Wirtschaft

Umlaufvermögen: Bestandteile und Kennzahlen

Umlaufvermögen: Bestandteile und Kennzahlen
Umlaufvermögen: Bestandteile und Kennzahlen
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Umlaufvermögen umfasst Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft im Betrieb genutzt werden, sondern verarbeitet, verbraucht, verkauft oder kurzfristig verfügbar gehalten werden. Entscheidend ist vor allem die betriebliche Zweckbestimmung – nicht nur die Art des Gegenstands.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die Zweckbestimmung entscheidet

Stell dir eine Immobilie vor. In einem Produktionsbetrieb wird sie viele Jahre als Werkhalle genutzt. Dann dient sie dem Betrieb dauerhaft und gehört zum Anlagevermögen. Ein Immobilienhändler kauft eine Immobilie dagegen, um sie weiterzuverkaufen. Bei ihm kann derselbe Gegenstand Umlaufvermögen sein.

Definition

Umlaufvermögen

Zum Umlaufvermögen gehören Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen. Sie sind zum Verbrauch, zur Verarbeitung, zur Veräußerung oder zur kurzfristigen Verfügbarkeit bestimmt.

Die Gegenidee heißt Anlagevermögen. Es umfasst Werte, die dem Betrieb dauerhaft und meist mehrfach dienen, zum Beispiel eine dauerhaft genutzte Werkhalle oder Maschine.

Die häufig genannte Zeitspanne „unter einem Jahr“ ist nur eine Orientierung. Maßgeblich bleibt der nachvollziehbare betriebliche Zweck.

Merke

Mehrmaliger dauerhafter Gebrauch spricht für Anlagevermögen. Verbrauch, Verarbeitung oder geplanter Verkauf im normalen Geschäftsablauf sprechen für Umlaufvermögen.

Eine bloße spätere Verkaufsabsicht ändert die Zuordnung nicht automatisch. Wird eine Maschine weiterhin unverändert im Betrieb genutzt, wird sie nicht allein durch den Verkaufsentschluss zum Umlaufvermögen.

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Frage 1 von 1LeichtWarum kann dieselbe Immobilie je nach Unternehmen unterschiedlich eingeordnet werden?
Lösung: Weil ihre betriebliche Zweckbestimmung unterschiedlich sein kann. — Die Zuordnung muss zur tatsächlichen, objektiv nachvollziehbaren Verwendung im Betrieb passen.
Diese vier Gruppen gehören zum Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen wird in vier Hauptgruppen gegliedert:

HauptgruppeBedeutungTypische Beispiele
VorräteBestände, die verarbeitet, verbraucht oder verkauft werdenRohstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse, Waren
Forderungen und sonstige VermögensgegenständeAnsprüche des Unternehmens auf Zahlungen oder andere Leistungenoffene Kundenrechnung
WertpapierePapiere, die zum Verkauf oder als kurzfristige Liquiditätsreserve bestimmt sindkurzfristig gehaltene Wertpapiere
Liquide Mittelsofort oder sehr kurzfristig verfügbares GeldKassenbestand, Bankguthaben, Schecks

Auch bei Wertpapieren entscheidet der Zweck: Kurzfristig zum Verkauf oder als Liquiditätsreserve gehaltene Wertpapiere zählen zum Umlaufvermögen. Dauerhaft gehaltene Wertpapiere können dagegen Anlagevermögen sein.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Eine offene Kundenrechnung ist eine . Waren im Lager zählen zu den . Geld auf dem Bankkonto gehört zu den .

Lösungen: Lücke 1: Forderung; Lücke 2: Vorräten; Lücke 3: liquiden Mitteln. Frage jeweils: Was besitzt oder beansprucht das Unternehmen? Ein Zahlungsanspruch ist eine Forderung, Lagerware ist Vorrat und Bankguthaben ist verfügbares Geld.
So erscheint Umlaufvermögen in der Bilanz

Das Umlaufvermögen steht auf der Aktivseite der Bilanz. Die Aktivseite zeigt, in welchen Vermögenswerten das Kapital steckt. Dort stehen unter anderem Anlagevermögen, Umlaufvermögen und Rechnungsabgrenzungsposten.

Die Passivseite beantwortet eine andere Frage: Woher stammt das Kapital? Dort stehen beispielsweise Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten.

Beispiel

Ein Maschinenbauunternehmen besitzt eine dauerhaft genutzte Werkhalle, Stahlvorräte, offene Kundenrechnungen und Bankguthaben.

  • Die Werkhalle gehört wegen ihrer dauerhaften Nutzung zum Anlagevermögen.
  • Der Stahl wird verarbeitet und gehört zu den Vorräten.
  • Die offenen Kundenrechnungen sind Forderungen.
  • Das Bankguthaben ist ein liquides Mittel.

Die drei letzten Posten bilden Teile des Umlaufvermögens und stehen auf der Aktivseite.

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Frage 1 von 1MittelEin Unternehmen kauft Holz, um daraus Tische herzustellen. Wo wird das Holz eingeordnet?
Lösung: Als Vorrat im Umlaufvermögen — Der geplante Verarbeitungsvorgang macht das Holz zum Vorrat und damit zum Umlaufvermögen.
Werte am Bilanzstichtag richtig verstehen

Ausgangspunkt der Bewertung sind die Anschaffungskosten eines gekauften Vermögensgegenstands oder die Herstellungskosten eines selbst hergestellten Vermögensgegenstands.

Beim Umlaufvermögen kann am Bilanzstichtag ein niedrigerer Wert maßgeblich werden. Diese Grundidee heißt Niederstwertprinzip: Ein Wertverlust soll in der Bilanz nicht übergangen werden.

Beispiel

Ein Händler hat Ware für 10.000 Euro angeschafft. Am Bilanzstichtag ist sie nur noch 8.000 Euro wert. In einer vereinfachten handelsrechtlichen Betrachtung ist der niedrigere Wert von 8.000 Euro anzusetzen. So wird die Ware nicht mit einem zu hohen Wert ausgewiesen.

Gut zu wissen

Handelsrechtliche und steuerrechtliche Bewertung folgen nicht in jedem Punkt denselben Regeln. Besonders bei Teilwerten, Wahlrechten und der Dauer einer Wertminderung darfst du die Begriffe nicht vermischen. Für die Grundidee genügt hier: Kosten sind der Ausgangspunkt, ein niedrigerer Stichtagswert kann die Bewertung verändern.

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Frage 1 von 1MittelWarum wird ein gesunkener Wert des Umlaufvermögens am Bilanzstichtag berücksichtigt?
Lösung: Damit der Vermögenswert nicht zu hoch ausgewiesen wird. — Das Niederstwertprinzip verhindert in der vereinfachten Betrachtung einen zu hohen Ausweis des Umlaufvermögens.
Kennzahlen berechnen und vorsichtig deuten

Kennzahlen verdichten Bilanzwerte. Sie liefern Hinweise, aber keine fertige Bewertung eines Unternehmens.

Die Umlaufintensität zeigt den Anteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen:

$$\text{Umlaufintensität} = \frac{\text{Umlaufvermögen}}{\text{Gesamtvermögen}}$$

Das Working Capital vergleicht das Umlaufvermögen mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten:

$$\text{Working Capital} = \text{Umlaufvermögen} - \text{kurzfristige Verbindlichkeiten}$$

Beispiel

Ein Unternehmen weist 160.000 Euro Umlaufvermögen, 400.000 Euro Gesamtvermögen und 120.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten aus.

  1. Umlaufintensität: $160.000 / 400.000 = 0{,}40 = 40\,\%$
  2. Working Capital: $160.000\,\text{Euro} - 120.000\,\text{Euro} = 40.000\,\text{Euro}$

Damit entfallen 40 Prozent des Gesamtvermögens auf Umlaufvermögen. Das positive Working Capital zeigt, dass das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch um 40.000 Euro übersteigt.

Ein hoher Anteil an Umlaufvermögen kann für kurzfristigere Kapitalbindung und Flexibilität sprechen. Er kann aber auch durch zu große Lagerbestände oder viele unbezahlte Kundenrechnungen entstehen. Deshalb brauchst du für eine Beurteilung immer Branche und Ursachen.

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Frage 1 von 2MittelEin Betrieb hat 80.000 Euro Umlaufvermögen und 160.000 Euro Gesamtvermögen. Wie hoch ist die Umlaufintensität?
Lösung: 50 Prozent — $80.000 / 160.000 = 0{,}5$. Das entspricht 50 Prozent.
Frage 2 von 2SchwerZwei Unternehmen haben jeweils 60 Prozent Umlaufintensität. Darf man daraus schließen, dass beide gleich liquide sind?
Lösung: Nein, denn Zusammensetzung, Branche und Ursachen müssen zusätzlich betrachtet werden. — Die Umlaufintensität allein zeigt weder die genaue Zusammensetzung des Umlaufvermögens noch fällige Zahlungsverpflichtungen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Umlaufvermögen
    • Zweck: Verarbeitung, Verbrauch, Verkauf oder kurzfristige Verfügbarkeit
    • Abgrenzung: dauerhafter Gebrauch führt meist zum Anlagevermögen
    • Gruppen: Vorräte, Forderungen, Wertpapiere, liquide Mittel
    • Bilanz: Ausweis auf der Aktivseite
    • Bewertung: Kosten als Ausgangspunkt, niedrigerer Stichtagswert kann relevant sein
    • Analyse: Umlaufintensität und Working Capital
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Posten gehört typischerweise zum Umlaufvermögen?
Lösung: Eine offene Forderung aus einer Kundenrechnung — Forderungen sind Ansprüche des Unternehmens und eine Hauptgruppe des Umlaufvermögens.
Frage 2 von 3MittelEin Möbelhaus kauft Schränke zum Weiterverkauf. Warum sind sie Umlaufvermögen?
Lösung: Weil sie als Waren zur Veräußerung bestimmt sind. — Der Verkaufszweck ordnet die Schränke den Vorräten und damit dem Umlaufvermögen zu.
Frage 3 von 3SchwerDas Umlaufvermögen beträgt 300.000 Euro, die kurzfristigen Verbindlichkeiten 360.000 Euro. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Das Working Capital beträgt minus 60.000 Euro; kurzfristige Verbindlichkeiten übersteigen das Umlaufvermögen rechnerisch. — $300.000\,\text{Euro} - 360.000\,\text{Euro} = -60.000\,\text{Euro}$. Das Ergebnis ist ein Warnsignal, aber für eine Gesamtbeurteilung sind weitere Informationen nötig.

Du kannst Umlaufvermögen nun über seine Zweckbestimmung erkennen, in vier Gruppen gliedern und mit zwei Kennzahlen untersuchen. Prüfe bei jeder Deutung, was genau hinter den Bilanzwerten steckt.

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