 € Deckungsbeitrag je Stück. Bei ausgelasteter Kapazität müssen aber verdrängte Alternativen und deren entgangene Deckungsbeiträge berücksichtigt werden.
Teilkosten- und Vollkostenrechnung vergleichen

Beide Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen.

MerkmalTeilkostenrechnungVollkostenrechnung
Verrechnete Kostenmeist variable Kostenfixe und variable Kosten
Typische ErgebnisgrößeDeckungsbeitragSelbst- oder Vollkosten
Hauptzweckkurzfristige Entscheidungenlangfristige Kostendeckung und Kalkulation
Preisgrenzekurzfristige Preisuntergrenzelangfristige Preisuntergrenze
Stärkezeigt den zusätzlichen Ergebnisbeitragzeigt, ob sämtliche Kosten gedeckt werden
Grenzepositiver Deckungsbeitrag beweist keinen GesamtgewinnVerteilung von Fixkosten kann kurzfristige Entscheidungen verzerren

Bei der Vollkostenrechnung werden Fixkosten auf eine angenommene Menge verteilt. Sinkt diese Menge, steigen die Fixkosten je Stück, obwohl der Fixkostenblock gleich bleibt. Ein daraus abgeleiteter höherer Preis kann den Absatz weiter verringern. Diese mögliche Verzerrung heißt Fixkostenproportionalisierung.

Beispiel

Die Pizzeria hat 80 € Fixkosten und 2 € variable Kosten je Pizza.

  • Bei 50 Pizzen entfallen $80 €/50=1,60 €$ Fixkosten auf eine Pizza. Die Vollkosten betragen 3,60 € je Pizza.
  • Bei nur einer Pizza werden derselben Pizza 80 € Fixkosten zugerechnet. Ihre rechnerischen Vollkosten betragen dann 82 €.

Für einen kurzfristigen Zusatzauftrag bei freier Kapazität sind die 2 € variablen Kosten entscheidungsnäher. Für einen dauerhaften Preis müssen dagegen auch die Fixkosten gedeckt werden.

Merke

Nutze die Teilkostenrechnung für klar begrenzte kurzfristige Entscheidungen und die Vollkostenrechnung für die langfristige Kostendeckung. Eine sichere Beurteilung verbindet beide Blickwinkel.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum kann die Vollkostenrechnung einen kurzfristigen Zusatzauftrag ungünstig erscheinen lassen?
Lösung: Sie belastet den Auftrag rechnerisch mit verteilten Fixkosten, obwohl diese möglicherweise unverändert bleiben. — Für die kurzfristige Veränderung des Ergebnisses sind bei freien Kapazitäten vor allem die zusätzlich entstehenden Kosten wichtig.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Teilkostenrechnung
    • Kosten trennen: fixe und variable Kosten
    • Beitrag berechnen: $db=p-k_v$ und $DB=db·x$
    • Ergebnis bestimmen: $BE=DB-K_f$
    • Gewinnschwelle finden: $x_BEP=K_f/db$
    • Preis prüfen: kurzfristig variable, langfristig sämtliche Kosten
    • Entscheidung absichern: Kapazität und Folgewirkungen beachten
Abschluss-Check

Nutze für die folgenden Fragen diesen Fall:

Ein Betrieb verkauft ein Bauteil für 8 €. Die variablen Stückkosten betragen 3 €, die Fixkosten der Periode 300 €. Geplant ist ein Absatz von 100 Stück.

Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Größe beträgt 5 €?
Lösung: Der Stückdeckungsbeitrag — $db=8 €-3 €=5 €$ je Stück.
Frage 2 von 4MittelWie hoch sind Gesamtdeckungsbeitrag und Betriebsergebnis bei 100 Stück?
Lösung: 500 € Gesamtdeckungsbeitrag und 200 € Betriebsergebnis — $DB=5 €·100=500 €$. Nach Abzug der Fixkosten bleiben $500 €-300 €=200 €$ Gewinn.
Frage 3 von 4MittelBei welcher Absatzmenge liegt der Break-even-Point?
Lösung: Bei 60 Stück — $x_BEP=300 €/5 €=60$ Stück. Dort beträgt der Gesamtdeckungsbeitrag genau 300 €.
Frage 4 von 4SchwerEin zusätzlicher Auftrag über 20 Stück bietet 4,50 € je Stück. Es gibt freie Kapazität und keine weiteren Kosten. Was folgt?
Lösung: Der Auftrag verbessert das kurzfristige Ergebnis um 30 €, ist aber nicht automatisch als Dauerpreis geeignet. — Der zusätzliche Stückdeckungsbeitrag beträgt $4,50 €-3 €=1,50 €$. Für 20 Stück sind das 30 €. Langfristig müssen jedoch auch Fixkosten und mögliche Folgewirkungen berücksichtigt werden.

Wenn du alle vier Antworten begründen kannst, kannst du die Teilkostenrechnung nicht nur ausführen, sondern auch ihre Ergebnisse sinnvoll für Entscheidungen nutzen.

Passend dazu