Mathematik

Galton-Brett: Binomialverteilung verstehen

Galton-Brett: Binomialverteilung verstehen
Galton-Brett: Binomialverteilung verstehen
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Beim Galton-Brett wird eine Kugel an jeder Stiftreihe nach links oder rechts abgelenkt. Im Idealmodell sind diese Entscheidungen unabhängig und beide Richtungen gleich wahrscheinlich. Deshalb ist das Zielfach binomialverteilt: Mittlere Fächer sind wahrscheinlicher, weil viel mehr Wege dorthin führen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was geschieht auf dem Galton-Brett?

Eine Kugel fällt durch mehrere versetzte Stiftreihen. An jedem Stift wird sie nach links oder rechts abgelenkt. Nach der letzten Ablenkung landet sie in einem Auffangfach.

Wir nummerieren die Fächer von links nach rechts mit $0,1,\ldots,n$. Dabei bezeichnet $n$ die Zahl der Stufen, also der Ablenkungen.

Definition

Idealmodell

Im Idealmodell gelten für jede Ablenkung dieselben Bedingungen:

  • Rechts tritt mit der Wahrscheinlichkeit $p$ ein.
  • Links tritt mit der Wahrscheinlichkeit $1-p$ ein.
  • Die Ablenkungen werden als unabhängig behandelt: Eine frühere Entscheidung verändert die Wahrscheinlichkeit der nächsten nicht.

Beim symmetrischen Galton-Brett gilt $p=\frac12$.

Jede Rechtsablenkung verschiebt die Kugel um ein Fach nach rechts. Deshalb landet eine Kugel mit genau $k$ Rechtsablenkungen im Fach $k$.

Beispiel

Eine Kugel durchläuft vier Stufen. Der Weg lautet:

rechts – links – rechts – links

Er enthält zwei Rechtsablenkungen. Die Kugel landet daher im Fach $2$ – unabhängig von der Reihenfolge der beiden Rechts- und zwei Linksablenkungen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtEine Kugel wird fünfmal abgelenkt. In welchem Fach landet sie nach genau drei Rechtsablenkungen?
Lösung: Im Fach 3 — Bei der Nummerierung von links ab 0 entspricht die Fachnummer genau der Anzahl der Rechtsablenkungen.
Wie viele Wege und Fächer gibt es?

Auf jeder Stufe gibt es zwei mögliche Richtungen. Mit jeder zusätzlichen Stufe verdoppelt sich daher die Zahl der vollständigen Links-rechts-Folgen.

$$\text{Zahl aller Wege}=2^n$$

Die Zahl der Fächer ist dagegen:

$$\text{Zahl der Fächer}=n+1$$

Der Grund: Eine Kugel kann keinmal, einmal, zweimal bis höchstens $n$-mal nach rechts abgelenkt werden. Das sind die $n+1$ möglichen Werte $0,1,\ldots,n$.

Beispiel

Bei drei Stufen gibt es

$$2^3=8$$

vollständige Wege, aber nur

$$3+1=4$$

Fächer. Mehrere verschiedene Wege können also im selben Fach enden. Beispielsweise führen rechts – links – links, links – rechts – links und links – links – rechts alle ins Fach $1$.

Merke

Verwechsle Wege und Fächer nicht: Bei $n$ Stufen gibt es $2^n$ Wege, aber nur $n+1$ Fächer.

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Frage 1 von 1MittelEin Galton-Brett besitzt sechs Stufen. Welche Angabe ist richtig?
Lösung: Es gibt 64 Wege und 7 Fächer. — Es gilt $2^6=64$ für die Wege und $6+1=7$ für die Fächer.
Wie zählt das Pascalsche Dreieck die Wege?

Nicht alle Fächer sind über gleich viele Wege erreichbar. Die Zahl der Wege mit genau $k$ Rechtsablenkungen wird durch den Binomialkoeffizienten angegeben:

$$\binom{n}{k}$$

Diese Zahlen stehen in der Zeile $n$ des Pascalschen Dreiecks. Jede Zeile beginnt und endet mit $1$. Jeder innere Wert entsteht als Summe der beiden Werte darüber.

Für vier Stufen lautet die passende Zeile:

Fach $k$01234
Zahl der Wege $\binom{4}{k}$14641
Beispiel

Ins Fach $2$ eines vierstufigen Bretts führen

$$\binom{4}{2}=6$$

Wege. Die Kugel muss zweimal nach rechts und zweimal nach links gelangen. Es gibt sechs verschiedene Reihenfolgen dieser Ablenkungen.

In ein äußeres Fach führt dagegen nur ein Weg: entweder viermal links oder viermal rechts.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum landen im Idealmodell mehr Kugeln in mittleren als in äußeren Fächern?
Lösung: Zu den mittleren Fächern führen mehr verschiedene Wege. — Das Pascalsche Dreieck zeigt viele Wege zur Mitte und nur je einen Weg zu den äußersten Fächern.
Wie berechnest du eine Fachwahrscheinlichkeit?

Wir nennen eine Rechtsablenkung einen Treffer. Die Zufallsgröße $X$ zählt die Rechtsablenkungen. Bei $n$ unabhängigen Stufen mit konstanter Rechtswahrscheinlichkeit $p$ gilt:

$$P(X=k)=\binom{n}{k}p^k(1-p)^{n-k}$$

Die Formel verbindet zwei Gedanken:

  1. $\binom{n}{k}$ zählt die Wege mit genau $k$ Rechtsablenkungen.
  2. $p^k(1-p)^{n-k}$ ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Weges.

Beim symmetrischen Brett ist $p=\frac12$. Dann besitzt jeder vollständige Weg dieselbe Wahrscheinlichkeit:

$$\left(\frac12\right)^n$$

Damit vereinfacht sich die Fachwahrscheinlichkeit zu:

$$P(X=k)=\binom{n}{k}\left(\frac12\right)^n$$

Beispiel

Wie wahrscheinlich ist bei vier Stufen das mittlere Fach $2$?

Zuerst bestimmen wir die Zahl der passenden Wege:

$$\binom{4}{2}=6$$

Jeder der $2^4=16$ Wege ist gleich wahrscheinlich. Daher gilt:

$$P(X=2)=\binom{4}{2}\left(\frac12\right)^4=6\cdot\frac1{16}=\frac38=0{,}375$$

Die Wahrscheinlichkeit beträgt also $37{,}5\,\%$.

Beispiel

Ein Galton-Brett hat zehn Stufen. Für das mittlere Fach gilt $k=5$, nicht $k=6$:

$$P(X=5)=\binom{10}{5}\left(\frac12\right)^{10}=\frac{252}{1024}\approx0{,}2461$$

Für das Fach $6$ gilt dagegen:

$$P(X=6)=\binom{10}{6}\left(\frac12\right)^{10}=\frac{210}{1024}\approx0{,}2051$$

Das mittlere Fach hat somit eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr $24{,}61\,\%$.

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Frage 1 von 1MittelEin symmetrisches Brett hat fünf Stufen. Welcher Term berechnet die Wahrscheinlichkeit für Fach 2?
Lösung: $\binom{5}{2}\left(\frac12\right)^5$ — Es gibt $\binom{5}{2}$ passende Wege. Jeder vollständige Weg hat bei fünf Stufen die Wahrscheinlichkeit $(1/2)^5$.
Warum entsteht eine Glockenform?

Beim symmetrischen Idealmodell sind die Binomialkoeffizienten spiegelbildlich angeordnet. Deshalb ist auch die Fachverteilung symmetrisch. Viele Wege führen zu mittleren Fächern, wenige zu den Rändern.

Bei zehn Stufen ergeben sich diese theoretischen Anteile:

Fach $k$012345678910
Wege1104512021025221012045101

Werden $1024$ Kugeln betrachtet, entsprechen diese Zahlen zugleich den theoretisch erwarteten Häufigkeiten. In einem tatsächlichen Versuch müssen die beobachteten Häufigkeiten jedoch nicht exakt so ausfallen.

Gut zu wissen

Die endliche Fachverteilung des Galton-Bretts ist binomial, nicht stetig normalverteilt. Bei ausreichend vielen Stufen ähnelt ihre Form einer gaußschen Glockenkurve und kann unter passenden Bedingungen durch eine Normalverteilung angenähert werden. Die Glockenform allein beweist weder perfekte Mechanik noch die Güte eines Zufallsverfahrens.

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Frage 1 von 1SchwerBei einem symmetrischen Galton-Brett entstehen nach vielen Kugeln zwei deutlich verschieden hohe Seiten. Welche Schlussfolgerung ist am sinnvollsten?
Lösung: Wahrscheinlich sind Modellannahmen wie gleiche Ablenkwahrscheinlichkeiten verletzt. — Eine deutliche, beständige Schiefe passt nicht zum symmetrischen Idealmodell. Mögliche Ursachen sind ungenaue Stifte, unterschiedliche Kugeln oder eine seitliche Neigung.
Wo endet das mathematische Idealmodell?

Ein reales Brett erfüllt die Modellannahmen nie vollkommen. Stifte können ungenau angeordnet sein, Kugeln können sich unterscheiden, und Reibung oder Stöße können die Ablenkungen beeinflussen. Dann ist $p$ möglicherweise nicht überall gleich oder die Ablenkungen sind nicht hinreichend unabhängig.

Das Modell ist trotzdem nützlich: Es beschreibt, welche Verteilung unter vereinfachten Bedingungen zu erwarten ist. Anschließend kannst du Beobachtung und Modell vergleichen.

Auch ein Brett mit $p\ne\frac12$ kann binomial modelliert werden, sofern $p$ konstant bleibt und die Ablenkungen unabhängig sind. Dann wird die Verteilung im Allgemeinen schief.

Beispiel

Angenommen, eine Rechtsablenkung hat auf jeder von vier Stufen die Wahrscheinlichkeit $p=0{,}7$. Für Fach $3$ gilt:

$$P(X=3)=\binom{4}{3}\cdot0{,}7^3\cdot0{,}3=4\cdot0{,}343\cdot0{,}3=0{,}4116$$

Die Wahrscheinlichkeit beträgt $41{,}16\,\%$. Weil Rechts wahrscheinlicher ist, liegt der Schwerpunkt weiter rechts als beim symmetrischen Brett.

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Frage 1 von 1SchwerEin Brett ist seitlich geneigt, sodass rechts stets mit $p=0{,}7$ eintritt. Was ändert sich im Modell?
Lösung: Die Verteilung bleibt bei unabhängigen Ablenkungen binomial, ist aber nicht mehr symmetrisch. — Bei weiterhin zwei unabhängigen Möglichkeiten pro Stufe bleibt das Binomialmodell passend. Für $p\ne1/2$ sind die einzelnen Wege und Fächer jedoch nicht symmetrisch gewichtet.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Galton-Brett
    • Aufbau
      • $n$ Ablenkungen
      • $n+1$ Fächer
    • Wege
      • links oder rechts
      • insgesamt $2^n$
      • Fach $k$ nach $k$ Rechtsablenkungen
    • Wahrscheinlichkeit
      • $\binom{n}{k}$ passende Wege
      • Binomialverteilung
      • bei $p=1/2$ symmetrisch
    • Modellgrenzen
      • konstantes $p$
      • unabhängige Ablenkungen
      • reales Brett nur näherungsweise
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe zählt $\binom{n}{k}$ beim Galton-Brett?
Lösung: Die Wege mit genau $k$ Rechtsablenkungen — Der Binomialkoeffizient zählt die Reihenfolgen, in denen genau $k$ Rechts- und $n-k$ Linksablenkungen auftreten.
Frage 2 von 3MittelEin symmetrisches Brett hat zehn Stufen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für das ganz linke Fach?
Lösung: $\frac1{1024}$ — Ganz links landet die Kugel nur nach zehn Linksablenkungen. Dieser eine Weg hat die Wahrscheinlichkeit $(1/2)^{10}=1/1024$.
Frage 3 von 3SchwerEin Brett mit fünf Stufen liefert über viele Wiederholungen auffällig mehr Kugeln rechts. Welche Erklärung verbindet Beobachtung und Modell am besten?
Lösung: Die Rechtswahrscheinlichkeit könnte größer als $1/2$ sein; dann wäre eine schiefe Binomialverteilung möglich. — Eine beständige Verschiebung kann auf $p>1/2$ hindeuten. Die $2^5$ möglichen Richtungsfolgen bleiben bestehen, werden aber unterschiedlich wahrscheinlich.

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